Worten: "Den Händen eines gerechten Richters habe ich mein Geheimnis und meine Liebe anvertraut: er mag richten! Ihrer Durchlaucht Urteil ist ein Spruch über mein Leben." –
Nach einer tiefsinnigen Pause sprach der Fürst seufzend: "Wenn es so ist, so müsst ihr euch heiraten." – Kaum hatte er es ausgesprochen, so liess der Oberste Holzwerder inständigst um Gehör bitten: er wurde vorgelassen und ersetzte noch einige Umstände, die in Herrmanns Erzählung gefehlt hatten, berichtete untertänigst, dass ihm die Fürstin auf das schärfste bei ihrer Ungnade anbefohlen habe, die Verheiratung zwischen Ulriken und Herrmannen nicht zuzulassen, und bat ebenso untertänigst und flehentlichst, dass ihn der Fürst in der Erfüllung dieses Befehls unterstützen möchte. Der Fürst, beleidigt durch das Verbot seiner Gemahlin und durch ihr ganzes Verfahren wider eine person, die einen so grossen teil seiner Liebe besass, voll Begierde, seiner Gemahlin nicht die Oberhand zu lassen, fuhr zornig heraus: "Sie sollen sich heiraten: ich will es." – Der Oberste wagte noch einige Vorstellungen, aber der Fürst unterbrach ihn mit verachtendem Tone: "Der Fürst befiehlt, dass sie sich heiraten sollen; und der Oberste Holzwerder soll das Weib, die Dormerin, mit Wache aus dem schloss schaffen, wenn sie sich nicht freiwillig dazu entschliesst, und gleich jetzt, bitte ich mir aus!" – Der Oberste kroch mit einem, untertänigst erschrocknen Bücklinge zum Zimmer hinaus, um den gegebnen Befehl zu vollstrecken.
Der Fürst war so aufgebracht wider seine Gemahlin, ob er gleich kein beleidigendes Wort wider sie sagte, dass er hastig etlichemal das Zimmer auf und nieder ging und sann, wie er sie empfindlich genug strafen sollte: er glaubte, seinem Ansehn Eintrag zu tun, wenn er nicht das Gegenteil ihres Verbotes durchsetzte, und befahl, den Geistlichen zu holen, der auf der Stelle die Trauung vollziehen sollte. – "Ich will Herr in meinem schloss sein", sprach er zu Herrmannen, der im Vorzimmer wartete, "wenn ihr getraut seid, sollt ihr bei mir das Brautessen halten."
Herrmann war nicht lange zurück, um Ulriken die fröhliche Botschaft zu bringen, als schon der fürstliche Wagen vor der tür anhielt, der sie zur Trauung abholte; und wie sie durchs Schlosstor fuhren, schlich Madam Dormer, tiefgebeugt, mit verhülltem Gesicht, an der Wand hin und wich den Pferden und der Demütigung aus, von Personen erblickt zu werden, die ihren festlichen Einzug hielten, wo sie mit Schimpf vertrieben war. Sie konnte das Gerede des Publikums nicht ertragen, sondern begab sich noch den nämlichen Abend aus der Stadt, voller Schmerz und Gram, dass sie sich selbst in der Schlinge fing, die sie für andre knüpfte, und das Glück einer Nebenbuhlerin dadurch beförderte, wodurch sie es umstürzen wollte. – Vignali, Vignali, wo war deine List? –
Nach der Trauung, die sich später verschob, als der Fürst wollte, wurden die beiden Brautleute zur Tafel abgeholt, wozu auch der Oberste Holzwerder eingeladen war, teils als ein Anverwandter der Braut, teils, weil ihn der Fürst in der Hitze ein wenig zu hart angelassen zu haben glaubte und ihm durch diese Einladung die Furcht vor Ungnade benehmen wollte. Das Hochzeitsmahl ging sehr still und wenig aufgeräumt vorbei: der Fürst war vom Zorne über das Verfahren seiner Gemahlin noch unruhig, und ob er gleich von Zeit zu Zeit die Wolken von der Stirn vertreiben wollte, so gelang es ihm doch nur auf kurze Augenblicke, vornehmlich da sich die Liebe in seinem herz hervordrängte und ihn neidisch machte, dass ein andrer besitzen sollte, was er selbst so zärtlich liebte: dabei stellten sich auch unangenehme Betrachtungen über seine eigne misshellige Ehe ein: er sass melancholisch da, warf zuweilen einen blick auf Ulriken, seufzte, sprach ein paar abgebrochne Worte, einen gezwungen muntern Scherz, und bei jeder Rede kam er darauf zurück, dass er den Bräutigam glücklich pries: er tat dies jedesmal mit einem Tone, der Herrmannen schon an seinem Hochzeitstage hätte eifersüchtig machen können. Die beiden Neuvermählten waren von der Freude wie vor den Kopf geschlagen: sie besannen sich kaum vor Überraschung ihres Glücks: in sich gekehrt sassen sie da und hatten vor zerstreuender Wonne so wenig Vermögen, viel zu sprechen, als der Fürst vor Traurigkeit. Der Oberste tat sich zwar gütlich in Essen und Trinken und genoss also das Hochzeitsessen besser als die übrigen, denen es nicht sonderlich schmeckte: aber er war noch scheu gegen den Fürsten, besorgte, dass der Unwille wider ihn noch nicht völlig verdampft sein möchte, und sprach daher nicht anders als gefragt und mit der möglichst demütigen Ehrfurcht.
Nach aufgehobner Tafel sprach der Fürst zu Herrmannen: "Wir wollen tauschen: Sie sollen heute Fürst sein." – "Nein", antwortete Herrmann, "ich will lieber auch heute der Diener eines guten Fürsten bleiben." – "So mag ich dann der Fürst, und Sie der glückliche sein!" – sagte der Fürst mit einem tiefen Seufzer und gab ihnen gute Nacht.
Als sie in dem Zimmer anlangten, das zu ihrem Brautgemache bestimmt war, wurde ihre Freude beredter. Ulrike wollte immer nicht glauben, dass sie getraut wären. "Nein", sprach sie, indem sie Herrmann auf dem Schosse wiegte, "es ist ein Phantom, ein Traum, der mir durchs Gehirn schleicht: ich bin auf die heutigen Misshandlungen krank geworden und phantasiere: hast du auch die Fiebereinbildung,