Gehalt, seine Verrichtung und das Ohr des Grafen bekommen: er lässt sich so gut an, dass er den Vater in kurzem weit übertreffen wird. So jung er ist, so hat er sich doch schon zum Probestücke am Koche wegen eines übereilten Spasses gerochen, den dieser gesagt haben soll, als er ihn einmal aus dem Schlamme zog: der arme Mensch hat vor acht Tagen in voller Ungnade den Abschied erhalten.
fräulein Hedwig ist eine Stunde von hier zu einem Dorfgeistlichen gezogen: weil sie entweder mit Fleiss oder zufälligerweise dem Grafen zweimal begegnet ist, hat man ihr befohlen, das Städtchen zu verlassen, damit sich der Fall nicht wieder ereignen könnte.
Eine für mich höchst schmerzhafte Begebenheit, weil sie Dich so nahe angeht, wirst Du aus dem eingeschlossnen Briefe erfahren. Tröste Dich, lieber Freund! Sei standhaft wie ein Mann, und glaube, dass noch kein Bösewicht ungestraft ins Grab ging. – Herrmann zitterte: er konnte nicht weiterlesen: er nahm den eingeschlossnen Brief hastig und öffnete ihn mit bestürzter Erwartung: er war von seiner Mutter.
Gott zum Grus libes Kind wens dir noch wolget so ist es uns fon Herzen lib und angenem wir sind dem högsten sei Dank noch alle wohl auf. Es were gar kein Wunder wen man for schwärer Ankst und grosen Herzenskumer auf der Nase lege. Libes Kind Es is uns gar n groses Unglik begegent weil dein Fater den 7ten hugus seinen Dinst Ferloren hat aber der teifel wird inen schon in der Helle dafor lonen den gottlosen Pakke. Als ehegestern den 7ten huigus namen si im di Rechnunk ab. ich habe gedacht ich mus in Onmacht fallen wi der Berenheiter der verfluchte Maulesel du wirscht ia deinen Rachen noch voll krigen du alter Dikkop das du erliche Leite um ir bisgen libes Brot bringst lass dir nmal erzelen libes Kint da sasen wir bei tische unt da kam das huntsgesicht als ehegestern den 7tn huigus unt sagte das dein Fater den Dinst nicht mehr haben sollte es war als wen mir jemand mit den Brotmesser s Herz entzweischnitte wie s so Knall unt fal kam. ich habe di drei tage iber kein trocknes Auge gehabt s ist gar ne grosse Not mit uns das dein Fater den Dinst verloren hat Dein Vater ist n rechter krober Kloz das er mich so veksiert das ich mich so betriebe das er n Dinst Ferloren hat. Der Libe gott erhalte dich gesund di schlaraffengesichter habens den krafen gesagt weil dein fater nmal das Maul zu weit aufgetan hat r hat den krafen das Kalb Moses geheisen und das mag n verdrosen haben und ta hat er seinen Dinst verloren. Wir zin wek ich will dirsch schon schreiben wir wisen noch nicht wohin ich wills ja wohl noch erleben das den SchandKerl die leise fressen Deine getreie Mutter bis in den Tod
Anna Maria Petronilla
Hermannin.
Auf einen kleinen Zettel hatte der Vater flüchtig geschrieben: Der Teufel hat meinen Dienst geholt: er wird die bald nachholen, die mich darum gebracht haben, hoffe ich. Nakt bin ich auf die Welt gekommen, nakt muss ich von dem Dreckhaufen wieder fortgehn: wer nichts hat, verliert nichts. Drum sei gutes Muts wie dein Vater und gieb keinem Menschen ein gutes Wort. Lebe wohl, Heinrich. Wenn du nach mir gerätst, so bin ich lebenslang
Dein herzensguter Vater
Adam Ehrenfried Herrmann.
Heinrich war wehmütig über diese unerwartete Nachricht, aber noch wehmütiger, dass ihm niemand etwas von der Baronesse sagte. Er warf die Briefe auf den Tisch, schleppte sich traurig in einen Armstuhl und sah steif vor sich hin. – 'Und auch keinen Gruss!' dachte er. 'Nicht ein Wort, wo sie ist, wie es ihr nach meiner Abreise ergangen ist! Zeitlebens kann ich das Schwingern nicht vergeben – so eine Unachtsamkeit! Er spricht immer, wie sehr er mich liebt: ja, mag er mich lieben! das ist eine schöne Liebe, das Beste zu vergessen! – Sie hat ihm vermutlich wer weiss wieviel aufgetragen, aber er ist so vergesslich! Zu tod möchte ich mich über ihn ärgern. Ob ich wüsste, was Jakob geworden ist, oder nicht; das hätt er für sich behalten können: wenn er mir nur dafür mit einem Worte gesagt hätte – 'die Baronesse ist nicht mehr bei uns – die Baronesse ist in Berlin, ist in Dresden.' – Ach! wenn sie vielleicht schon hier wäre, und ich wüsst es nicht. – Ja, zuverlässig! so wird es sein: sie ist schon hier, sie weiss nicht, wo ich wohne: wie oft mag sie mich schon gesucht, sich nach mir erkundigt haben! – Und davon sagt man mir nun kein Wort! Da denken die Leute, es ist in den grossen Städten wie in unserm kleinen Neste, dass sich zwei Leute gleich begegnen, wenn sie nur eine Stunde darinne sind. Schwinger ist ja doch schon in grossen Städten gewesen – aber er überlegt sich nichts! Wie soll ich denn nun unter den vielen tausend Häusern das Haus finden, wo sie wohnt? und unter den Millionen Stuben und Kammern ihr Zimmer? Soll ich denn in den hunderttausend Gassen täglich auf und nieder laufen? und wenn ich an diesem Ende bin, so ist sie vielleicht an jenem. Sie kann ja in einer Kutsche vor mir tausendmal vorbeifahren, und ich erkenne sie nicht: sie geht vielleicht dicht neben mir hin und sucht mich und ängstigt und quält sich meinetwegen, und keins sieht das andre vor den vielen Menschen, die da