1780_Wezel_105_85.txt

hatte und zu ihr hinauswankte: aber er hatte die falsche erwischt; denn er kam in die Schlafstube. Er merkte wohl, dass er unrecht sei, allein seine Schwäche überwältigte ihn so stark, dass er unmöglich der Versuchung widerstehn konnte, der Einladung eines schönen, kattunen Vorhangbettes zu folgen: entweder glaubte er in seinem Schwindel, wirklich schon zu haus zu sein, oder wollte er bloss die gelegenheit zur Erholung nützen? – genug, er warf sich, wie er war, auf das Bette und schlief ein. Inzwischen freute sich die dampfende Gesellschaft ihres Triumphs über den schön geputzten Doktor, und die Unterredung lenkte sich allmählich auf die Weiber, worunter keine sonderlich gut wegkam: ein jeder wollte mit der seinigen eine schlimme Operation vornehmen: der eine wollte sie, wie gesagt, unter die Freipartie tun, der andre wollte sie nämlich hauptsächlich in einem Zuchtause versorgen: Nikasius wollte die seinige dergestalt und allermassen auf Interessen austun, und Furiosus dachte, und abermals, ein Depositum miserabile aus ihr zu machen. Ihr Witz lief noch lange Zeit in diesem Gleise fort, als plötzlich die Tür aufging: man hatte die Fenster geöffnet, um die Atmosphäre vom Qualme zu reinigen, und durch die dünnen Dampfwolken zeigte sichdie Dame vom haus.

Wie eine Schildwache, die mit scharfgeschultertem Gewehre vor dem vorübergehenden Offizier in steifer Ehrerbietigkeit dasteht, trat die ganze Gesellschaft dahin, streckte die Pfeifen und zog die Hüte von den Köpfen, als die Frau vom haus erschien. Niemand sprach: mit unwilligem Schütteln des Hauptes und kochendem Grimme im herz begab sie sich wieder hinweg: dem Herrn Gemahle entsank Mut und Lustigkeit: wie ein Kind, das Knecht Ruprecht gescheucht hat, ging er ängstlich in der stube herum und wunderte sich, warum seine Frau schon wiederkäme, da sie doch erst morgen abend hätte eintreffen sollen. Herr Piper nahm seinen Stock und sagte nämlich hauptsächlich gute Nacht: Furiosus wünschte, dass der Teufel, und abermals, die Hexe fortgeführt haben möchte. – "Wie gesagt, wir müssen gehen", sprach Fabricius unmutig. "Ja, Brüderchen", sagte der Herr vom haus mit verzerrtem gesicht, "das wird wohl dergestalt und allermassen das beste sein." – Man folgte seinem Rate.

Viertes Kapitel

Um die erzürnte Ehefrau wieder auszusöhnen, begab sich der Mann unmittelbar nach dem Abschiede seiner Freunde zu ihr und bewillkommte sie in der Form: da sie keinen kleinen Vorrat von Eigendünkel besass und die vornehme Dame gern spielen wollte, so war eine solche Formalität für sie ein angenehmes Sühnopfer. Er küsste ihr die Handsie schmunzelt: – er machte drei förmliche Verbeugungen rückwärts und wünschte zur erfreulichen Rückkunft Glück.

"Du bist einmal lustig gewesen, Papachen?" sprach die Frau mit stolzem, verdriesslichem Tone zu ihm herab und machte ihr Reisekleid los: der Mann sprang hinzu und half ihr: sie dankte ihm mit einer preziosen Verbeugung. Diese hülfe hatte ihm die Antwort auf ihre Frage erspart: sie fuhr also fort:

"Nun werde ich wohl vierzehn Tage lang den Studentengeruch nicht wieder aus dem haus bringen." –

Ohne sie ausreden zu lassen, unterbrach sie der Mann: "Mein Äugelchen, willst du etwa Tee, Kaffee oder etwas zu essen? Ich will gleich bestellen." – Sie dankte.

Die Frau. Wenn du dir nur einmal das böse Studentenleben abgewöhnen könntest! Man darf auch nicht den rücken kehren, so fällst du gleich wieder in deine alten Sünden zurück. Man zieht seine Schande an dir. Kannst du denn nicht einmal ein Mann werden, der seinem stand Ehre macht? – So lass doch die Tabaksbrüder sich in Kneipen und Schenken herumwälzen und beschimpfe dich und deine Frau nicht durch solche schlechte Gesellschaft! – Werden die Leute nicht denken, dass bei uns alles vollauf ist, wenn du so schmausest und brausest? Man kann ja das Geld zu bessern Gesellschaften und anständigern Besuchen sparen.

Der Mann. Hm! hm! Fatal! recht fatal, dass ich mich dazu habe bereden lassen! Es soll nicht wieder geschehen, mein Mäuschen.

Die Frau. Das hast du mir schon tausendmal versprochen, Papachen. Ich will auch gar nicht mehr aus dem haus gehen ohne dich.

Der Mann. Fatal! recht fatal! – Verlass dich auf dein Papachen! Es soll nicht wieder geschehn.

Die Frau. Und obendrein zu so ungelegner Zeit die alten Dampfgäste daherzusetzen! Ich muss ja morgen abend zu essen geben. Die Gäste möchten sich die Nase zuhalten, so übel wird das ganze Haus riechen.

Der Mann. Vielleicht haben sie den Schnupfen. Wenn's ihnen nicht gut in meinem haus riecht, ist mir's desto lieber. Da kommen sie dergestalt und allermassen nicht wieder.

Die Frau. Ja, freilich, dir sind deine lustigen Saufbuben lieber als hübsche Leute.

Der Mann. Die hübschen Leute machen mir dergestalt und allermassen nicht halb soviel Vergnügen als meine lustigen Kameraden. Da gibst du mir elende Suppen und magres Zugemüse, damit du alle Monate einmal deinen hübschen Leuten vollauf vorsetzen kannst, dass dergestalt und allermassen der Tisch brechen möchte. Ich lobe mir's, alle Tage gut gegessen

Die Frau. Wenn du das Geld dazu hast!

Der Mann. Das hätten wir wohl. Wenn wir nicht alle vier Wochen einmal den hübschen Leuten meinen Verdienst zu verzehren gäben, so brauchten wir nicht die übrige Zeit so kümmerlich und jämmerlich zu fressen. Mir ist dergestalt und allermassen