ihm zwar schwer ein, aber er musste sich doch dazu verstehen, um grösseren Ungelegenheiten auszuweichen.
Der Pachter, J a k o b und K a t h r i n e wurden nun geholt. Aber diese Scene, die Freude der Liebenden und die Verwundrung des Alten, ist unbeschreiblich. In acht Tagen wird die Hochzeit sein, und zwar auf unserm Gute. K a r o l i n e ordnet alles hierzu mit liebenswürdiger Geschäftigkeit an.
Ich hätte dir wohl manches auf deinen Brief zu sagen, liebster F e r d i n a n d . Aber im grund kannst du diess alles finden, wenn du den Schluss meines vorigen Schreibens noch einmal aufmerksam durchlesen willst. Ich sage dir also heute nichts mehr, als das, wovon du gewiss schon lange überzeugt bist: dass mir dein Wohl so nahe am Herzen liegt, wie mein eigenes, dass ich wünschte, den Mann aus dir werden zu sehen, der du nach deinen Fähigkeiten werden kannst, wenn du dir ihre Ausbildung sorgfältig angelegen sein lässt, und dass ich endlich nie aufhören werde zu sein
Dein eifrigster Freund,
Eduard.
Achtzehnter Brief
Ferdinand an Eduard
Bei meiner Treu, E d u a r d , du bist ein braver Kerl. Deine geschichte, die du da schreibst, gefällt mir sehr. Ich möchte gleich aus der Haut fahren, wenn ich solche Niederträchtigkeit sehe. Ich wollte nur, dass der Schurke, der Amtmann, stärker bestraft wäre. Warte, du Bube, ich wollte dich anders haben tanzen lassen! Zwar mögen ihm die hundert Taler wohl genug an der Seele gedrückt haben, aber die Strafe bleibt doch immer noch zu klein.
Nimm mir es nicht übel, E d u a r d , ich erinnere mich eben nicht, im Schluss deines vorletzten briefes etwas besonders Anziehendes gelesen zu haben, und, ihn noch einmal durchzulesen, habe ich unmöglich Zeit. Sogar mit dem Studieren wills nicht recht mehr fort, seitdem ich das Wettermädchen gesehen habe. Ich nehme wohl ein Buch in die Hand, aber gleich schmeisse ich es wieder fort, um wenigstens vor ihrem haus vorbei zu gehen, wenn ich nicht hinein gehen darf. Mein Seel, es ist auch ein nettes Mädchen, viel angenehmer als weiland L o t t e , unsers Rektors Tochter, der wir alle sonst so vielen Weihrauch streuten. Doch ich muss dirs wohl vom Anfang an erzählen.
K l i n g e holte mich, seinem Versprechen gemäss, ab, um mich in dem haus der verwittweten Rätinn B . einzuführen. Wir fanden sie nähend an einem Tische sitzen; ein ungemein hübsches Mädchen sass auch da, und half ihr. Wir wurden sehr freundlich empfangen, und K l i n g e , der ein Vetter von haus ist, unterhielt die Alte von Familiensachen. Während dessen sprach ich mit der Tochter. Ein dralles Mädchen von achtzehn Jahren. Recht schön, und so munter, dass es eine Freude ist, mit ihr umzugehen. Und dabei soll sie sehr sittsam sein, wie mir K l i n g e sagt, und wie ich aus ihren Reden schloss.
Wir blieben den Abend da. Es kam noch mehr Gesellschaft von jungen Leuten, auch noch ein paar Frauenzimmer, gegen H e n r i e t t e n zwar Fratzengesichter, aber doch ganz umgänglich. Wir spielten Pfänder und waren sehr lustig. Beim Abschiede drückte mir H e n r i e t t e die Hand, und bat mich, bald wieder zu kommen. K l i n g e sagt mir, sie hätte schon sehr viele Anbeter gehabt, aber noch keiner von allen hätte Eindruck auf sie machen können. Den andern Morgen ging ich hin, und fragte, wie sie geschlafen hätte. Das Mädchen sah in ihrem Morgenzeuge allerliebst aus. Ich gestehe es, sie hat mich ganz bezaubert. Auch scheine ich ihr eben nicht verhasst zu sein. Sie sieht so freundlich aus, wenn ich komme. –
"Wollen Sie schon weg? sagte sie heute, als ich bereits eine Stunde da gewesen war."
"Ich muss in die Institutiones."
"Ach was wollen Sie mit dem trocknen Zeuge, das hören Sie sich doch noch satt. Bleiben Sie immer noch ein Stündchen hier."
Ein freundlicher blick von ihr, und ich blieb. Das wirst du, zärtlicher Schäfer, mir doch gewiss vergeben? – –
Ferdinand.
Neunzehnter Brief
Eduard an Ferdinand
Bester F e r d i n a n d ! Wenn noch die Bitten eines Freundes, der dich aufs zärtlichste liebt, etwas über dich vermögen, wenn du noch kindliche Empfindungen gegen deinen alten Vater hegst, der seine ganze Hoffnung auf dich gründet, der gewiss stündlich, für dein Wohl besorgt, zu Gott betet, o so flieh K l i n g e n , seine Bekannten und H e n r i e t t e n !
K l i n g e ist gewiss ein ausgelernter Bösewicht, der dich so unschuldsvollen guten Jungen zu verderben sucht. Dein Herz, gut und bieder, glaubt, dass andre Menschen auch so sind, und hat keinen Begriff von den Ränken andrer, da List und Bosheit von dir fern ist. Siehst du denn nicht, betrogner Freund, dass H e n r i e t t e eine verschmitzte B u h l e r i n n ist, in deren Netze man dich zu fangen