domesticas betreffend, so ist alles noch auf dem vorigen fuss, völlig ut supra, und ist sonst gar nichts Veränderliches vorgefallen, als dass ich nach langem Streben und Treiben meiner Frau vor einigen Jahren einen ansehnlichen Titel erhalten habe und denselben noch gegenwärtig zu geniessen fortfahre.
3tio) in betracht Dero an die Frau Oberstin abgelassenen Schreibens, so ist dasselbe den Tag darauf von meiner Frau bei einer förmlichen Visite eigenhändig und richtig überliefert und zugestellt worden. Obwohlen nun der Frau Oberstin Gnaden bei Durchlesung obangeregten Schreibens die Augen nicht wenig aufgesperret, auch einige ungebührliche Reden und lästerliche Flüche auszustossen sich nicht entblödet haben, als wie in specie: "Also hat das donner-hagelsblitz-elementsche Wetteraas den sappermentschen Seehund doch noch geheiratet!" Ferner: "wenn der Kreuz-Mordio-Sappermenter nur wenigstens ein Edelmann geworden wäre!", desgleichen auch mit verschiedentlichen andern Schmähreden Eu. Wohlgeb. und Dero Frau Gemahlin zu begünstigen nicht ermangelt haben: jedennoch hat sich bemeldete Frau Oberstin verlauten lassen, dass sie bei so gestalten Sachen sich über Dero Verbindung höchlich erfreue, auch meiner Frauen aufgetragen, Denenselben beiderseits in ihrem Namen alles erspriessliche Wohlergehen dazu anzuwünschen und von Herzen zu gratulieren, inmassen denn sie wegen heftiger Schwäche und starken Zitterns in denen Händen, auch sonstigen Ungeübteit im Schreiben sich kein eigenes Antworts- und Gratulationsschreiben abzufassen getraue, zumalen ihr bisheriger treufleissiger Bedienter, so sonst bei dergleichen Vorfällen ihr Beistand und assistenz geleistet, durch einen Steckfluss schon seit geraumer Zeit das Zeitliche mit dem Ewigen verwechselt, und desselben Nachfolger so kreuz-hagel-ochsen-gänse-hornviehmässig dumm buchstabiere, dass mit demselben nichts anzufangen sei.
Schliesslich empfehlen wir Eu. Wohlgeb. beiderseits in Gottes Obhut, allstets mit vollkommnem Estime verharrend etc.
Von Schwingern.
G., den 23. Dezember.
Noch einmal wage ich es, die Sprache freundschaftlicher Wärme so ganz mit Dir zu reden, wie sie meinem herz sonst so wohltat, ohne sie durch frostige Titel und Komplimente zu ersticken; und warum sollte ich nicht reden wie sonst, da Dein Brief noch völlig die starke feurige Empfindung atmet, die vormals Deine Briefe belebte? Ich will mit Dir sprechen wie ein Vater mit seinem emporgekommnen Sohne; und gewiss, Dein leiblicher Vater kann sich über Dein Glück nicht aufrichtiger und inniger freuen als ich. O könnt ich zu Dir hineilen, Dich nur einmal an meine Brust drücken und mir sagen: dazu hab ich ihn gebildet! dieser tätige, feurige Mann, dieses edle, rechtschaffne Herz, dieser auffliegende Geist, diese starke, männliche Seele ist ein Werk meiner sorge! diese Grundsätze, die ihn nahe an den Rand des Verderbens, des Lasters, des Leichtsinnes und selbst des Verbrechens hintaumeln liessen, dass ihn oft nur ein Haarbreit vom Falle schied, und die ihn jedesmal kräftig zurückzogen, diese Grundsätze habe ich in ihn gelegt! diese Lenkung seiner Ehrbegierde auf nützliche, grosse, wichtige Dinge hat er mir zu danken! Diese brennende Wärme des Herzens habe ich zuerst ligkeit ich ihn gelehrt! Diese Offenheit des Charakters, die für jeden liebenswerten Gegenstand der ganzen natur sich aufschliesst, diese weitumfassende Sympatie, die an allem teilnimmt, was edles Vergnügen gibt und nimmt, diese wahre richtige Empfindsamkeit ohne Künstelei und Zwang – dieser ganze vortreffliche Mensch ist die Frucht meiner Erziehung! Glücklich, wem so für seine Mühe gelohnt wird!
Vergib mir diese Ruhmrätigkeit! es ist die Prahlerei der Liebe, weder Eitelkeit noch Schmeichelei spricht aus mir. Wie soll man sich nicht von Freude und Wonne, von Stolz begeistert fühlen, dass man zwo so edle Seelen wie Dich und Ulriken gebildet hat? Soll man nicht den Guten preisen, dass er Verführung überwand und aus dem Taumel der Jugendjahre sich zu der Vollkommenheit emporarbeitete, wozu ihn die natur bestimmte? – Ja, ein Jahr meines Lebens gäb ich für das Entzücken dahin, Dich an Deinem Hochzeitstage neben Ulriken gesehen zu haben: welch ein Bild! Ulrikens fröhliche Lebhaftigkeit neben Deinem heitern Ernste! – Wie freu ich mich, als wäre ich neu geboren, dass mich Dein Brief aus einer Verblendung riss, worein mich, ich weiss nicht welcher Wahn, versetzte! Ich habe Dich verkannt, Dich für einen Bösewicht, für einen verderbten Spötter, einen Verächter der heiligsten Freundschaftsrechte, einen verstockten Verführer gehalten: ich habe an Deiner Bestrafung gearbeitet, und, wie ich sehe, Dein Glück veranlasst, indem ich Dich ins Elend bringen wollte: ich bekenne mein Vergehen, und ob Du mir gleich grossmütig mit Deiner Verzeihung zuvorgekommen bist, so will ich sie doch durch meine tiefste Reue jetzt zu verdienen suchen. Ich handelte aus Irrtum: so schwach ist der Mensch, dass auch Leute, die aus allen ihren Kräften sich der Billigkeit und Menschenliebe befleissigen, sie oft gröblich beleidigen, selbst indem sie sich einbilden, sie auf das gewissenhafteste auszuüben. Die Vorsicht hat richtiger geurteilt als ich elender Sterblicher: sie hat durch ihre Führung meinen Irrtum widerlegt. Wohl mir! dass ich einen Mann wieder lieben darf, den ich eine Zeitlang mit Betrübnis hassen musste! Ich bin wie ein Vater, der sein einziges Kind für ermordet von den Händen der Räuber achtete und es plötzlich voll Leben und Wohlsein wiederfindet.
Der Rest meines Lebens soll mir nunmehr wie Jugendtage verfliessen, zwar einsam, ohne Freund und Gattin um mir, aber doch ruhig, in ländlicher Stille und Zufriedenheit. Anfangs hielt mich übertriebne Gewissenhaftigkeit von der Ehe ab, und dann liessen mich zu hochgespannte Begriffe von weiblicher