Kräften ein dreimaliges Aufgebot und priesterliche Kopulation: sie bat ihren Mann angelegentlich, die Sache nicht so genau zu nehmen, damit sie nur eine Hochzeit auszurichten bekäme: allein der Pfarr war ebenso standhaft in seiner Pflicht als Herrmann in seiner Verachtung gegen die Kopulation. In einer solchen Verlegenheit musste sich die gute Frau mit dem Gevatterschmause trösten, den Ulrikens Umstände bald zu erfodern schienen, und lag dem jungen Hausvater eifrigst an, die Anstalten dazu beizeiten durch sie machen zu lassen. Auch Ulrike verfiel in keine geringe Betrübnis, als sie die Unmöglichkeit einer gesetzmässigen Verbindung erfuhr, wenn sie nicht durch die Anzeige ihrer Abkunft sich der Gefahr aussetzen wollte, entdeckt zu werden und in Untersuchung zu kommen: doch Herrmann beruhigte sie, trat zu ihrem Bette und sprach: "Ulrike, wir sind getraut, durch stärkere Fesseln verbunden, als ein Priester verbinden kann. Zum Zeichen unsrer ewigen Treue trag ich hier am emporgehaltnen Finger den Ring, womit du unter dem Baume im Garten deines Onkels ihn schmücktest: zum öffentlichen Bekenntnisse deiner Liebe trägst du den meinigen: ihr insgesamt, Vater, Freund und Freundinnen, seid Zeugen, und noch mehr das Wesen, das den Meineid bestraft, dass ich hier dieser lieben Seele eheliche Treue und Liebe bis in den Tod angelobe; und wer sie bricht, den treffe der Fluch des himmels, solang ein Gedanke in ihm lebt! Dieser Kuss besiegele unser Versprechen. – Nun sind wir getraut: welcher Zeremonie bedarf es weiter?"
Den Tag darauf betrieb Herrmann sein vorgenommenes Geschäfte mit seiner gewöhnlichen Hitze: er schloss den Handel, sosehr sich auch der Pfarr dawidersetzte, und viel weniger vorteilhaft, als er tun konnte, wenn er nicht mit leidenschaft kaufte. Er liess sich von einem erfahrnen Landmanne in den Geheimnissen der Wirtschaft unterrichten, lernte von ihm den Pflug regieren, säen, eggen und die übrigen ländlichen Verrichtungen: der Bauer hatte noch nie einen so gelehrigen Schüler gehabt, der mit so vieler Lust und Emsigkeit an seine Lektion ging. Wenn ihn der Pfarr des Abends zu einer Partie Piquet aufsuchte, sass er bei drei, vier Bauern und liess sich in der ökonomischen Klugheit unterweisen: der Unterricht war angenehm und fruchtbar, obgleich die schlechte Metode und der verworrne Vortrag der Lehrer ihn nötigte, alles durch fragen aus ihnen herauszuziehn und deutlich zu machen. Er schaffte die nötige Gerätschaft, Hausrat und andre Bedürfnisse an, baute in seiner neuen wohnung, soviel sich in der Geschwindigkeit tun liess, und machte die häuslichen Einrichtungen mit hülfe der Pfarrfrau, die vor Vergnügen über diese Geschäftigkeit um zehn Jahre jünger wurde. Die beiden Leute taten alles mit einer Heftigkeit, als wenn sie in vierundzwanzig Stunden fertig sein wollten: Herrmann rennte die Treppe hinauf, die Pfarrfrau hernieder, sie stiessen mit Armen und Köpfen zusammen, ohne sich aufhalten zu lassen, eins ordnete hier an, das andre dort, und meistens befahl jedes das Gegenteil von dem, was auf Befehl des andern schon geschehn war. Selten waren sie einerlei Meinung: die Pfarrfrau trotzte auf ihre längere Erfahrung und Herrmann auf seinen grösseren Verstand: sie richtete sich pünktlich nach der hergebrachten Gewohnheit, und er wollte keine andre Regel als Schicklichkeit und Vernunft anerkennen: freilich wollte er der armen Frau mitunter manche ehrliche Grille für Vernunft aufdringen, aber sie liess sich durch die schönsten Scheingründe nicht täuschen. Er verlangte von allen Vorschlägen und Anordnungen das Warum zu wissen, und weil seine Gehülfin immer keinen andern Grund angeben konnte als: "Es muss so sein", so gerieten sie in unendliche Streitigkeiten miteinander: er demonstrierte ihr deutlich und bündig, dass es anders besser wäre, und sie behauptete, ohne seine Gründe zuzugeben oder zu widerlegen, dass es so sein müsste. Beide waren in ihren Meinungen hartnäckig; und so zankten sie sich fast alle Stunden einmal: bei jedem Zanke schwur die Pfarrfrau, nichts wieder zu sagen, keinen Fuss wieder in so ein unordentliches Haus zu setzen, so einen verkehrten eigensinnigen Menschen seiner Blindheit zu überlassen; und kaum war der Schwur über die Lippen, so flog schon eine neue Anordnung zum mund heraus, die Herrmann von neuem missbilligte und worüber sie sich von neuem stritten. Der ernstafteste Bruch entstand über die Stellung der Betten: da das Haus gegen Morgen lag, wollte er das seinige schlechterdings so gesetzt haben, dass ihn die aufgehende Sonne jeden Morgen zur Arbeit weckte, und die Pfarrfrau versicherte ihn, dass es eine ganz unerhörte Unordnung sei, das Haupt des Bettes an die Kammertür zu stellen: er setzte seinen Willen mit Gewalt durch, und die Pfarrfrau beteuerte auf ihr Gewissen, dass sie zeitlebens sich der Sünde nicht teilhaftig machen werde, über die Schwelle eines Hauses zu schreiten, wo die Leute mit den Köpfen an der Kammertür lägen: sie ging mit der Prophezeiung hinaus, dass unter dieses Dach weder Segen noch Gedeihen kommen könne, kam einen ganzen halben Tag nicht hinein, und am folgenden Morgen war sie schon wieder die erste auf dem platz.
Auch fräulein Hedwig wurde vom Fieber der Landwirtschaft angesteckt: sie molk der Pfarrfrau alle Kühe rein aus, wo sich nur eine blicken liess, gab allen lateinische Namen und sprach so viel lateinisch und französisch mit ihnen, dass sie zuletzt vor Gelehrsamkeit keine Milch mehr gaben; und die Pfarrfrau war sehr der Meinung, dass ihre Trockenheit von den fremden Sprachen herrührte, die das arme Vieh nicht gewohnt wäre. Die Sichel zu führen, Futter vorzulegen, Stroh einzustreuen übte sich das hochgelehrte fräulein Tag für