, eine wahre ägyptische Finsternis, stellte unten perspektivisch eine Gasse hin und vorn einen Nachtwächter mit der Laterne, der eine grosse Schnarre in der Hand schwenkte. Ausser dieser schwarzen Nacht schuf er vier Elemente so deutlich und unverkennbar, dass man sie alle mit den Händen greifen konnte, und eine keusche Susanne, die man für ein Bordellmädchen hätte halten können, machte das halbe Dutzend vollständig. Alle gefielen dem Präsidenten sehr wohl, nur die Nacht war ihm zu schwarz: der Künstler stellte ihm vor, dass es eins der berühmtesten Gemälde in der Christenheit sei, aber es half nichts: es sollten doch wenigstens Laternen auf der Gasse brennen, damit man die Häuser besser sähe; und weil er nicht eher bezahlen wollte, als bis Laternen auf der Gasse brannten, so setzte der Künstler zwo Reihen düstere Lampen hin. Nun brennten die Laternen nicht helle genug. "Ei", antwortete der Künstler, "die Gasse ist aus einer Stadt, wo das Lampenwesen verpachtet ist" – aber sein Einfall half ihm nicht durch: er musste aus den Laternen flammende Sonnen machen.
Die Schöpfung war so heimlich zugegangen, dass niemand am Hof und in der Stadt etwas davon wusste, und der Präsident kündigte dem Fürsten mit vielem Geräusche ein halbes Dutzend verschriebne und angekommene Gemälde an wie sechs Wunder der Malerwelt. Der Fürst, der seiner Kennerschaft nicht viel zutraute, lächelte und verlangte sie zu sehen: er verbiss mit aller Mühe das lachen, da er sie erblickte, und fragte nach dem Preise: der Präsident machte es zum Anfange der Kundschaft billig und foderte fünf Louisdor für das Stück, das er mit einem Dukaten bezahlt hatte. Der Fürst liess sogleich die Summe aus der Schatulle auszahlen und machte dem Präsidenten mit allen sechs Gemälden ein Geschenk. "Kaufen Sie in Zukunft nicht mehr von diesem Gemäldehändler!" setzte er hinzu, "er hat Sie angeführt; denn unser Hofmaler macht Ihnen solche wie diese das Stück zu zwei Gulden." – Der Präsident wanderte betroffen mit seiner Galerie ab und stellte den Handel ein: er konnte zwar nicht begreifen, wie der Fürst seinen Betrug erraten haben sollte, aber er hielt es doch für klüger, die Gefahr nicht zum zweiten Male zu wagen, zumal da ihm ohnehin die bisherige Veränderung seines Herrn bedenklich schien.
Jedermann fand sie so, wenigstens unerklärbar. Man gab zwar dem Fürsten schuld, dass er eine gewisse Unbegreiflichkeit des Charakters erkünstele, mit Vorsatz seine Neigungen oft ändre und entgegengesetzte Handlungen tue, damit niemand wissen solle, woran er mit ihm sei, bisweilen bloss, um in Erstaunen zu setzen. So gegründet die Beschuldigung in andern Fällen vielleicht sein mochte, so war sie doch hier völlig falsch; und Herrmann konnte nunmehr insgeheim mit Vergnügen die Früchte seiner Ehrlichkeit bemerken, indem andre sich die Köpfe zerbrachen, eine Ursache zu erraten, die sie nicht zu erraten vermochten. Der Präsident traf sie beinahe und hatte Arnolden, Madam Dormer und Herrmannen in Verdacht, doch am meisten den ersten. Seine Politik riet ihm also, diese drei Personen zu gewinnen; und weil er sich einbildete, dass niemand seine Griffe und Schliche wüsste als die wenigen Leute, die er zu Gehilfen dazu brauchte, und weil er die Unvorsichtigkeit begangen hatte, Herrmannen für weniger ehrlich oder – in dem Gesichtspunkte, wie es der Präsident betrachtete – für ehrlicher anzusehn und ihn deswegen in seine Karte blicken zu lassen, so musste er diesen am meisten fürchten und am meisten hüten. Er begegnete ihm daher viel freundlicher und weniger despotisch als allen übrigen, die unter ihm stunden; und da der Ernst des Fürsten, seine Aufmerksamkeit, seine genauen Erkundigungen und argwöhnischen Mienen täglich zunahmen, suchte der Präsident durch neues Vertrauen und Vorteil einen Mann an sich zu ziehen, der sein voriges Vertrauen entweder gemissbraucht hatte oder missbrauchen konnte. Er liess also Herrmannen unter dem Vorwande, dass sein Gimpel sich in sehr kritischen Gesundheitsumständen befinde, zu sich kommen und brachte das Gespräch nach mancherlei Wendungen auf seinen Hauptzweck. "Sie werden", sagte er ihm, "bei mir zuweilen Papiere abzuschreiben gehabt haben, woraus man schliessen könnte, als ob ich mannigmal Bezahlungen, die mich betreffen, an fürstliche Kassen stellte: ich leugne auch nicht, dass es einmal oder zweimal geschehn sein mag. Ich habe, wie Sie wissen, einen kleinen Verkehr mit Weinen, Pelzwerk und andern Dingen: zuweilen kommt einen eine plötzliche Bezahlung auf den Hals; man kann etwas um ein Spottgeld gegen bares Geld bekommen, wenn es die Verkäufer gerade benötigt sind; man hat nicht allemal gerade soviel liegen, und ich habe also ein paarmal in höchstwichtigen Vorfällen meine Zuflucht zu der fürstlichen Einnahme genommen. Es ist zwar nicht das mindeste Böse dabei – denn ich habe die geborgten Summen jedesmal ehrlich und redlich wieder ersetzt –, aber da es ohne Vorwissen des Fürsten geschehen ist, könnte es doch Verdacht und Unwillen wider mich erregen oder von einem Feinde genützt werden, mich in Ungnade zu bringen: ich bitte Sie also, schweigen Sie davon! Ich werde mich gewiss als ein wahrer, guter Freund dafür bezeugen. Ihre Besoldung ist klein, und ich begreife nicht, wie Sie davon leben können: ich habe schon längst darauf gedacht, wie ich Ihnen die treuen Dienste belohnen soll, die Sie mir in meinem haus geleistet haben; aber in dem schrecklichen Wirbel von Geschäften kommt man gar nicht recht zu sich, man vergisst seine besten Freunde: Sie wissen ja, ich muss allentalben sein