, die Lade unter das Fenster gerückt, und nun hinauf! Aber wer sollte das Fenster aufmachen, das sich nur inwendig öffnen liess? – Man schlägt eine Scheibe ein: sie tat's, und nun waren beide Flügel weit offen. Alle Schwierigkeiten hatte sie immer noch nicht besiegt: wie sollte sie sich ohne hülfe so weit hinaufschwingen? – Sie versuchte: es ging nicht. Sie wanderte den Hof hinab, um sich den Beistand einer Nachbarin zu erbitten, und siehe da! eben kam die Magd vom feld hinten zum Garten herein: nun hatte sie gewonnen Spiel. Die Allianz wurde gleich zwischen ihnen geschlossen, und man eilte mit grossen Schritten, die Eroberung des Küchenfensters fortzusetzen. Die Magd begeisterte das allgemeine Interesse ihres Geschlechts mit Löwenmut, sie erstieg den Wall, sprang in die Küche hinab, in einem Augenblicke war der innere Riegel der Hoftür weggeschoben, und man zog triumphierend in der eroberten Festung ein.
Nacht und Dunkelheit waren geschworne Feinde des alten Herrmanns: sie entwaffneten seine Tapferkeit so sehr, dass er fast zum kind wurde. Ermüdet von der Hastigkeit, womit er seiner Frau Habseligkeiten in den Hof schaffte, war er bei seinem Pfeifchen am Fenster eingeschlafen: Zähne und hände liessen den schwarzen beräucherten Stumpf entschlüpfen, dass er in hundert kleinen Stücken auf dem Pflaster herumtanzte. Der Schlummer hielt an bis zu dem ersten Sturme, den die Frau auf das Küchenfenster wagte; das Geklirre der eingeschlagnen Scheibe erweckte ihn: aber o Himmel! in der ganzen stube war's finster wie im grab. Er tappte nach dem Feuerzeuge, fand es, schlug sich die Knöchel wund, und da sein Zunder brannte, war kein Licht da. Indessen nahm der Lärm der Eroberung zu: nun war's vollends um seine Herzhaftigkeit geschehn. Er konnte keinen Schritt vor die Tür tun, wenn er gleich ein Königreich damit hätte gewinnen sollen. Das Getöse vermehrte sich – denn die Frau schaffte mit hülfe der Magd die Effekten wieder ins Haus –, und er fand kein ander Mittel, als die Partie aller Furchtsamen zu ergreifen – er verschanzte sich: die Tür wurde verriegelt, ein Tisch vorgerückt, und es war fest beschlossen, dass er die Nacht hinter seinen Verschanzungen zubringen wollte.
Nillchen kannte seine Furchtsamkeit im Finstern und liess nichts ermangeln, ihre Rachsucht nach Herzenslust zu sättigen. Die zwei Weibsbilder erregten ein Getöse im haus, als wenn sieben Legionen Teufel eingekehrt wären: Treppe auf, Treppe nieder! Die Magd, um ihrem Tritte mehr Gewicht zu geben, bewaffnete die Füsse mit einem Paar Schuhen von Juchten, deren Sohlen dick wie Bretter und deren Absätze mit Nägeln wie mit Hufeisen beschlagen waren: bei jedem ihrer Dragonertritte erbebte das ganze Gebäude, und aus allen vier Winkeln des Hauses hallte das Klappen der Nägel, wenn sie auf den Backsteinen hinlief, in mannigfaltigen Tönen wie ein übelgestimmtes Glockenspiel zurück. Die Türen wurden zugeschlagen, dass sie aus den Angeln sprangen: man bereitete in der Küche ein Bankett und verzehrte die triumphalische Mahlzeit mit lautem lachen und Singen, währenddessen der alte Herrmann in der daranstossenden stube ausgestreckt auf drei Stühlen lag, vor Hunger und Ärger seufzte, gern seinen Kummer verschlafen wollte und vor dem Getöse, das bis über Mitternacht hinaus dauerte, kein Auge schliessen konnte. Einen schimpflichen Frieden durch Nachgeben zu erkaufen, litt seine Ehre nicht, und ihn durch Gewalt zu erzwingen, war er zu furchtsam, weil er, nach der Grösse des Lärms zu urteilen, glaubte, der weibliche teil des ganzen Städtchens habe sich versammelt, sein beleidigtes Geschlecht an ihm zu rächen; und dann war es einmal sein Grundsatz, in der Dunkelheit nicht zu fechten, weil er gewiss den kürzern zog, sobald man die Bosheit beging, das Licht auszulöschen. Sonach ertrug er gelassen alles Ungemach und war froh genug, dass man um ein Uhr ihn auf den harten Stühlen einschlummern liess, unterdessen dass die feindliche Partei sich in weiche Federn versteckte.
Kaum erschien die gewöhnliche Zeit des Aufstehens, als Nillchen schon wieder im haus herumtobte, doch mit vermindertem Geräusche: sie nahm mit lautem Geklirre der Tassen und Teller in der Küche Kaffee und Frühstück ein. Der alte Herrmann dehnte sich auf seinem harten Lager, stand, wie an allen Gliedern gerädert, auf und überlegte seinen Operationsplan für den folgenden Tag. – Die erste Hand zum Vergleiche zu bieten, das war, bei so vielem Rechte auf seiner Seite, sehr hart: gleichwohl hatte die Frau die vorteilhaftesten Posten im haus besetzt und ihn so eingeschlossen, dass sie ihn mit leichter Mühe aushungern konnte: da war nichts zu tun, als sie mit List aus ihrer günstigen Stellung zu vertreiben. Er räumte die Festungswerke vor der Stubentür weg und ging, ohne sich mit einem Blicke umzusehn, zum haus hinaus.
Nun hatte er das Feld geräumt. Er blieb den ganzen Tag aussen, auch die Nacht: er brachte beides bei einem Bekannten zu, einem Schlosser, von dem er sich ein grosses starkes Vorlegeschloss verfertigen liess. Mit Anbruche des Tages erschien er nebst seinem Freunde, öffnete die Haustür – er hatte den Schlüssel dazu bei sich – und nun geradeswegs vor die Schlafkammer der Frau! Der Schlosser schlug mit allem Geräusche seines Handwerks Haspen und Anwurf an die Tür, und beide legten feierlich das grosse Schloss davor. Darauf begaben sie sich, voll Freude über den ausgeführten Anschlag, in die Nebenstube und übten alle mögliche Repressalien aus. Der Schlosser war ebenfalls einer von den Ehemännern,