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Warte! ich will dich taufen, dass du einmal ein Christe wirst", sagte der Heiducke von der Gegenpartei, ein schlimmer Spötter, und goss ihm ein ganzes Gefäss voll wasser über den Kopf, das ihm die Küchenmagd, voll Ärger über des Kochs Unglauben, von hintenzu heimlich reichte.

"Macht die Tür zu!" rief der ergrimmte, triefende Koch zu seiner Partei, und im Augenblicke schlug sie der antifritzianische Jäger zu. – "So wollen wir dann", fuhr der wütende Küchenmonarch fort, "die verfluchten Kerle sengen und brennen, bis sie nicht mehr glauben" – und sogleich schleuderte er einen grossen Feuerbrand vom Herde unter die zitternden Fritzianer hin; seine Gesellen folgten dem Beispiele, und alle drei Antifritzianer rückten, flammende Feuerbrände in den Händen, wider die Gegner an. Unter den bedrängten Fritzianern, die zwischen den Feuerbränden und der verschlossnen Tür im eigentlichsten Verstand in ecclesia pressa sich befanden, schlug sich einer die sengenden Funken vom Kleide, ein anderer löschte das rauchende Toupet, ein dritter drückte sich den wundgeschundnen Arm, und ein teil floh hinter den Herd, um den Antifritzianern in den rücken zu fallen. Es geschah wirklich. Dem Koche, der à la françoise, den Hut auf dem kopf, alle seine Verrichtungen tat, fiel plötzlich der Filz vom haupt in seinen Feuerbrand, und er fühlte eine gewaltige Hitze im Nacken: der fritzianische Heiducke, der ihn vorher ersäufen wollte, hatte ihm den zierlichen Crapaud, der seine Haare verschloss, in Brand gesteckt. Er musste hurtig löschen, seine Gesellen eilten, ihn zu rächen;

unterdessen sprengte die Gegenpartei die Tür auf und entfloh: die übrigen machten sich die Unordnung des brennenden Kochs zunutze und entwischten gleichfalls.

Als sie sich von ihrer Flucht auf dem hof versammelt hatten, fassten sie insgesamt den Entschluss, nunmehr, da sie sich genug um die Wahrheit gezankt hatten, die Wahrheit zu untersuchen. Sie näherten sich in corpore dem Graben, horchten; es jammerte: – "Ich lasse mich fressen, wenn das nicht eine Menschenstimme ist", schrien sie alle. "Das muss der Koch hören!" – Sogleich wurde eine Gesandtschaft an ihn abgeschickt, die ihn nach langen Weigerungen herbeibrachte. Er horchte, stutzte – "Ja, es ist eine Menschenstimme", sagte er. – "Siehst du, du ungläubiger Höllenbrand", rief der ganze Haufe auf ihn los, "dass es Komtesse Fritzchen ist?" –

"Und wenn's der leibhafte Teufel wäre", brach der zornige Koch wütend aus, "so zieh ich ihn bei den Hörnern heraus" – und so marschierte er auf den Graben los. Alle hielten ihn zitternd zurück und baten, die Komtesse nicht mehr in ihrer Ruhe zu stören – "lasst mich!" rief er, wand sich los und zog das grosse Küchenmesser von der Seite – "lasst mich! oder ich mach euch alle zu Gespenstern." – Man fürchtete die Drohung eines so grimmigen Mannes und liess ihn: er sah in den Graben hinunterdie Klagestimme wurde immer lauterer sah ein menschliches Gesicht über den Schlamm herausragenerkannte es: "Es ist der verfluchte Jakob", rief er. "Warte, du Schandbube! die Kehle will ich dir abschneiden, dass du uns so zum Narren gehabt hast." – Er liess eine Leiter holen, stieg hinunter und zog den versunknen Jakob mit etwas sehr unsanfter Manier aus dem Schlamme herauf. Wie ein schwarzer Geist, mit Schlamme von oben bis unten überzogen, lag er triefend am rand da und musste sich noch obendrein von dem ganzen Haufen ausschelten lassen, dass er so grossen Zwiespalt unter ihnen erregt hatte.

Der Herr Vater hatte die Gewohnheit, wenn zwei oder drei Personen beisammenstunden, gingen und sprachen, sogleich sich bei ihnen einzufinden, um etwas von ihrem gespräche aufzuschnappen: kein Wunder also, dass er hinter dem ansehnlichen truppe des ganzen Hofgesindes, wie ein Wolf hinter der Schafsherde, augenblicklich nachfolgte! Der Koch überlieferte ihm seinen Sohn mit dem Küchenwitze, dass er ihm hier einen Schweinsbraten mit Kirschsauce zustellen wolle. Der Vater, zu beschäftigt mit dem Unglücke seines geliebten Erben, verschluckte den satirischen Einfall und wanderte unter Begleitung der sämtlichen Domestiken ins Haus, um ihn säubern zu lassen. Alles lief an die Fenster, als sich der Zug durch die Allee näherte: Heinrich und die Baronesse waren nicht die letzten darunter, und mit der innigsten Herzensfreude sahen sie den pechschwarzen Jakob an der Hand des Vaters traurig daherwandeln, während dass der begleitende Trupp sich mit mutwilligen Liedern über sein Unglück belustigte. Auf dem ganzen schloss war dieser Tag ein Freudenfest.

Das schlimmste war nur, dass dies Freudenfest ernstafte Folgen nach sich zog. Der erboste Jakob und sein Vater wussten nicht, an wem sie sich für sein Unglück rächen sollten, und hielten sich, um nicht ganz ungerochen zu bleiben, an die Personen, die bei dem Schauspiele nicht geschäftig genug gewesen waren: der Gärtnerbursche erhielt seinen Abschied, dass er dem wimmernden Jakob nicht nachgespürt, sondern sogleich, als er das Klaggeschrei gehört, wieder weggegangen war, ohne ihm herauszuhelfen. Der Koch wurde für den beissenden Küchenwitz, den er sich nach der Errettung des Buben entwischen liess, insofern suspendiert, dass er vier Wochen nicht mehr die Schokolade des Morgens für den Grafen machen durfte, welches er bisher am besten gekonnt hatte: allein da der Grafsich bei dieser Suspension am schlimmsten befand, weil