um ihrer Nebenbuhlerin recht zu schaden, ihren ganzen Liebeshandel mit Herrmannen, ihre Niederkunft, und war von der Rachsucht so sehr geblendet, dass sie sogar den geheimen Briefwechsel nicht ausliess, den die beiden Verliebten durch sie bei ihrem Hiersein geführt hatten. Ulrike musste auf Befehl der Fürstin erscheinen, und wie ein zitterndes Reh, von zwei Jägern mit angelegtem Gewehr geängstigt, wurde sie mit fragen und Drohungen so gewaltig gequält, dass sie alle ihre Vergehungen bekannte: die Dormerin stunde vor ihr, fragte Artikel für Artikel ihre ganze geschichte durch, und wenn sie zauderte, ja zu sagen, rief ihr die Fürstin drohend zu: "Willst du gestehn?" – sie weinte und gestand.
Sobald sie den Hauptpunkt, ihre Niederkunft, nach langem Weigern und Weinen bekannt hatte – denn man drohte ihr mit gerichtlicher Untersuchung, wenn sie nicht hier gestünde –, nach diesem von Furcht und Angst ausgepressten Ja wurde sogleich ihr Urteil gesprochen: die Fürstin befahl ihr mit der fürchterlichsten Ungnade, den Augenblick das Schloss zu verlassen, wenn sie nicht in der folgenden Minute von der Wache weggeführt sein wollte. – "Und die gottlose Kupplerin dazu!" sprach sie zur Anklägerin. Nun besann sich die sonst so kluge Frau, dass sie in der Hitze einen dummen Streich begangen und sich selbst verraten hatte. Sie suchte den Vorschub, den sie den beiden Verliebten durch Besorgung des Postwesens getan hatte, zu beschönigen, aber es half nichts: sie musste augenblicklich aus dem Zimmer.
Ulrike, ohne in der Bestürzung zu bedenken, dass es nicht von der Fürstin abhing, sie mit der Wache fortführen zu lassen, eilte, von Furcht gejagt, als wenn sie Grenadiers mit aufgepflanzten Bajonetten verfolgten, aus dem schloss, und der Schrecken führte sie blindlings in die arme der Liebe, in Herrmanns wohnung. – "Herrmann!" rief sie mit zitternder stimme, indem sie in die stube hereintrat, "hier kommt dein verfolgtes Täubchen, nimm es auf! nimm es auf in den Schutz der Liebe!" – Herrmann sass, von Berichten, Verordnungen und Rechnungen umschanzt, und hatte ebensoviel Mühe, sich aus seinen Papieren als aus seinen kameralischen Gedanken herauszufinden: die stimme tönte ihm dazwischen wie das ferne Girren einer Turteltaube in einer dürren Sandwüste: er sprang auf, schleuderte Rechnungen, Pachtbriefe und Berichte von sich hinweg, stand da und staunte. – "Ulrike! in der Dämmerung! zu mir! so allein! bist du es?" rief er, starrend vor Verwunderung.
Ulrike. Freilich bin ich's! Das verabschiedete, weggejagte, verfolgte Mädchen! Von Bosheit und Schadenfreude vertrieben! – Unsre ganze Schande ist entdeckt: ich selbst habe sie durch mein Geständnis offenbaren müssen.
Herrmann. Entdeckt? durch wen?
Ulrike. Durch das Weib, das allein einer solchen Bosheit fähig ist!
Herrmann. Durch die Dormerin? – Ha! die Verwegne soll dafür büssen, schwer büssen! Schmach und Strafe soll die Verbrecherin treffen. Bleib hier! beruhige dich! ich will zum Fürsten eilen; und er muss sie strafen, oder ich will meine Treue gegen ihn verfluchen. Bleib – den Kopf muss man der Natter zertreten, wenn sie nicht schaden soll: ich will keine Sonne in diesem land wieder aufgehen sehen, wenn das Ungeheuer nicht gezüchtigt wird. – Aber wie hat sie ihre Bosheit verübt? hurtig, Ulrike, hurtig erzähle! –
Sie berichtete ihm eilfertig den Auftritt in der Fürstin Zimmer, wie man sie zum Geständnisse zwang; und kaum hatte sie das Notwendigste gesagt, so machte er sich auf den Weg. – "Der Donnerkeil ward von höhern Händen für meinen Scheitel geschmiedet", sprach er im Gehen, "mich soll er durch dich treffen: aber er soll abprallen, unschädlich abprallen. Sei mutig, Ulrike, und hoffe auf die Gerechtigkeit des Fürsten!"
Aus den Misshelligkeiten der regierenden Personen suchen bekanntermassen immer die Geringern ihren Vorteil zu ziehen, und es kam gleich einer von solchen dienstfertigen Aufpassern, sobald Ulrike aus dem schloss geflüchtet war, und meldete dem Fürsten ihre Entfliehung, doch ohne die Ursache derselben angeben zu können. Die Liebe beunruhigte ihn sogleich mit mancherlei Besorgnissen, mit Mutmassungen, dass seine Gemahlin etwas von seiner Absicht auf Ulriken erraten, erfahren und sie deswegen gemisshandelt habe: er glühte vor Unwillen und Unruhe und sandte gleich zu dem Obersten Holzwerder, um zu erfahren, ob sie zu ihm geflüchtet wäre: der Oberste begegnete dem Boten unterwegs in voller Eile zur Fürstin, die ihn hatte rufen lassen, und hörte jetzt das erste Wort von Ulrikens Flucht. – "Ist sie nicht da?" fragte der Fürst ängstlich, sann und befahl dem nämlichen Boten, sogleich mit allen seinen Kräften zu Herrmannen zu laufen. Der Laufer rennte, dass er sich die Beine hätte zerbrechen mögen, in grossen Sprüngen und schoss am Eingange des Schlosses vor Herrmannen vorbei, der mit scharfen Schritten zu dem Fürsten wanderte und schon angelangt war, als der Laufer mit der Nachricht zurückkam, dass Herrmann nicht zu haus sei. – "Ist sie bei Ihnen?" fragte der Fürst hastig, als Herrmann ins Zimmer trat, und war so begierig, Ursache und Umstände zu erfahren, dass er vor vielen fragen die Erzählung lange nicht in gehörigen gang kommen liess. Herrmann trug alles vor, was er aus Ulrikens mund gehört hatte, setzte das Geständnis ihrer beiderseitigen Vergehung und ihrer so lang ausgedauerten Liebe hinzu und schloss mit diesen