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ihm seine Schokolade niemals schmeckte, so wurde sie wieder aufgehoben und in die Ungnade verwandelt, dass er alle Essen tadelte, wenn sie auch seinem Gaume noch so wohl behagten.

Viertes Kapitel

Jakobs Vater arbeitete indessen unermüdet an der Ausführung der Hauptrevolution, die er im Sinne hatte, und bestimmte das arme fräulein Hedwig zur ersten Unglücklichen, die das Trauerspiel eröffnen sollte.

Ihr Verständnis mit dem Stallmeister hatte er längst ausgekundschaftet, das ist bereits gemeldet worden: seit dieser Entdeckung suchte er auf alle Weise an den Liebhaber zu kommen und ihm sein Geheimnis abzulocken: es wollte lange Zeit nicht gehen. Endlich machte er ihn treuherzig. Er besuchte ihn oft auf seiner stube und bat ihn oft zu sich, und weil der Stallmeister von der Vertraulichkeit und dem freundschaftlichen Umgange mit dem Lieblinge des Grafen nicht nur Ehre, sondern auch Nutzen hoffte, so lief er gerade in die Falle hinein, die ihm dieser aufstellte. Bei einem solchen Besuche, wo er mit einem guten Glase Wein aufgeräumt und offenherzig gemacht worden war, brachte der nüchterne Wirt den halbtrunknen Gast auf die Liebe und gab ihm auf den Kopf Schuld, dass er bei fräulein Hedwig in grosser Gunst stehe. Der Stallmeister lehnte die Beschuldigung lachend von sich ab. – "Leugnen Sie nur nicht!" rief der Bösewicht, "der Graf weiss es lange." – Der Stallmeister war des Todes vor Schrecken.

"Was ist's denn nun weiter!" fuhr jener fort. "fräulein Hedwig hat's ihm selber gesagt: sie möchte gern gar mit Ihnen getraut sein." –

Der Stallmeister sass da, sagte kein Wort und schwebte mit seinem wirblichten kopf zwischen Glauben, Zweifel und Verwundrung umher.

"Der Graf wollte gar nicht", redete jener weiter, "aber ich hab ihm zugesetzt; und wenn Sie mir ein gutes Wort geben, so bring ich's dahin, dass Ihnen der Graf seine Einwilligung gibt."

"gehen Sie! machen Sie das einem kind weis!" unterbrach ihn der Stallmeister.

"Ich dächte", erwiderte der andre, "Sie wüssten, wieviel ich bei dem Grafen ausrichten kann. Nur ein Wort soll mir's kosten: ich hab ihn so schon auf Ihre Seite gezogen. Setzen Sie eine Supplik auf! bitten Sie den Grafen um seine Einwilligung, und ich will sie ihm übergeben. Es ist ja doch keine Kleinigkeit, ein fräulein zu heiraten." –

allmählich gelang's ihm, durch sein Zureden und Versicherungen eines guten Erfolgs dem leichtgläubigen Stallmeister das Vertrauen abzugewinnen: es ging so weit, dass er seinem Spione den ganzen Liebeshandel beichtete und morgendes Tages eine Supplik aufzusetzen versprach; und er schmeichelte sich darum mit den günstigsten Erwartungen, weil er seit einiger Zeit bei dem Grafen in vorzüglicher Gnade zu sein glaubte, was ihm der Betrüger, der ihn jetzt im Netze fing, überredet hatte.

Freudig ging der Bösewicht, als ihn der Stallmeister verliess, zu fräulein Hedwig und wünschte ihr geradezu zu ihrer Vermählung Glück. Sie riss die grossen Augen ellenweit auf.

"Der Graf", fuhr er fort, "ist nicht ungeneigt dazu: ich hab ihn darüber gesprochen. Sie wissen, dass ich Ihnen beständig beim Grafen das Wort geredet habe, und es sollte mir eine rechte Freude sein, wenn ich ihn dahin bringen könnte, dass er in Ihre Heirat willigte." –

fräulein Hedwig tat entsetzlich verwundert, leugnete aus allen Kräften und war hundert Meilen weit von einer Sache entfernt, die sie gleich beim ersten Worte erriet.

"Leugnen Sie nur nicht!" versetzte jener mit dem vertraulichen Tone, womit er jedermann anzureden pflegte. "Der Herr Stallmeister hat mir die ganze Sache anvertraut; und ich werde mein möglichstes tun, so einen braven Mann, meinen Herzensfreund, glücklich zu machen. Er hat bei dem Grafen angehalten." –

fräulein Hedwig wollte in Ohnmacht sinken: aber sie besann sich hurtig anders.

"Reden Sie nur selber mit dem Grafen: und das heute noch! Stellen Sie ihm nur vorzwar das werden Sie besser zu sagen wissen als ich. gehen Sie lieber jetzt zu ihm, damit ich auf den Abend mit ihm die Sache zustande bringen kann. Ich habe schon mit dem Grafen überlegt, dass er wohl wird geadelt werden müssen; und wir finden's billig, dass man die wenigen Taler an so einen braven Mann wendet. –"

fräulein Hedwig hüpfte im Herzen vor Entzücken, traute aber noch nicht ganz.

Er setzte noch stärker in sie und machte das verliebte fräulein durch die vielfältigen Versicherungen, was er und der Graf für sie tun wollten, so kirre und seine verdammte Lüge so wahrscheinlich, dass sie ins Garn hineineilte, zwar nichts ausdrücklich bekannte, aber doch mit dem Grafen darüber zu reden versprach.

Sie rennte vor Freude und Hoffnung, als er fort war, das Zimmer auf und nieder: jetzt wollte sie gehen, hatte die Tür schon in der Hand, liess sie hurtig fahren und ging zurück: jetzt war sie schon an der Treppe, bebte und ging wieder ins Zimmer, jetzt schöpfte sie Herz, überdachte die Rede, die sie halten wollte, triumphierte über die Schnelligkeit, mit welcher sich ihr Gedanken und Ausdruck darboten, und über die wirkung, die sie sich davon versprach. "Aber wenn nun der Graf nicht einwilligen wollte!" fuhr ihr durch den Kopf:

sie zitterte vor Entsetzen über die Vermutung. Die Lebhaftigkeit