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und liess sie stehen: die Frau wollte vor Wut zerspringen. Arnold erhielt Nachricht von dem verunglückten Versuche, mutmasste, dass sie seine ehmalige Vertraulichkeit missbrauchen wollte, ihn anzuschwärzen, und arbeitete seitdem, sie ganz vom hof zu entfernen. Allein für sich glaubte er, dies bei der verminderten Gunst des Fürsten nicht zu vermögen, und wandte sich an Herrmannen: er stellte ihm ihre beiderseitige Gefahr so lebhaft vor, dass Herrmann wirklich sich ein Verdienst um den Hof zu erwerben glaubte, wenn er zu ihrer Entfernung beitrüge, seine eigne Sicherheit ungerechnet. Es tat ihm zwar weh, ihrer vormaligen Verbindlichkeiten zu vergessen; allein was half es? Die Partie der Fürstin schien ihm durch den Beitritt einer so verschmitzten Frau zu gefährlich geworden zu sein, und er trug daher, was er schon oft getan hatte, bei dem Fürsten auf die Einziehung aller überflüssigen Bedienungen an: der Fürst billigte den ökonomischen Vorschlag und zeichnete Madam Dormer eigenhändig oben an. Sie bekam ihre Entlassung und eine Pension auf ein Jahr mit der Bedingung, sich unterdessen nach einer andern Versorgung umzutun. Die Fürstin nahm sie Herrmannen zum Trotz unter ihren Hofstaat auf und legte dadurch den Grund zu der folgenden Uneinigkeit mit ihrem Gemahle.

Die Dormerin sprühte Feuer und Flamme wider den Fürsten, wider Hermannen, wider Arnolden, wider Herrmanns sämtliche Partie und hätte sie insgesamt mit ihren Händen würgen mögen. Das Misslingen ihrer Absichten machte sie allemal tückisch und boshaft, wie sie schon in Berlin bewies: sie bewies es auch jetzt. Sie wusste sich durch nichts an dem Fürsten zu rächen, als dass sie die Eifersucht seiner Gemahlin wider ihn erregte: sie fachte eine leidenschaft, wozu die Dame ohnehin sehr geneigt war, durch Erdichtungen, falsche Auslegungen und alle Künste ihrer höllischen Beredsamkeit so ausserordentlich bei ihr an, dass sie aus allen Blicken, Reden und Handlungen ihres Gemahls Argwohn schöpfte: es kam zu empfindlichen Sticheleien und endlich gar zu beleidigenden Verweisen. Der Fürst hielt mit männlicher Geduld an sich und foderte bloss von ihr, die Dormerin vom hof zu schaffen; sie weigerte sich mit Heftigkeit, und der Bruch war geschehen: ihr Gemahl gab ihr, ohne weiter etwas Unangenehmes zu sagen, acht Tage Bedenkzeit, und da nach dem Verlaufe derselben sein Befehl nicht befolgt wurde, lebte er abgesondert von ihr und nahm sich vor, seine Absonderung so lange fortzusetzen, bis sein Befehl erfüllt würde.

Dies nennte die Dormerin gelungne Rache für die Verschmähung ihrer Reize, und sie spornte nunmehr die Fürstin an, die Waffen gegen Herrmannen zu kehren. Dies Projekt war schon ungleich schwerer; aber welche Mittel wusste die Frau nicht zu finden? – Sie riet zu einem Bündnisse mit Arnolden, verschluckte allen Groll und suchte seine Freundschaft. Sie drang sich bei seiner Frau ein und gewann die gute stille Lisette mit ihrem Geschwätze so sehr, dass sie unwiderstehlich ihre Herzensfreundin wurde: sie wiederholte ihre Besuche bei ihr täglich, brachte ihr Grüsse, Gnadenversicherungen und Geschenke von der Fürstin und versprach, ihr Zutritt bei dieser Dame zu verschaffen. Lisette wurde von ihrem mann gewarnt und ihr das Verbot gegeben, die Frau nicht wieder ins Haus zu lassen: das gute Weibchen war eitel und begierig nach einer Gnade, die sie noch nie gekostet hatte, liess trotz des Verbotes die Dormerin doch herein, und eines Nachmittags liess sie sich durch vieles Zureden überwinden und begleitete sie zur Fürstin. Der Mann erfuhr nichts davon, aber das Weibchen war von den Gnadenbezeugungen so gestopft voll, dass sie sich schlechterdings ihrer entladen musste: mit der freudigsten Begeisterung erzählte sie ihm des Abends die gnädigste Bewillkommung und die gnädigste Herablassung, die Herrlichkeiten, die man ihr gezeigt, und die Geschenke, die man ihr gemacht hatte. Arnold erriet, dass man ihn gewinnen wollte, ob er gleich den Zweck nicht absehn konnte, freute sich seiner Wichtigkeit und gab seiner Frau kein so geschärftes Verbot mehr, um zu erfahren, wo das hinauslaufen sollte: er bildete sich gar ein, dass ihm die hohe Ehre eines Friedensstifters zwischen Fürsten und Fürstin zugedacht sei. Lisette wurde zu mehr gnädigen Bewillkommungen abgeholt und kam jedesmal entzückter und reicher mit Geschenken zurück: ihr Mann verstund die Kunst, Geld zu vertun, und war also nicht unzufrieden, dass sich ihm hier eine neue Quelle öffnete. Seine Frau söhnte die Dormerin mit ihm aus, und diese überredete ihn, dass die Fürstin ihn zur Mittelsperson zwischen sich und dem Fürsten erwählt habe: der eingebildete Narr, stolz über diesen erdichteten Auftrag, glaubte noch der vorige Günstling zu sein, der mit einem Spasse den Willen seines Herrn regieren könnte, und wagte wirklich einen Versuch, den der Fürst sehr ungnädig aufnahm. Der abgewiesene Friedensstifter machte zwar, um den Zufluss von der Fürstin im Gange zu erhalten, der Dormerin grosse Wunder weis, die er bei seinem Herrn ausgerichtet habe, und verstund sich sogar zu der Unternehmung, Herrmanns Kredit zu schwächen: er brachte ihr täglich günstige Nachrichten, wieviel weiter er darinne gekommen sei, ob er gleich nicht wagen durfte, nur ein nachteiliges Wort wider Herrmannen bei dem Fürsten zu schnauben. Die Fürstin bildete sich gleichwohl ein, dass ihr Einfluss durch diesen Kanal sehr gross sei, und bedachte nicht, dass die wirkung einen weiten Umweg nahm und folglich ungemein viel von ihrer Kraft verlieren musste: sie wirkte auf die Dormerin, die Dormerin auf Arnolds Frau, Arnolds Frau auf ihren Mann und ihr Mann auf den Fürsten: das Ziel war so weit, dass die Kugel matt vor ihm