und Wälder und Städte aus Dendriten hervorpolieren, auch Herrmann wurde zum Ehrenmitglied in seiner Akademie aufgenommen und verplauderte mit dem Alten manche lustige Stunde über der Erklärung eines neupolierten Dendriten.
Herrmann hielt es für seine Pflicht, Verachtung nicht mit Verachtung zu vergelten, und schrieb an Grafen und Gräfin Ohlau: ohne nur mit einem Seitenblicke, mit einem Worte für die beleidigenden Schimpfnamen und verächtlichen Begegnungen sich zu rächen, die er von ihnen zu einer Zeit ausstehn musste, wo es freilich zu verwegen von ihm war, nach Ulrikens Besitze zu streben, dankte er beiden im Tone der wahren Politesse, ohne weggeworfne Ehrfurcht und ohne stolze Vertraulichkeit, dass sie ihn durch die sorge für seine Erziehung würdig gemacht hätten, eine Anverwandtin von ihnen zu besitzen. Ulrike tat das nämliche: selbst der Fürst hatte soviel Herablassung und liess an den Grafen schreiben, um ihn über die Heirat zu beruhigen und zu bezeugen, dass sie mit seiner Genehmigung und Zufriedenheit geschehen sei. Der Graf antwortete dem Fürsten in einem schlecht ortographierten Handschreiben, weil er in den itzigen geldbedürftigen zeiten sein eigner Sekretär sein musste und seine vormalige sogenannte Kanzelei mit dem Verkaufe der herrschaft an einen andern Herrn gekommen war: er dankte dem Fürsten in hochfahrendem Tone für sein Schreiben und die Gnade, die er gegen seine Schwestertochter zu haben schien: der ganze Brief bestund aus drei Zeilen und berührte den Punkt, worauf es ankam, nicht mit einem Worte. Der Fürst, als er ihn gelesen hatte, warf ihn lächelnd unter den Tisch.
Weder Herrmann noch Ulrike erhielten Antwort von ihm: die Gräfin schrieb zwar nach einiger Zeit an die letztere, aber kurz und mit der kältesten Höflichkeit: sie freute sich über ihre Gesundheit, dankte für ihren Brief und versicherte, dass sie ihre wohlaffektionierte Tante sei. Herrmanns und seiner Verbindung wurde nicht mit einer Silbe gedacht: aber man sah deutlich, dass sie den Brief unter der Aufsicht ihres Gemahl geschrieben hatte; denn auf der andern Seite stand, flüchtig hingeworfen – 'Grüsse Deinen Mann und sei glücklicher als ich.' – Vermutlich mochte sie diese Worte heimlich bei dem Zumachen des briefes hinzugesetzt haben; denn sie waren äusserst unleserlich. Auch für diese Verachtung rächte sich Herrmann nicht, sondern gab zu der Kollekte, die die Familie jährlich für den Unterhalt des Grafen machte, einen der stärksten Beiträge, ohne seinen Namen zu unterzeichnen. Der Oberste selbst, der ihn bei näherer Bekanntschaft ungemein schätzte, tadelte ihn wegen dieser Grossmut und sagte in seiner kernhaften Sprache: "Setzen Sie dem stolzen Bettler Ihren Namen unter die Nase hin, dass er daran riecht, wen er verachtet. Sacre-papier! Wenn wir ihm nichts geben, muss er ja schnurren gehen oder Brandbriefe herumschicken." – Herrmann war niemals dazu zu bewegen. "Ich vergebe dem Grafen", sprach er, "dass er in seinem Alter nicht besser denkt, als er es in der Jugend lernte. Mich haben meine Schicksale etwas Bessers gelehrt; und so will ich denn auch hierinne diesem Unterrichte nicht untreu werden." – Er war der letzte, der mit seinem Beitrage bis zum tod des Grafen aushielt und der Gräfin eine Pension auswirkte, als alle übrige echte Mitglieder der Familie des Beitragens schon längst überdrüssig waren.
Alle seine übrigen Freunde bekamen nach der Reihe Briefe von ihm und darinne die Nachricht von seiner Verbindung: er wollte durchaus aller Beleidigungen vergessen und sich nur der Verbindlichkeiten erinnern, welches vorzüglich sein Brief an Schwingern bewies. Ihre Antworten sollen hier in der Ordnung folgen, wie er sie erhielt.
Vom alten Herrmann.
F**, den 15. Dezember.
Denkt mir doch! Bist nun gar ein grosses Tier geworden und hast eine fräulein geheiratet? Wenn's nicht ronesse Ulrikchen, so spräch ich: Sohn, Du bist ein rechter Tölpel, dass Du Dich mit einer fräulein behangen hast: nun halt ich in meinem Leben nichts wieder auf Dich. Aber was will ich denn sagen: hat sich denn nicht Dein Vater selbst vom Teufel blenden lassen, dass er einen dummen Streich machte? wie kann man's vom Sohne besser verlangen? Ach, Heinrich, Du wirst Dich kreuzigen und segnen, wenn Du hörst, wie es Deinem alten Vater gegangen ist.
Stelle Dir einmal vor! Nille ist Deine Mutter nicht mehr. Weil ich so hübsch versorgt auf Deinem Gütchen war, so kam mir die Lust an, meine Nille wieder bei mir zu haben: was geschieht? ich schreibe an sie, nicht lange nachdem Du von uns gereist warst. Wer keine Antwort kriegte, war ich. Ich kriege den Koller und schreibe drei, vier Briefe: endlich kommt ein Wisch von dem Schandkerl, dem Leinweber, bei dem ich sie sitzenliess. Da hat sie bei dem verdonnerten Leinweber den Durchbruch22 so gewaltig gekriegt, dass sie beide – ich mag Dir's gar nicht sagen, Du wirst schon raten. Kurz und gut, die Vettel lässt mich wie ein verlaufnes Windspiel in die Zeitungen setzen und auf den Kanzeln ausrufen. Hier in dem Neste kriegt man das ganze Jahr keine Zeitungen zu sehen, und ich lese auch keine; denn was gehen mich die Sachen der grossen Herren an? Aber wenn ich gewusst hätte, dass etwas von meinen Affären drinne stünde, so hätt ich doch so einen Wisch einmal in die Hand genommen. Da ich also nichts erfahre und mich nicht melde, so heiratet das Schandmensch feliciter den christlichen Leinweber. O so heirate Du in alle Ewigkeit hinein