habe seinem Vater oftmals die Versichrung gegeben, dass er den sehr einträglichen Schulzendienst, mit dem auch noch die Stelle eines Einnehmers verknüpft war, sobald er vakant würde, bekommen sollte. Der junge Mensch hatte sich auch aus diesem grund vorzüglich auf Schreiben und Rechnen gelegt, und hatte sich durch Geschicklichkeit, Redlichkeit, und das allgemeine zeugnis einer guten Aufführung, dieses Dienstes vollkommen wert gemacht. Der alte Schulze, schon seit einigen Jahren schwächlich, starb, und J a k o b säumte nicht, sich bei dem Amtmann zu melden. Er wurde sehr höflich empfangen, erhielt die beste Hoffnung, und sein gönner, der eben einige Leute bei sich hatte, sagte ihm, als er wegging, er möchte doch den andern Tag wiederkommen, weil noch einiges zu verabreden wäre. Voller Freuden eilte J a k o b zu seinem Mädchen, und diese eröffnete ihm, was sie bis jetzt sich zu sagen geschämt hatte, dass sie die Frucht ihrer Vertraulichkeit an einem Abend einer ländlichen Lustbarkeit, wo er vom Wein, und sie von Tanz und Liebe berauscht war, unter ihrem Herzen trüge. Diese Nachricht erhöhte seine Freude noch mehr, und kaum konnte er den andern Morgen erwarten, von dem er die völlige Versichrung seines Glücks erwartete.
Zehnmal griff er nach seinem Hut, und eben so oft hieng er ihn wieder hin, weil es ihm noch zu früh dünkte, zum Amtmann zu gehen. Endlich machte er sich auf. Mit dem freundlichsten Gesicht empfieng ihn der Amtmann, der eben sein Morgenpfeifchen rauchte. Nach einigen gleichgültigen Gesprächen kam er auf das rechte Kapitel:
"Es wäre doch gut, J a k o b , wenn er nun bei seinem Dienste auch auf eine junge Frau bedacht wäre. Mit einem jungen mann will es doch immer so nicht recht fort, so lange er unverheiratet ist. Meint er das nicht auch?"
"O ja, da haben Sie vollkommen Recht, Herr Amtmann. Ich bin auch gar nicht abgeneigt. Ich – habe – auch – –"
"Er hat das auch schon gedacht, nicht wahr? Ja und da wüsste ich ihm im ganzen dorf keine bessere person vorzuschlagen, als meine Köchinn. Sie ist ein hübsches Mädchen, versteht eine gute Haushaltung zu führen, und – lächelnd – sie wird auch, weil sie mir treu gedient hat, ein arriges Heiratsgut von mir erhalten. – –"
Er hielt seiner Köchinn – die schon seit einigen Jahren seine bekannte Hure war – noch eine lange Lobrede, von der aber der arme J a k o b kein Wort hörte, so ganz war er von Schrecken betäubt. Er dachte zwar daran, ob er zum Schein tun wolle, als willige er in den Vorschlag, aber sein redliches Herz verabscheute diese Falschheit. Er sagte also zwar blass und zitternd, aber doch mit Standhaftigkeit, dem Amtmann seine Liebe zu K a t h r i n e n , und erklärte, dass er nie eine andre nehmen könnte. Nach einigen fruchtlosen Vorstellungen, sagte ihm dieser mit höchst zornigem Gesicht und gebietrischem Ton, wenn er sich weigerte, die Köchinn zu heiraten, so sei gar nicht daran zu denken, dass er den Dienst erhielte; es würde sich schon ein andrer finden, der mit Freuden diese Bedingung annehmen werde. Und nun wies er ihm auf eine höchst grobe Art die Tür. K a t h r i n e stiess einen lauten Schrei aus, als J a k o b , blass wie eine Leiche, ins Zimmer trat. Der alte Pachter schimpfte zwar sehr auf den niederträchtigen Amtmann, verbot aber den jungen Leuten, unter vielen Drohungen, nie wieder an einander zu denken. Aus Furcht vor seiner Härte wagte es seine Tochter nicht, ihm ihren Zustand zu entdecken.
Verzweifelnd ging J a k o b fort, und K a t h r i n e verabredete noch heimlich eine letzte Zusammenkunft mit ihm auf den Abend, und eben hier traf ich sie an.
Von ihrer Erzählung durchdrungen, verliess ich sie, und gab ihnen tröstende Versichrungen. Der Geheimde Rat war noch nebst K a r o l i n e n auf seinem Zimmer. Ich erzählte mit vieler Wärme die geschichte. K a r o l i n e n s Tränen flossen dem Schicksal des armen Paars. Auch ihr würdiger Onkel, dem jede Ungerechtigkeit ein Greuel ist, nahm lebhaften Anteil daran. Er gab mir den Auftrag, genauere Erkundigung einzuziehen, ob auch alle Umstände sich so verhielten. Ich brachte ihm den andern Morgen unbescholtne Zeugen, welche die Wahrheit von J a k o b s Aussage bekräftigten, und so wohl ihm als K a t h r i n e n die besten Zeugnisse gaben. Und nun schrieb der vortreffliche Mann einen eigenhändigen Brief an den Amtmann, der gewissermassen unter seiner Gerichtsbarkeit steht, und verwies ihm sein Betragen in der Sache sehr ernstaft.
Dieses hatte denn die wirkung, dass der gestrenge Herr Amtmann selbst erschien, sich aufs beste entschuldigte, und den Geheimden Rat inständigst bat, die Sache nicht weiter zu treiben. Der G. R. versprach diess, aber unter den Bedingungen: erstlich, dass J a k o b den Dienst erhielte; zweitens, dass ihm der Amtmann nicht durch allerlei Kränkungen in seinem Aemtchen sein Leben verbittre; drittens, dass er ihm die hundert Reichstaler Heiratsgut gäbe, die er ihm mit der Köchinn versprochen habe.
Diese Bedingungen, besonders die letzte, gingen