dachte: die Sache schlief abermals ein, und das Publikum hatte das Brautpaar abermals zu zeitig trauen lassen.
Drittes Kapitel
Arnold und Madam Dormer hatten seit der Entlaufung ihres Mannes und schon vorher in geheimer Vertraulichkeit gelebt, und einen grossen teil von der Ungnade der Fürstin, die solche Verbindungen für ihr Leben nicht ausstehn konnte, mussten sie dieser Ursache zuschreiben. Um ihren Hass zu mildern und weil auch der Fürst auf ihren Antrieb Arnolden etlichemal befahl, die Dormerin entweder zu heiraten oder von ihr zu lassen, waren sie beständig willens gewesen, sich durch eine gesetzmässige Ehe zu verbinden, und die Braut machte schon Anstalt, ihren entlaufnen Mann auf den Kanzeln ausrufen zu lassen, in der Hoffnung, dass er es nicht hören werde. Arnold erregte unaufhörlich Schwierigkeiten: der entlaufne Mann war bis jetzt noch nicht ausgerufen, die Heirat bis jetzt noch nicht vollzogen; und der Bräutigam dachte gegenwärtig sogar darauf, sie nie zu vollziehen: aber Madam Dormer verstand das Handwerk besser und lenkte ihn so schnell wieder um, dass er bei dem Fürsten um die Erlaubnis anhielt; er bekam sie ohne Verzug, der entlaufne Mann wurde ausgerufen, und siehe, da erscheint bei dem Fürsten eine demütige Supplik von einem Frauenzimmer aus Leipzig, die Herrn Arnold wegen eines nicht gehaltnen Eheversprechens verklagt und gegen seine vorhabende Heirat Einspruch tut. Das Frauenzimmer hatte sich in eigner person mit ihrer Bittschrift hieher bemühet und war die stille Lisette, die einmal Herrmannen in seiner Spielerperiode vor einer Untreue bewahrte. Arnold unterhielt damals Adolfinen, ihre verbuhlte Schwester, verliess sie, worauf das Mädchen in eine Krankheit verfiel, in welcher Herrmann ihrem Mangel mit einer kleinen Wohltat zu hülfe kam; als dieser Leipzig verlassen hatte, trieben Arnolden die Vorwürfe seiner Freunde wieder zu seiner alten Geliebten hin: sein Geschmack für sie wollte sich nicht wiederfinden, er verliebte sich in Lisetten, tat ihr Anträge, die sie unter der nämlichen Bedingung eingehn wollte, die sie Herrmannen vorlegte: der verliebte Arnold verstund sich ohne Bedenken zu einem Heiratsversprechen: sie wechselten Ringe und zeugten zusammen ein wohlgebildetes Knäblein. Sie kam in der Stille auf dem land nieder, nahm das Kind der Folge als eine angebliche Waise zu sich, er unterhielt Mutter und Kind, so gut er konnte: die ganze Zeit über, die er in seiner itzigen Stelle zubrachte, wechselten sie Briefe miteinander, ohne dass die listige Dormerin etwas davon gewahr wurde, und weil er Lisetten auf die sechs letzten Briefe zu antworten unterliess, befand sie für gut, ihm den siebenten selbst einzuhändigen. Der Sohn zeugte wider den Vater; der Vater konnte sich weder ihm noch der Mutter verleugnen: Arnold bekannte, schob alle Schuld seiner zweiten Verbindung auf Madam Dormers Verführungen, gab ihr den Abschied und heiratete Lisetten. Die Fürstin und alle seine Feinde wollten diesen Zufall nützen, ihn aus der Gnade des Fürsten oder gar aus seinem platz zu verdrängen: aber Herrmann vertrat ihn mit allen Kräften bei dem Fürsten, aus alter Freundschaft für Lisetten.
Diese Heiratsgeschichte, so unbeträchtlich sie an sich ist, hatte den beträchtlichsten Einfluss auf die vornehmsten Personen des Hofes. Die Fürstin wurde der Dormerin wieder gewogen, weil sie nicht die Frau eines Mannes geworden war, den sie nunmehr doppelt hasste: durch seine Fürsprache für Arnolden ward Herrmann der Fürstin und der Dormerin unversöhnlich verhasst: diese erbitterte Frau trat völlig zur Partei der Fürstin, um sich durch sie an Arnolden empfindlich zu rächen. Dabei hatte sie noch einen Nebenzweck: sie wünschte schon lange eine grössre Rolle am hof zu spielen und war unzufrieden, dass ihr Einfluss auf den Fürsten nur heimlich durch die dritte person geschehn musste, schon längst sehr gering gewesen war und jetzt ganz aufhörte. Ihre Mühe, dem Fürsten Liebe beizubringen, konnte vor der unermüdlichen Aufmerksamkeit seiner Gemahlin nichts fruchten: auch verlor sich sein Geschmack für sie sehr bald. Jetzt, da sie die Fürstin wieder gewonnen hatte und mit ihr gemeinschaftliche Sache wider Arnolden machte, glaubte sie in ihrer Operation auf den Fürsten desto kühner fortschreiten zu können, weil ihr Arnolds Erniedrigung zum Deckmantel diente: sonach sollte die Fürstin aus Feindschaft gegen Arnolden sie bei dem Fürsten in Gunst setzen und ihr die Absicht selbst erleichtern, die ihre Eifersucht so gewaltig zu hindern suchte. Der Plan war so fein eingefädelt, dass er unmöglich gelingen konnte.
Gleich der erste Schritt, den ihre Rache tat, ging ihr fehl. Die Fürstin war zwar zur Erreichung ihrer Absichten so gefällig, dass sie in die Zudringlichkeit ihrer Alliierten zu dem Fürsten keinen Verdacht setzte, sondern sie eher begünstigte: die Dormerin nahm sich also vor, bei der ersten gelegenheit, wo sie den Fürsten irgendwo allein finden werde, ihm Arnolds vormalige Verbindung mit dem abgesetzten Präsidenten in dem nachteiligsten Lichte vorzustellen, und hatte schon mit der Fürstin Verabredung genommen, wie sie ihr eine solche gelegenheit verschaffen sollte. Arnold kannte zwar die Nähe der Gefahr nicht, aber er hielt es überhaupt für sicher, sich beizeiten in Positur wider eine Frau zu setzen, deren Intriguensucht und Rachbegierde er auswendig wusste, und nahm deswegen von dem Augenblicke an, wo seine Heirat ihre Freundschaft trennte, den Fürsten so stark wider sie ein, dass er ihr aus dem Wege ging und sie weder sehen noch hören wollte, welches sehr leicht zu bewerkstelligen war, da er sie schon lange wegen ihrer Zudringlichkeit nicht sonderlich leiden konnte. Demungeachtet drang sie mit Beihülfe der Fürstin bis zu ihm durch, aber er hörte ihr Anbringen nicht, sondern drehte ihr den rücken zu