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, fuhr er fort, "ist die Aktion bei Hennersdorf, wo ich meinen Hut verlor und eine Kugel ins linke Schulterblatt kriegte: ich bin zweimal darauf: hier fällt mein Hut, und hier kommt die Kugel: sehen Sie! es ist alles deutlich." – Der Goldmacher schüttelte den Kopf. "Halten Sie mir zu Gnaden", fing er an, "mit der Aktion bei Hennersdorf ist es nicht richtig. Ich setze Leib und Leben zum Unterpfande, Sie irren sich. Es ist die geschichte Luteri, wie er dem Teufel das Tintenfass an den Kopf wirft: das fliegende Tintenfass sehen Sie für eine Flintenkugel an, und die Tinte, die hier dem Teufel vom kopf läuft, halten Sie für den Hut, der Ihnen bei Hennersdorf vom kopf fiel." –

Der Oberste. Und was Sie für den Teufel ansehn, das bin ich? – Sie müssen behext sein oder den Star haben, wenn Sie mich hier nicht erkennen wollen. Sacre-papier! sieht mich für den Teufel an!

Der Apoteker. Ich sterbe darauf. sehen Sie hier nicht deutlich die Hörner, den Schwanz und die Pferdefüsse?

Der Oberste. Sacre-papier! das ist mein Toupet, mein Degen und die Vorderfüsse von meinem Pferde. Sie sind ja sonst nicht so dumm, dass Sie das nicht begreifen können.

Der Apoteker. Herr Oberster, ich will in der Minute des Todes sein, wenn ich nicht recht habe. Mit Ihrer Schlacht bei Molwitz ist es nicht anders. Das bin ich, als ich den letzten Versuch machte, der mich ins Unglück brachte. Das reine Gold war schon da: gleich kommt ein Bergmännchen (eine Art von seinen Geistern) und gibt mir eine Ohrfeige, dass ich die ganze köstliche Materie vor Schrecken zusammenwerfe: dort lagen alle meine Reichtümer! sehen Sie hier nicht das Bergmännchen ganz deutlich, so natürlich, wie es damals vor meinen Augen stunde?

Der Oberste. Der verfluchte Goldmacher! Nun sieht er mich auch noch für ein Bergmännchen an! – Wofür wird er mich nun hier auf dieser Platte ansehn? Bin ich das nicht, wie ich vor zwei Jahren meine Soldaten auf der grossen Wiese manövrieren liess? Sieht Er hier nicht deutlich die zwei Divisionen, die ich machen liess?

Der Apoteker. Nein, das sind die sieben törichten und sieben klugen Jungfrauen aus dem Evangelio, und was Sie für Ihre eigne person halten, ist der Bräutigam, der ihnen entgegenkömmt.

Der Oberste. Altgesell! Er ist ein Narr. Sacre-papier! Da wird sich wohl die natur die Mühe geben und ihm seine sieben törichten Jungfern auf die Steine malen. Gearbeitet! damit wir etwas vor uns bringen. –

"Ach", fing Madam Dormer an, "was Sie für die Schlacht bei Molwitz halten, ist der natürliche Tiergarten bei Berlin: hier ist die Jägerhütte, in welche zwei Verliebte gehen, um die Brautnacht darinne zu feiern." – Ich glaubte, ein Bergmännchen gäbe mir eine Ohrfeige wie dem Apoteker, als die Frau den heimtückischen Einfall sagte: ob ihn gleich niemand ausser uns beiden verstund, wusste ich doch vor Verlegenheit nicht, wo ich mich hinwenden sollte. Sie ist immer noch die vorige freundlich-hämische Vignali: aber ich muss ihr schmeicheln, damit sie meine geschichte nicht verrät und es bei solchen tückischen Neckereien bewenden lässt, die sie auch nicht spart.

Ich konnte meine Neubegierde nach ihrem Unglückke nicht eher befriedigen als nachmittags, wo der Oberste mit dem Apoteker ausging, um der Sektion eines Frosches beizuwohnen, die einer ihrer Bekannten ihnen schon lange versprochen hatte. Madam Dormer empfing Befehl, dass sie mich unterdessen in den Handgriffen, Dendriten zu polieren, unterrichten sollte: aber wir wandten die Zeit besser an. Auch sie gab mir die Schuld, dass sich der Herr von Troppau mit ihr entzweit hätte: ich fragte sie voll Verwunderung, wie das möglich wäre. – "Troppau", antwortete sie mir, "hatte in Erfahrung gebracht, dass Sie nebst Ihrem Liebhaber durch meinen Vorschub entkommen waren: er beschwerte sich mit den bittersten Anzüglichkeiten darüber20 und schalt mich förmlich aus. Ein so ungewohnter Ton verdross mich, besonders da er mir mit der ärgsten Beleidigung sagte, dass ich ihm einen Gefallen getan hätte, wenn ich mit Ihnen gereist wäre. Ich verliess mich ein wenig zu sehr auf seine vorige Liebe und meine Gewalt über ihn und antwortete ihm im Zorne, dass es noch Zeit wäre, wenn seine erkaltete Liebe eine Trennung wünschte. Ein Wort führte das andre herbei, und wir sagten einander alle Gemeinschaft und Liebe auf. Ich bildete mir närrischerweise ein, dass der Mann nicht ohne mich leben könnte, und hoffte jeden Augenblick, dass er den ersten Schritt zur Versöhnung tun würde; aber die Männer sind ein gottloses Geschlecht: solange das Vergnügen neu ist, das wir ihnen geben, sind sie unsere Sklaven; aber wenn die Sättigung sich einstellt oder ein neueres Vergnügen winkt, dann werden sie wilde Bäre, die alle Banden zerreissen, wenn man sie auch nur mit einem Zwirnfaden regieren will. Ich merkte wohl bald, dass ich eine Übereilung begangen hatte, und bot auch von fern die Hand zur Versöhnung: sein Herz war ohne Rückkehr verloren. Ich bekam die Pension, die er mir auf den Fall einer Trennung ausgesetzt hatte, richtig ausgezahlt: aber was half mir das? Meinen vorigen Aufwand konnte ich nicht fortsetzen: alle meine Freunde verliessen mich