, als die Fürstin mit mir neulich von ihr sprach; aber sie gebot mir zu schweigen. Wahrhaftig, man könnte über die Witterung der Gnade einen eignen Hofkalender machen: allein ich möchte mich auf diese Wetterprophezeiungen so wenig verlassen als eine Wäsche heute anfangen, weil mir der Almanach morgen schönen Sonnenschein zum Trocknen verspricht. –
Von Ulriken.
den 12. November.
Nur zwei Worte, damit Du weisst, dass ich noch schreiben kann! Diesen Sommer sind wir auf dem land Gärtnerinnen gewesen, haben Blumen, Kohl, Gurken gesteckt, gesät, gepflanzt, dem Gärtner alle Beete verdorben und ein schlechtes Jahr gemacht; hatte weder Segen noch Gedeihen. Was wir sonst noch getan haben? – Verdruss und Langeweile gehabt. Die beiden Ungeheuer werden mich noch aufreiben. Ach, die schreckliche Leerheit in meinem herz! – –
Von Herrmannen.
den 3. Dezember.
– Mit Erstaunen habe ich mich neulich von meinem Kalender belehren lassen, dass ich schon zwei Jahre in meinem platz zugebracht habe. Wie sie mir verflogen sind! als wenn ich sie in Deinen Armen, an Deiner Seite verlebt hätte! Nie glaubte ich, dass Arbeit und eifriges Streben nach einem vorgesetzten Zwecke die Flügel der Zeit so schnell bewegen könnte. Nur die Liebe, bildete ich mir ein, vermöchte das Wunder zu tun, dass Wochen und Monate unbemerkt wie Gedanken dahinflögen: aber nein, auch Tätigkeit und Rennen nach einem festen Ziele vermag es. Wenn mein Nachsinnen ermattete, wenn Verdruss und unerfreuliche Begegnung vom Präsidenten meinen Mut schlaff machte: dann dachte ich, für wen, um wessentwillen ich meine Kräfte anspannte. "Ulrike ist der Kranz", sagte ich mir, "Ulrike der Lohn, der am Ende der Laufbahn auf dich wartet: laufe, renne, arbeite dich tot oder erringe sie!" – Wie der herabströmende Einfluss einer Gotteit stärkte mich die Aussicht auf mir ihn als entfernt, als zu hoch hängend, als ein blosses Vielleicht darstellten, dann rang und kämpfte ich mit neuer Arbeit, um die Wahrscheinlichkeit dieses Vielleichts zu erhöhen.
Ich habe ihn geendigt, den Plan, habe mich mit den Verfassungen des Landes, mit den zahlreichen Mängeln und Gebrechen der hiesigen Einrichtung bekanntgemacht, habe mir Kenntnisse aus Büchern und der Erfahrung andrer gesammelt, habe unermüdet gefragt, gesucht, gelesen, gesonnen und so manche nützliche Anstalt und Verbesserung ausgedacht, wodurch dem Ganzen, der Regierung und einzelnen Einrichtungen geholfen werden könnte, habe in meinem kopf einen Plan erzeugt, ein Ideal, nach welchem ich bei allen Vorschlägen in meiner künftigen Bestimmung verfahren will. Wie froh bin ich, endlich in eine Laufbahn hingezogen zu sein, wo ich für mehr als meinen Nutzen und mein Vergnügen arbeiten soll; und wer zog mich hin? – Du, Du, Ulrike! Du, deren hände Leben, Wohlsein, Glück und Ehre über mich verbreiten und noch reichlicher verbreiten werden!
Meine bisherigen Beschwerlichkeiten waren nicht gering: Du seufzest über die aprilmässige Veränderlichkeit der Gunst, über die Schmerzen, die Dir die schlimme Laune Deiner Gebieterin zuweilen auflegt, über Neid, über Langeweile: von allen diesen Übeln war ich wohl frei, aber mich drückten andre. Der Handlanger – als etwas Bessers kann ich mich fürwahr nicht betrachten –, der Handlanger eines Mannes zu sein, der in dieser Minute, wenn ich seinem Gimpel oder seinen Turteltauben eine Güte getan habe, mir mit brüderlicher, beschämender Vertraulichkeit begegnet und in der folgenden wie ein orientalischer Despot befiehlt und aufgewartet sein will; der in dieser Stunde dringend und treibend mit der äussersten Schärfe etwas anbefiehlt, eine halbe Stunde darauf schon vergisst, dass er's befohlen hat, und das Gegenteil gebietet oder sich wohl gar einbildet, das Gegenteil befohlen zu haben, und zürnend auffährt, wenn man tat, was er ausdrücklich verlangte; der weder Widerspruch noch Entschuldigung erträgt, keine Vernunft hört, weder nach Plan noch grundsätzen, sondern bloss nach augenblicklichen, vorübergehenden Einfällen handelt und anordnet; der in allem, was er denkt und tut, keine Regel als seinen Eigennutz kennt und keine Mittel verschmäht, ihn zu befördern, wovon ich die himmelschreiendsten Beweise erfahren habe, seitdem ich verpflichtet worden bin und also nicht mehr bloss in seinen Privatgeschäften, sondern auch in Sachen seines Amtes gebraucht werde; dem nicht ein Finger weh tut, wenn gleich das halbe Land zugrunde ginge, und der doch ausser sich gerät, sobald sein Gimpel nicht fressen will: – wie muss man sein Gefühl verhärten und seinen Unwillen zurückhalten, welche Leiden und innerliche Kämpfe muss man erdulden, wenn man einem solchen mann dient. Sein Beruf ist ihm eine leichte Feder, die er spielend dahin bläst, wohin sie der Wind treiben will: ich glaubte von ihm göttliche Weisheit zu lernen, und auch die bekanntesten Dinge, worauf ihn tägliche Erfahrung leiten sollte, sind ihm fremd und unwichtig. Ich bin vor Erstaunen ausser mir selbst geraten, wie er mich von sich wies, als ich mir neulich die Freiheit nahm, in einer seiner vertraulichen Launen über verschiedene Einrichtungen und Anstalten zu sprechen, die nach meinem Bedünken dem land so not tun, meine Meinung darüber als bescheidne Zweifel und fragen vorzulegen, worüber ich Belehrung von ihm zu erhalten wünschte: er gebot mir von dergleichen Zeuge zu schweigen, das weder ihn noch mich etwas anginge, und etwas Gescheiteres zu sprechen; und doch waren es Dinge, deren Besorgung seinen Händen anvertraut ist! und doch war dieses gescheitere Gespräch, das er an die Stelle