und so bitter und böse wie erboste Meerkatzen aus: hier lacht Freundlichkeit, Vergnügen und Freundschaft auf allen Gesichtern: die Leute scheinen sich alle so herzlich gut zu sein wie Brüdern und Schwestern. Du hast mir so ein wunderliches Misstrauen gegen die Menschen beigebracht, dass ich immer bei mir zweifle, ob es ihnen auch von Herzen geht, wenn sie mir so gütig und freundlich begegnen: aber ich zwinge mich alle Tage mehr, das unglückliche Misstrauen zu verlieren. Einbildungen, nichts als schwarze Einbildungen sind es, die man sich bei übler Laune oder im Unglücke macht! In Berlin schrieb ich der Vignali unsre Zwistigkeit zu, glaubte, dass sie mich verfolgte und von Dir trennen wollte, und hielt sie für so hämisch und tückisch und falsch wie ein Tigertier; und es ist doch die beste Frau von der Welt, die sich jetzt so lebhaft für Dich und mich interessiert wie eine Mutter für ihre Kinder: sie läuft und rennt unsertwegen herum und spricht allentalben Gutes von mir. So mag es Dir in den meisten Fällen auch gehen: Du bürdest die Schuld Deiner übeln Laune und Deines Unglücks den armen Menschen auf die Schultern. Komm nur zu uns! Du wirst mir gewiss beipflichten. Wenn einmal in einer trüben Stunde jemand, der Dir vorher schmeichelte, aus versehen an Dich stösst, so hältst Du ihn gleich für falsch: ich mach es nicht besser, und ich schäme mich zuweilen vor mir selbst, dass ich so argwöhnisch bin. Ich liebe die Leute alle, dass ich jeden gern in mein Herz schliessen möchte, und mitten unter der Liebe ist mir beständig, als wenn ich ihnen nicht recht trauen dürfte: aber ich will mir die Unart schon abgewöhnen.
den 12. Sept.
Endlich, nach vielen Tagen und Wochen kommt Madam Dormer mit einer erwünschten Nachricht. "Setzen Sie sich!" sagt sie mir eben jetzt. "Ich will Ihnen den Brief diktieren, damit Ihr Herrmann sieht, wie gelehrt ich indessen in der deutschen Sprache geworden bin." – Das wird ein sauberes Briefchen werden: ich schreibe buchstäblich, wie sie es mir vor"Komm Sie su uns, Monsieur Erman! Sie soll werde eine Sekretär bei die Herrn von Lemhoff: Sie mir hat gegebet seine Wort." ("Er hat mir sein Wort gegeben, wollen Sie sagen, meine hochgelehrte Dame.") "Er liebt sehr die Gimpel; et sie Vous pouvez devenir un peu Gimpel, Vous-même, tant, mieux pour Vous. – Non, non, raïez celà. Ich will sage teutsch. – Wenn Sie kann werde ein Gimpel Sie selbst, der Herr Präsident Sie nehmet lieber in Dienst. Kaufe Sie ein Gimpel, der wohl peifet" – ("pfeift, wollen Sie sagen.") "Quel diable de mot! säuft?"- ("Nein, nein, das heisst boire.") – "Mais je ne veux pas dire celà. Comment? keift?" -("Ebensowenig, das heisst gronder.") – "Eh, mon Dieu, comment se peut-il donc qu'un oiseau gronde?" – ("Sie wollen sagen, pfeift.") – "Eh bien, feif ou säuf ou läuf, comme il Vous plaira. Ecrivez! – Kaufe Sie ein Gimpel, der wohl peift, und machet daraus ein Present dem Mr. le President: kaufe Sie auch ein Paar – attendez! comment est ce que celà s'appelle en allemand? des tourterelles." – ("Turteltauben!") – "Ecrivez donc! Turteltauben. Das wird Sie legen in die bonnes graces von Herr President; und wenn die Purzeltauben – que riez-Vous? – Wenn die Gimpel wohl singet und die Buttertauben – Mais qu'avezVous donc? – Wenn die tourterelles wohl lachet, der Herr President lachet und säufet mit Sie." ("Pfeifet mit Ihnen.") "Sie soll logir – comment dit-on? mit ou zu Madam Dommer? Mon Dieu, Vous etouffez de rire. Comment faul-il donc dire?" –, ("Bei Madam Dormer Sie können Ihren eignen Namen nicht einmal aussprechen.") – "Madam Donner?" – ("Dormer!") – "Ne me chicanez pas; ce n'est pas le nom de mon mari. Allons, finissons la lettre. – Adieu, meine liebe Herr Ermann. Madame Vignali, si Vous la connoissez, Vous donne sa benediction. –
heute abend um acht Uhr schick Sie mir den Brief, Mademoiselle, oder noch besser, ich will kommen holen."
Nun noch ein paar gescheite Worte unter uns, eh' es achte schlägt!
Also kömmst Du? – denn was sollst Du allein in der kümmerlichen traurigen Bauerhütte anfangen? Glaube mir, unter den Leuten in der Stadt und am hof ist es tausendmal besser als unter Deinen Bauern: wenn wir uns nicht sosehr geliebt hätten, so wären wir im ersten Jahre vor Langerweile gestorben; und an unsern Kummer in der letzten Zeit mag ich herzlich gern nicht denken. Nunmehr danke ich's den Leuten, die mich aus der Jammerhöhle herausgestohlen haben: sie wollten mir einen recht üblen Streich spielen und taten mir die grösste Wohltat. Das neue angenehme Leben hier und die muntre Gesellschaft und die guten Leute, die mich alle so herzlich lieben,