Ach, da hab ich Ihnen Dinge gehört! Ich kann's gar nicht sagen." –
Die Wunderdinge kamen lange nicht zum Vorschein: endlich erfuhr ich folgendes: Der Fürst befiehlt der fräulein Ahldorf, die auch das Zimmer verlassen will, dazubleiben und fragt sie geradezu, ob sie der Fürstin nicht überredet habe, dass er gestern auf meinem Zimmer gewesen sei; ob sie ihr nicht erzählt habe, dass er da, dort und hier mit mir allein gewesen sei; und eine Menge andere fragen, die alle ähnliche Beschuldigungen wider ihn und mich entielten. – Ich kann mir ihn vorstellen, wie er das alles gefragt haben mag: er nimmt in solchen Fällen einen ganz eignen kalten Ernst an. – Da die fragen vorbei sind, befiehlt er ihr, dass sie gestehn soll. Die Ahldorfin ist vor Schrecken ausser sich, weiss sich nicht zu helfen, weint, wirft sich dem Fürsten zu Füssen in der Angst: er befiehlt ihr aufzustehn und gebietet noch einmal mit schärferem Tone, dass sie gestehn soll: in der Furcht beichtet sie alles. Darauf bittet er die Fürstin mit seinem befehlenden Tone, eine solche freche Klätscherin, die sich so unverschämte Lügen erlaubte, nicht länger um sich zu dulden, und befiehlt der fräulein, das Schloss zu räumen, was ich selber hörte. – Nach dieser Szene wurde ein entsetzlicher Aufruhr; alles setzte sich in Bewegung, Vorbitten einzulegen, aber umsonst. Der Fürst ist in solchen Fällen unerbittlich, besonders wenn es darauf ankömmt, sein Ansehn wider unser Geschlecht zu behaupten, von dem er überhaupt keine hohe Meinung zu haben scheint, so artig und galant er ihm auch begegnet. Von Mannspersonen lässt er sich leicht einnehmen, aber gegen das Frauenzimmer – auch seine eigne Gemahlin dazu gerechnet – steht er auf der Hut, und er gibt eher seinem Kammerdiener nach als der Fürstin: er beleidigt sie nie, sondern behandelt sie mit ungemeiner achtung und Höflichkeit, aber wenn er einmal etwas befohlen hat und sie bittet, den Befehl abzuändern, dann lässt er sich nicht bewegen, sollte auch ihre Bitte die grösste Billigkeit und sein Befehl die grösste Unbilligkeit sein. Er soll selbst einmal gesagt haben, dass ein kleiner und grosser Fürst das andre Geschlecht achten, aber nicht lieben und ihm alle Bitten abschlagen müsse, damit er ihm keine schädliche gewährte. Ganz genau folgt er seiner Maxime nicht, und bei aller Vorsichtigkeit und allem Misstrauen muss er sehr vielfältig tun, was die Weiber wollen, wenn sie nur männliche Maschinen dazu gebrauchen: das wird alles durch den dritten, vierten Mann bewerkstelligt. jetzt ist Arnold das grosse Triebrad, das ihm mit Spass und feiner Schmeichelei seinen Willen und seine Gedanken umdreht, und dies grosse Triebrad wird von einem kleinern umgedreht, das Madam Dormer heisst: wer dieses verborgne Rad recht zu seinem Vorteil zu stellen weiss, dem zeigt der Weiser, wie er's wünscht. –
Von Ulriken.
den 27. April.
– – Arnold versichert mich, dass er dem Fürsten die Klätscherei der fräulein Ahldorf entdeckt hat, und behauptet, dass ihr Bewegungsgrund nicht bloss Neid gegen mich, sondern auch Bosheit gegen den Fürsten gewesen sei, um sich für die Kälte zu rächen, womit er ihre Bemühungen, sich in Gunst bei ihm zu setzen, aufgenommen habe; und sie soll sich ihm in Gunst haben setzen wollen, um sich an der Fürstin für den hat. Es mag kein Wort davon wahr sein; denn da sie in Ungnaden fortgeschickt worden ist, hält es jedermann für seine Pflicht, ihr die abscheulichsten Dinge nachzusagen: sie müsste ein Ungeheuer sein, wenn sie so wäre, wie man sie jetzt allgemein abbildet.
Für mich will Arnold bei dem Fürsten und der Fürstin sehr vorteilhaft gesprochen haben, und die allmählich wiederkehrende Gnade der letzteren soll sein Werk sein: auch für Dich will er nunmehr sorgen, dass Du aus dem haus des Präsidenten in einen bessern Platz kömmst. "Ich bin ein rechter Schurke, dass ich an meinen besten Freund nicht eher gedacht habe", sagte er, "aber ich will's schon einbringen: geben Sie nur acht, was alles aus ihm werden soll." – Spricht der Mann nicht wie ein wahrhafter Maître-valet! Ich will's ihm herzlich gern glauben, dass er der Urheber meiner neuen Gunst ist, wenn er nur für Dich etwas ausrichtet. Auch kann er wohl die Wahrheit gesagt haben. Wie wollt ich den Mann lieben und achten, so wenig ich es jetzt kann, wenn er nur mit einem Finger dazu hülfe, Dich emporzuheben! Der Gedanke, Dich emporgekommen zu sehen, belebt mich inniger und süsser als die neuerlangte Gnade: dann gäb ich ihm die Erlaubnis, ein Stocknarr und ein Erzschurke zu sein, ohne ihn zu hassen.
Madam Dormer gab sich die Ehre, bei dem Vorfalle mit der fräulein Ahldorf ein wenig zu vorwitzig zu sein, und bekam von der Fürstin ein sehr empfindliches Kompliment darüber. – Die Fürstin ist ihr um der sonderbaren Ursache willen nicht mehr gewogen, weil ihr der Mann davongelaufen ist: sie behauptet, dass allemal die Frau nichts tauge, wenn sich der Mann auf so eine Art von ihr trennt; und Dormer war doch allgemein für den lüderlichsten Menschen unter der Sonne bekannt. Es ärgerte mich, aus so einem seltsamen grund einen unverschuldeten Groll auf die arme Frau geworfen zu sehen, und ich wurde in ihrer Verteidigung so warm, dass mir die Backen glühten