dass ich mich so schändlich hatte hintergehen lassen, nahmen sichtbarlich zu, und der Oberste, der meine mürrische Laune dem Mangel an Vergnügen zuschrieb, stellte auf den Nachmittag ein Konzert an. – "Wir haben hier sehr schöne Musikanten", sagte er mir bei dem Mittagsessen. "Wir haben noch vor drei viertel Jahren eine rechte Sängerin aus Berlin bekommen, die Madam Dormer: sie singt wie ein Nachtigallchen: Sacre-papier! wenn die Frau in die Höhe mit ihrer Kehle steigt! das geht, das geht, wie mein Lieschen, mein Ziperchen, wenn sie zum Dach hinaufläuft! Wie der Wind ist sie oben; und wenn sie nun oben auf dem Forste mit ihren Tönen sitzt, da trillert und tanzt sie so kraus in der Höhe herum, als wenn's die Engelchen im Himmel wären; und dann hüpft sie auf einmal – hop, hop, hop, hop, hop –" (er machte die Prahltriller der Sängerin mit seiner unsingbaren stimme sehr komisch nach) "von dem obersten Dachziegel herunter, dass man denkt, die Kehle wird Hals und Beine brechen. Sacre-papier! das ist eine Sängerin, die für den König von Frankreich nicht zu schlecht wäre! Ihr Mann ist auch ein grosser Musikant: er pfeift sehr schön auf der Flöte und fiedelt auch auf der grossen Rumpelmaschine – wie heisst sie denn gleich? –, auf dem grossen Basse – rumpel, rumpel! das geht drauflos, was das Zeug hält, wenn das Kerlchen seine Grimassen hinter dem grossen Brummkasten zu schneiden anfängt! Dass der Staub herumfliegt, so marschiert er auf den saiten herum. Und dann haben wir noch einen grossen Musikanten; der geht über alle, das sag ich. hören Sie! wenn der zu fiedeln anfängt, das klingt wie ein Glöckchen, wie wenn ich Ihnen hier mit der Gabel ans Glas schlage, kling, kling, kling! -und dabei will er sich alle Adern am leib zerreissen: das ist ein arbeiten auf der Fiedel, dass ihm die Haare um den Bogen herumhängen, wenn er fertig ist. Meine Soldaten können sich nicht so hurtig schwenken und drehen, als der Mensch auf
dem Brette mit dem Fiedelbogen herumspaziert. Das ist die Kapelle: aber nun nehm ich meine Leute dazu; das sind ganze Kerle: wenn sie zu hoboen anfangen und die Waldhörner und die F-zmaschinen – Fagots heissen sie – dazwischen hineinfallen, das ist ein Gequake und ein Gekreische, dass man davonlaufen möchte. Das versichre ich Sie, meine Hoboistenbande ist die schönste in Europa: die Ohren möchten springen, so einen exzellenten Lärm machen sie." –
ungefähr in diesem Tone schilderte er mir auch die Talente der Stadtmusikanten und der Liebhaber in der ganzen Stadt, die auf irgendeinem Instrumente etwas Vorzügliches leisten. Nachmittags fand sich ein Virtuose nach dem andern ein, ein schreckliches Heer, das die Toten hätte erwecken können. Ich fühlte zum Leidwesen meiner Nerven, dass der Oberste richtig prophezeite: die Ohren wollten mir springen, und ich wäre gern davongelaufen. Die Herren griffen sich mir zu Ehren alle so gewaltig an, dass ihnen der Schweiss schon bei der ersten Sinfonie am kopf hereinlief, und jede Minute platzte eine Saite. Sie wedelten sich insgesamt mit den Schnupftüchern, als sie sich durch das tobende Presto durchgearbeitet hatten; und so angreifend das Getöse in dem kleinen saal war, so meinte doch der Oberste, dass sie heute nicht so frisch gespielt hätten wie sonst. Um den Schimpf nicht auf sich sitzen zu lassen, bat der Direktor des Konzerts um eine Verstärkung des Orchesters, nach welcher sogleich Boten ausgesandt wurden, und legte ein Stück auf, wobei Waldhörner, Trompeten, Oboen, Fagotte, Posaunen und fast alle übrige Blasinstrumente hervortraten. Mit grosser Betrübnis beschwerte sich der Direktor, dass man die Pauken weglassen müsste. – "Diese will ich machen", sprach der Oberste und befahl eine Trummel zu holen. – "geben Sie einmal acht", sagte er zu mir, "wie ich die Trummel peitschen will: ich bin sehr stark darinne: ich lehre alle meine Tambours selber." – Verstärkung und Trummel langten an: mir wurde angst und bange. Das Getöse begann: der Oberste stand in der Mitte mit umgehängter Trummel, gab ihr bald einen einzelnen empfindlichen Hieb, schlug bald einen langen schnurrenden Wirbel, dass man nichts als das Quäken der rauhen Trompeten hören konnte: es war eine Höllenmusik; demungeachtet glaubte der Oberste, dass zwei Trummeln einen bessern Effekt tun würden, und konnte nicht begreifen, warum die übrigen heute so erstaunend leise spielten, dass er nur sich allein hörte. Man schob die Schuld auf die Violinen und beklagte, dass der Stadtmusikant nicht zugegen wäre, der mit seiner Geige sieben andre überschrie. Auf alle Gassen mussten Boten auswandern, den Mann aufzusuchen: er erschien mit seiner gewaltigen Geige nebst einem Tambour: allein wenn man gleich noch sechs Männer mit so gewaltigen Geigen herbeigeschafft hätte, so wäre die Musik für den Obersten immer zu schwach gewesen; und der Lärm war doch so unmenschlich, dass die Leute auf den Gassen zusammenliefen und Feuer riefen, in der Meinung, man habe die Feuertrummel gerührt. Seine Gehörnerven müssen von Stahl sein; denn die meinigen haben mir acht Tage lang gesaust und gezittert.
Endlich erschien auch Madam Dormer, die grosse
Sängerin: ich freute mich, dass meine Ohren wenigstens auf eine andre Manier die Tortur leiden würden. Die Frau