der mit seiner Gattin in unaufhörlichem Kriege lag, und stritt für sein eigenes Interesse, indem er die Rache seines Freundes unterstützte. Sie fingen an zu trinken; der Schlosser, dem diese wohltuende Rache ungemein behagte, nahm einen so lebhaften Anteil an der Ehre seines Freundes, dass er in einer halben Stunde bereits betrunken war; der alte Herrmann konnte, wie gesagt worden ist, vor dem Nachmittage keinen Branntewein zu sich nehmen und hielt sich für seine Nüchternheit mit einer grossen Kanne selbstgemachten Kaffee schadlos; und dann ging er in eigner person, das Mittagsmahl für sie beide zuzubereiten.
Diese Abwesenheit ihres Mannes wollte die eingesperrte Frau nützen: sie redete den trunknen, zurückgebliebnen Schlosser durch die Wand an und bestürmte sein verstocktes Herz mit den rührendsten Bitten, sie heimlich herauszulassen. Der Wächter, der in seinem berauschten kopf gegenwärtige und vergangene Zeit nicht sonderlich unterschied und sich also beinahe gar nicht besann, wer diese Frau sei und warum man sie hier eingeschlossen habe, staunte nicht wenig, eine Weiberstimme in der Nähe zu hören. Er horchte und erkundigte sich stammelnd, wo sie sich aufhalte: zehnmal sagte sie es ihm, und zehnmal begriff er's nicht: er merkte wohl, dass die stimme von der Wand herkam, und taumelte deswegen an ihr auf und ab, um das Frauenzimmer zu haschen; und wenn er einmal zugriff und etwas festielt, so war's ein Stuhl oder ein Tisch. Der Trunk hatte mancherlei verliebte Regungen in ihm aufgeweckt, und er war äusserst erbittert auf das Frauenzimmer, das ewig redete und sich niemals haschen liess. Sie schmeichelte seiner Begierde mit dem Versprechen, sich sogleich haschen zu lassen, wenn er nur das grosse Schloss öffnete, das er heute angelegt habe: der verliebte Trunkenbold, nachdem er lange Zeit mit dem Hammer an der Wand herumgehauen hatte, um das Schloss aufzuschlagen, begriff endlich, dass er es vor der stube an der Nebentür suchen müsste, und wankte hinaus, zog einen grossen Schlüssel aus der tasche und fluchte und schwor, dass sich das verdammte Schlüsselloch nicht treffen lassen wollte: er stiess und stampfte um sich herum, sosehr ihm die Gefangene leise zu verfahren riet, und tobte so ungestüm, dass endlich der alte Herrmann durch sein Getöse herbeigezogen wurde. Leicht zu erachten, dass er ihn etwas unsanft zur Ruhe wies! Er warf ihn zur stube hinein und zeigte ihm einen Platz, von welchem er bei Lebensstrafe nicht aufstehen sollte; und der folgsame Schlosser legte sich demütig in den Winkel, wie ein Hund, wenn ihm ein drohendes 'Kusch!' zugerufen wird.
Bei der Mittagstafel fand der halbnüchterne Schlosser einen neuen Beruf, sich zu betrinken, und nachmittags, etwas zeitiger als sonst, fühlte der alte Herrmann den nämlichen Trieb. Nun kam der Zeitpunkt, wo die eingesperrte Ehefrau ihre Erlösung bewirken musste. Er fing allmählich an, von seinem Nillchen sehr viel zu sprechen und sie wegen ihrer Schönheit und häuslichen Erfahrung zu loben: – "Wenn sie nur eine ehrliche Frau wäre!" setzte er hinzu. – "Kannst du dir vorstellen, Jakob?" fuhr er nach einer Pause fort, "da will sie sich von mir scheiden lassen – das Donnerweib! damit sie so recht nach ihrem Gefallen leben kann – aber ich habe sie eingesperrt – sie darf nicht fort – ich lasse mich doch nicht scheiden – und wenn's gleich der Kaiser und der Oberpfarrer haben wollte. – Sie soll nicht heraus – bis sie mir verspricht, dass sie sich nicht will scheiden lassen – und wenn sie bis an den Jüngsten Tag drinne stecken sollte."
Einen so günstigen Augenblick liess die Gefangne nicht ungebraucht vorbeigehen: sie versicherte ihn durch die Wand, dass sie sich nicht scheiden lassen wollte, wenn er sie in Freiheit setzte.
"Du musst mir schwören", rief der Mann. – Sie verstund sich dazu: er sagte ihr einen Schwur vor, der die fürchterlichsten Verwünschungen entielt: sie sprach ihn nach.
"Ja, Nillchen", fing er von neuem an, "wenn ich nur wüsste, ob du eine ehrliche Frau bist! – Bist du's nicht, so lass ich mich scheiden. Das muss ich wissen; sonst kömmst du nicht heraus." –
natürlich, dass sie alle Beredsamkeit anwandte, ihn über den streitigen Punkt zu versichern. – "Du musst mir schwören", war seine neue Foderung, die sie ebensogern zugestand; und mit den vorigen Formalitäten beschwor sie ihm, dass sie nicht nur eine ehrliche Ehefrau sei, sondern auch in alle Ewigkeit bleiben wolle. Die Kapitulation war gemacht, der Friede geschlossen und die Gefangenschaft aus.
Desto stärker fiel nun sein Zorn auf alle, die die Ehre seiner Frau angetastet hatten; sie musste sich neben ihn setzen, und er konnte beständig noch nicht von der Hauptfrage wegkommen: sie sollte ihm berichten, warum der Nachbar sie einer Untreue beschuldigt habe, und sie gab ihm zur Ursache den Neid an, den die Gnade des Grafen gegen ihren Heinrich bei jedermann errege. Nun war er auf einen schlimmen Punkt geführt: er brach in Schmähungen wider den Grafen aus, dass er das ehrliche Nillchen durch seine Gnade in einen solchen Ruf bringe, und beteuerte, dass er ihm die ganze Gnade vor die Füsse werfen wolle. – "Mach ein recht kostbares Abendessen", schloss er, "dass es fertig ist, wenn ich wiederkomme!" –
Nillchen gehorchte dem Befehle. Er