eine kleine, wohlfeile Lust, die man oft anstellen kann, tausendmal lieber als so eine seltne kostbare Fresserei, wobei man sich den Magen verdirbt und des Lebens unter den hübschen Leuten nicht froh wird. Lass sie Kaffee saufen, wenn du ja Besuch haben willst, und damit gut! Oder gib guten Freunden ein paar Schüsseln, und das oft, und lass uns fröhlich und guter Dinge dabei sein!
Die Frau. Schweig, Papachen! das verstehst du nicht.
Der Mann. Ja, ja; ich bin's ja zufrieden, wenn's nicht anders sein kann. – Aber –
Die Frau. Papachen, geh an deine Arbeit! Akten verstehst du:verdiene du nur das Geld! Wie es vertan werden soll, das verstehe ich. – Geh! arbeite!
Der Mann. Ja, ja, Mäuschen: ich will's ja tun.
Er gehorchte: sie merkte wohl, dass ihm noch etwas auf dem Herzen lag, aber sie trug kein grosses Verlangen, es zu erfahren. Er wollte ihr Heinrichs Aufnahme in sein Haus hinterbringen, das war es: gleichwohl wusste er nicht, wie er sich am besten dabei benehmen sollte. Er berief ihn zu sich auf seine stube, um ihm die Marotten seiner Frau bekanntzumachen, damit er desto leichter das Geheimnis erriete, sich in ihre Gunst zu setzen.
"Pro primo", hub er an, "hat meine Frau dergestalt und allermassen einen recht spanischen Stolz – nimm einen Bogen Papier und schreibe, wie ich dir vorsage! –, sie lässt sich gern die hände küssen, sie sieht es sehr gern, dass man tiefe, tiefe Reverenze vor ihr macht, und nimmt's übel, wenn sie nicht tief genug sind: sie wird böse, wenn man sie Madam nennt: Frau Doktorin muss man sie nennen, wenn sie antworten soll; und krieg ich einen Titel – welches ich nächst Gottes hülfe in wenig Wochen erwarte –, dann muss man jedesmal nach zwei Worten den Titel einschieben, damit diejenigen, so es nicht wissen, gleich erfahren, wen sie zum mann hat. Wenn man von ihr und sich selbst zu gleicher Zeit spricht, so muss sie zuerst genennt werden, oder sie macht ein Gesicht wie eine wilde Katze. Zur Tür hinein oder heraus muss sie allemal vorangehn, oder es läuft übel ab. Auch muss man soviel möglich sich hüten, gegen sie sich solcher natürlichen Ausdrücke zu bedienen wie folgende: Ich habe Sie im Zwinger gesehen – Sie haben hier eine Faser hängen – gehen Sie voran! – dafür sage man zierlicher zu ihr: 'Frau Doktor, ich habe die Frau Doktorin im Zwinger gesehen – Die Frau Doktorin haben hier eine Faser hängen – Die Frau Doktorin belieben voranzugehn!' – Wer sie mit der linken Hand führen will, ist ihr Todfeind: sie zieht in einem solchen Falle ihre Hand zurück und rümpft die Nase. Item muss man sich alles Naseputzens, Räusperns, Ausspeiens, starken Redens und andern Geräusches, was und welcherlei es sein möge, sorgfältigst in ihrer Nähe entalten: je leiser und unverständlicher man spricht, je angenehmer ist es für sie. Item darf man nicht frei und offen, sondern beständig mit einer Art von Zwang und ehrerbietiger Scheu mit ihr sprechen, nicht zu nahe zu ihr treten, sondern sich sosehr als möglich bei der Tür halten, nie lustig und aufgeräumt, sondern beständig ernst, gesetzt, langsam, feierlich und mit häufigen Komplimenten und Verbeugungen zu ihr reden. -Wer diese und andre Gebote hält, dem wird es nie an Gunst und guter Meinung bei ihr fehlen.
Pro secundo hat besagte meine Frau einen kurzsichtigen Verstand und hält deswegen jede Meinung für abscheulich, die nicht die ihrige ist, es sei in politischen, ökonomischen oder anderweitigen Angelegenheiten. Wer nicht ihre Meinung trifft, den hasst, den verfolgt sie. – In Religionssachen ist sie ungemein kützlich: sie hat einen eisernen Glauben, und wer nicht glaubt wie sie, ist ein Bösewicht: zuweilen schwärmt sie gar und ist schon einmal erzfanatisch gewesen: der Himmel bewahre sie vor einem Rezidiv! Die Prediger betet sie an, und ihre Worte sind ihr Orakelsprüche; man darf deswegen in ihrer Gegenwart keinen nennen, ohne das Haupt zu entblössen. Von der Philosophie hält sie nicht viel, und von der Poesie gar nichts – Nb. gereimte geistliche Lieder ausgenommen. – Sie spricht am liebsten vom hof und am besten von Domestiken. Durch ein zweideutiges, auch wohl unschuldiges Wort kann man in ihren Augen zum Freigeiste werden, und ist man das einmal, dann wird man von ihr geflohen wie der Erzfeind. Sie glaubt einen Teufel: wer ihn vor ihr bei Namen nennt, ist verflucht, auch darf man ihm sonst nichts zuleide tun. Sie versteht im grund von allem nichts, ist einfältig und unwissend wie ein Trampeltier, nimmt es aber höchst übel, wenn jemand etwas besser zu verstehn glaubt. Sie ist intolerant, dass sie jeden bei langsamem Feuer braten würde, der nicht so glaubt, denkt und handelt wie sie, wenn das Verbrennen nicht durch die gesetz verboten wäre.
Pro tertio, ihren Willen anlagend, ist sie überaus argwöhnisch: da sie von blödem verstand und ohne Kenntnis ist, dabei ihre Schwäche bei vielen Gelegenheiten merkt, so glaubt sie sich gleich gemeint, wenn man von etwas spricht, das sie treffen könnte. Ferner ist sie misstrauisch, zurückhaltend, knickerig, voll Bettelstolz,