war Heinrichen nachgeschlichen, als er zur Zusammenkunft ging, hatte, sobald sie beide im Kabinette waren, die Tür aussen leise verriegelt, seinem Vater die Einsperrung angezeigt, der nicht zauderte, die empfangne Nachricht dem Grafen mitzuteilen; und der Graf musste, weil er's verlangte, sich von ihm und dem Angeber an den Ort führen lassen: sie besetzten die Tür, und Jakob und sein Vater waren sogar mit langen Kutscherpeitschen bewaffnet.
Der Graf konnte vor Zorn nicht schelten, sondern brauste und schnaubte bloss den Befehl heraus, sie zu fangen und ins Haus zu führen. Jakob rückte vorwitzig an, glaubte die Peitsche nicht vergebens führen zu müssen und holte mit der süssesten Schadenfreude der Rachsucht einen Streich aus, der Heinrichs Kopf treffen sollte: doch sein Gegner war schnell, fasste die lange Peitsche, die in dem engen raum schlecht regiert werden konnte, mit der Hand auf, als sie eben auf ihn herabfallen wollte, bemächtigte sich ihrer und stiess den entwaffneten Feind, der nunmehr einen Angriff mit der Faust wagte, zurück, dass er seinem hereintretenden Vater in die arme stürzte und die ganze Armee um ein paar Schritte rücklings in die Flucht trieb. Jakobs Vater ergrimmte, fuhr mit blinder Wut auf den Feind los: allein das sogenannte Kabinett, wo die Belagerung geschah, war vor alten zeiten ein Schiesshaus gewesen und hatte folglich in dem Geschmacke dieser alten zeiten sehr niedrige Türen: der erboste Maulesel verlor in der Hitze das Augenmass und rennte mit der ganzen Stärke des Angriffs seinen Kopf wider den obersten Querbalken der Türöffnung, dass er vor Schmerz ächzte: er fuhr zurück, liess die Peitsche sinken, lehnte sich an die Wand und hielt mit beiden Händen seinen sinnlosen Kopf, den er für zerbrochen achtete. Um die Wunden seines Vaters zu rächen, raffte sich der Sohn auf und griff so schnell zu, dass er mit einer Hand Heinrichen an der Brust festielt und mit der andern nach der Kehle griff – ob er sie ihm zudrücken oder was er sonst tun wollte, weiss der Himmel. Die Baronesse sah ihren Heinrich kaum in so grosser Gefahr, als sie den Feind bei den Beinen fasste und sie ihm so hastig wegrückte, dass er seinen Schwerpunkt verlor und rückwärts auf die Backsteine daniederschlug: alle vier Winkel des Kabinetts warfen, wie sein Hirnschädel den Fussboden traf, den leeren Schall einer hölzernen Büchse zurück: zwar wollte er im Hinstürzen auch den Feind mit sich herabziehen, und er hatte ihn bereits zum Sinken gebracht, allein die Baronesse stach mit einer Stecknadel wie mit einem Speere so heldenmässig auf die umklammernden hände, dass sie blutend ihre Beute fahrenliessen.
Jetzt lag ein Feind wimmernd auf der Erde, der andere trug ächzend den geschmetterten Kopf in den Händen: der Graf allein war noch frisch und gesund, aber zu steif, um ohne Beistand die Belagerung mit Nachdruck fortzusetzen: die Belagerten nahmen des Vorteils wahr und drangen Hand in Hand zur Tür heraus. Der Graf hielt es für eine Flucht und warf ihnen in der letzten Verzweiflung des Zornes mit ohnmächtiger Gravität sein Rohr nach: das lichtbraune Rohr, für zwanzig Dukaten in Holland gekauft, stolperte, wie ein Pfeil von einer schlaffen Sehne abgeschossen, zwei Schritte von dem Wurfe auf das Steinpflaster hin, und die porzelläne Sirene, mit zwei vollwichtigen Carldoren auf der Stelle bezahlt, brach den Hals, ihr schöngekrümmter Schwanz prellte in zehn Stücken empor, und der weitbauchichte Leib riss sich von dem vierfarbichten goldnen Ringe los, dass die Eingeweide von Werg aus dem gespaltnen Bauche hervorquollen. Der Graf hörte den tönenden Fall der geliebten Sirene und beklagte ihn mit einem lautschallenden "Ach".
Doch jetzt war es nicht Zeit zu Klageliedern: kaum war das Ach über die Lippen, so setzte er schon den Fliehenden in einem halben Galoppe mit krummen Knien und ausgespreiteten Beinen nach, erwischte die Baronesse bei dem streifichten, groben Rocke und bildete sich ein, sie von einer schändlichen Entfliehung auf immer zurückgeholt zu haben, ob sie gleich schon völlig still stunden und nichts weniger als fliehen wollten: die Heldentat hatte ihm so viel Anstrengung gekostet, dass er dreimal keuchte, ehe er seine Truppen zum Beistande rief.
"Wir werden uns beide nicht weigern zu gehen, wohin wir sollen", fing Heinrich an, "wenn nur diese beiden Spitzbuben uns nicht berühren dürfen; kommt uns einer zu nahe, so muss er sterben oder ich." Diese sechzehnjährige Tapferkeit begeisterte die Baronesse doppelt. "So muss er sterben oder wir!" wiederholte sie mit der Heldenstimme einer Amazonin. Jakob und sein Vater hatten genug mit ihren Köpfen zu tun, um sich der Drohung zu widersetzen: sie lasen auf Befehl des Grafen das beschundne Rohr und die Trümmer des Knopfes auf, und die beiden feindlichen Heere langten also mit zwei Verwundeten und einer toten Sirene im schloss an. Die Baronesse wurde von ihm selbst in ihr Zimmer gesperrt und ein Heiducke zur Wache davor gestellt, Heinrich auf der Stelle dem andern Heiducken übergeben, um ihm vor dem Zimmer der Baronesse dreissig lautschallende Stockschläge zu erteilen und nach richtigem Empfange aus Schloss und herrschaft auf ewig nebst aller seiner männlichen und weiblichen Nachkommenschaft bis ins dritte und vierte Glied zu verweisen. Der Heiducke fand seine Ehre durch den Auftrag beleidigt und schlug ihn mutig aus, aus der Ursache, weil er kein Henkersknecht oder Büttel sein wolle.
Während dass der Graf so sein Richteramt pflegte und keinen Exekutor seiner Sentenz finden konnte – denn alle Bedienten liefen davon, um nicht dazu aufgerufen zu