, fest an Deinem herz hängender
Heinrich.
N.S. Du wohnst in der Hölle bei einem Satan. Der Überbringer hat mir erzählt, dass Du bei einer Tante wohnst, die beständig flucht. Deine vermaledeite Tante geht mit Dir um, dass es mich jammert. O wenn ich dem zähnebleckenden Ungeheuer den Kopf spalten könnte! spalten!!!!! Es ist mir so weh ums herz, dass ich Dir so nahe sein muss und nicht Ich verbleibe
Dein betrübter, tief gebeugter zärtlichstinnigstbrün
stigstsehnlichstschmachtender
Heinrich.
Postscript. Wenn ich Dich nur einmal, nur ein allereinziges Mal sprechen könnte! Ich bin so melancholisch geworden, dass ich Blut weinen möchte.
Ich bin mit aller Hochachtung
Ihr gehorsamer Diener,
Heinr. Ch. Herrmann.
Den letzten Schluss schrieb er halb im Schlafe, und die Höflichkeit trat an die Stelle der Liebe. – Die unselige Liebe! was für schlechte Stilisten sie macht!
Nach langer, quälender sehnsucht, die ihn jede fünf Minuten an das Fenster riss, erschien der Bote am Ende der Gasse! er lief die Treppe hinunter und nahm ihm folgenden Brief im haus ab.
den 12. Junius.
Wie sehr ich mich gestern über unser plötzliches Wiederfinden gefreut habe, das weiss mein Herz und Dein eigenes. Nach einer so langen, ewigen Trennung ist die Freude so voll, dass man von sich selbst nichts weiss. Aber lieber, lieber Heinrich! die Trennung ist noch nicht aus. Der Onkel hat der Oberstin, bei der len, mich keine Minute aus den Augen zu lassen; und sie kommt dem Befehle so getreulich nach, dass sie mich lieber am Halse herumtrüge, wenn's sein könnte. Auf dem Spaziergange darf ich nur den Kopf zurückwenden, um zu sehen, wer hinter uns geht, oder auf die Seite kehren, um jemanden an einem Fenster zu beschauen, gleich geht das Unglück los. "Sapperment!" schreit sie, "wo gakeln Sie einmal mit den verfluchten Augen herum?" – Bald geh ich ihr zu langsam oder stehe wohl gar still, um etwas anzusehn: "In des Teufels Namen!" fängt sie an; "so heben Sie doch die infamen Knochen!" – Bald hab ich Langeweile und eile nach haus. – "Dass Sie das Donnerwetter erschlüge mit Ihrem höllischen Rennen!" – und dabei reisst und stösst und wirft sie mich herum wie ihr Spaniol, wenn sie eine Prise nimmt. So eine widerliche Frau kann gar nicht mehr auf der Erde sein: ihr Mund und ihre Brust ist beständig mit gelbem Tabak überglasiert, und wenn sie mich mit den schmutzigen Fingern angreift, geht mir's allemal durch Mark und Bein. Als ich gestern, da wir bei der Mühle so übel angelassen wurden, nach haus kam, hat sie mir recht mitgespielt: schon in der Mühle fluchte sie auf mich, dass die Balken zitterten; und zu haus stiess und zerrte und warf sie mich so gewaltig herum, dass der Abdruck von ihren grossen, gelben Tabaksfingern in Lebensgrösse auf meinem weissen Kleide zurückgeblieben ist. Wir haben uns im Zimmer von einem Ende zum anderen herumgejagt: ich wollte mich durchaus nicht von ihr anrühren lassen, und sie kann doch nicht sechs Worte mit jemandem sprechen, besonders wenn sie böse ist, ohne dass sie nicht die Leute bei dem arme oder an der Brust anpackt. – "Schmälen Sie, soviel Sie wollen!" rief ich immer und wehrte sie mit allen Händen von mir ab. "Greifen Sie mich nur nicht an!" – Sie hüpfte immer wie ein welscher Hahn mit aufgeschwollnem Kamme, und die arme wie ein Paar Flügel ausgebreitet, auf mich los. "Sapperment!" schrie sie, "du Zeteraas! du wirst doch nicht die Pestilenz kriegen, wenn ich dich anrühre? Ich will dir die verfluchten Knochen zusammendrücken": – und, Heinrich! nun packte sie zu! wie ein Häscher packte sie zu und schüttelte mich, dass ich dachte, ich sollte das Fieber kriegen.
Sie muss dem Onkel alle Wochen einmal schreiben, wie ich mich aufführe; und sie hat heute schon den ganzen Vormittag geschmiert: Du kannst Dir leicht vorstellen, wovon. Nun werde ich ein saubres Briefchen vom Onkel über unsern gestrigen Vorfall erhalten. Schadet nichts! Ich bin des Ausschmälens so gewohnt wie des täglichen Brots. Ich singe, springe, hüpfe und bin lustig, sobald mir nur die Tante Sapperment vom leib ist: das wehrt sie mir auch nicht; denn wenn sie den Wurn kriegt, so geht's mit ihr selber über Tisch und Stühle weg. Wenn fräulein Pimpelchen – den Namen hat ihr meine Tabakstante gegeben; denn das tut sie allen Leuten – und fräulein Ripelchen und Mamsell Zieräffchen zu uns kommen, dann geht's buntüber: da wird geschrien und gelärmt, dass die Nachbarn neulich dachten, es wäre Feuer im haus, und mannigmal ist der Staub so arg, dass wir einander an die Köpfe rennen und in die Augen greifen und nicht wissen, wo wir sind.
Zuweilen tut mir aber doch mitten in dem lustigen Leben mein Herz recht weh, wenn mir's einfällt, dass ich meiner Tante, der Gräfin, so viele Unruhe verursache. Du weisst gar nicht, wie der Graf mit ihr umgeht, seitdem Du weg bist: sonst war er doch höflich: aber jetzt ist das alles aus. Er brummt den ganzen Tag: nichts kann sie ihm recht