wenn Sie sich an meine Vorgesetzten wenden, müssen Sie ihnen Geld geben, damit sie Ihnen Dispensation geben; und ehe Sie Dispensation kriegen können, müssen Sie Ihren, Ihrer Braut, Ihrer beiderseitigen werten Eltern Namen, Ihren beiderseitigen Geburtsort, Geburtsjahr und Zeugnis von dem Pastore Ihrer beiderseitigen Geburtsörter beibringen, damit man sicher und zuverlässig weiss, dass Sie mit Einwilligung Ihrer beiderseitigen werten Eltern und ohne Schaden und Nachteil eines Dritten sich verlobt und versprochen haben. Wenn Sie die Dispensation erlangt und bezahlt haben, ergeht an mich ein Befehl, und wenn ein Befehl an mich ergangen ist, trau ich Sie, sobald Sie die priesterliche Kopulation und Einsegnung begehren. Herrmann. Das ist ja ein unendlicher Weg zum Ehestande.
Der Pfarr. Anders geht es nicht; und wenn Sie eins von den genannten Erfodernissen nicht gehörig beibringen können, so bekommen Sie keine Dispensation, so darf ich Sie weder dreimal, noch zweimal, noch einmal aufbieten, so werden Sie nicht getraut.
Herrmann. Himmel! so sind die gesetz noch grausamer als die grausamsten Menschen!
Der Pfarr. Ich habe die gesetz nicht gemacht: wer die gesetz gemacht hat, machte sie zum Besten vieler tausend Menschen; und was für viele tausend Menschen gut ist, kann um eines einzigen willen nicht aufgehoben werden.
Herrmann. O zum Besten der Menschen, dass man mit den Zähnen knirschen möchte! Priesterliche Gewinnsucht erfand sie, die Begierde, jede Handlung des menschlichen Lebens zinsbar zu machen: Herrschsucht und Geiz brüteten sie aus, und Aberglauben und Einfalt nahmen sie an.
Der Pfarr. Das kann in der Kirchenhistorie wohl wahr sein: ich bekümmere mich nur um das Gegenwärtige und lasse das Vergangne vergangen sein.
Herrmann. Ich mag Ihre eitele Zeremonie gar nicht: unsre Herzen sind zusammengeknüpft und werden es unzertrennlich bis in den Tod sein: – was vermag die Hand eines Priesters dabei? – Wenn zwei Willen sich vereinigen, dann geht die Ehe an: wenn zwei Willen sich trennen, dann hört sie auf. – Ich Tor! was will ich mich durch einen leeren Gebrauch an meinem Glücke hindern lassen? – Wir sind getraut: es bedarf Ihrer Hand nicht dazu. Hat uns das Unglück nicht genug geängstigt, soll es auch noch ein eitler Gebrauch tun?
Der Pfarr. Ja, in der Welt haben wir Angst. – Sie spielen ja wohl ein Lomberchen?
Herrmann. Ulrike ist von dieser Minute an meine Frau: sie soll bei und mit mir leben, sobald ich eine Bauerhütte gekauft habe, die uns vor Wind und Wetter schützt, und einen Acker, der uns nährt.
Der Pfarr. Sie wollen sich ankaufen? – Bleiben Sie bei uns! werden Sie unser Gerichtsherr! Das Gut wird subhastriert werden. Es war jammerschade um unsern vorigen Herrn, dass er starb: wir werden so leicht keinen wieder bekommen, der so gut Lomber spielte. Ich versichre Sie, er machte Bete oder Kodille, und wenn der andre alle hände voll Trumpf hatte. Es sollte mir eine Herzensfreude sein, wenn Sie unser Gerichtsherr würden.
Herrmann. Nein, so hoch steigen meine Wünsche nicht. Ein Bauer, ein wirklicher leibhafter Bauer will ich werden, ein mittelmässiges Gütchen kaufen, das mich und Ulriken durch unserer hände Arbeit erhält.
Der Pfarr. Sie ein Bauer? – Ein Bauer ist des lieben Gottes Esel, dem er alle Säcke aufladet, die die übrigen Menschen nicht tragen wollen – geplagt vom Morgen bis zum Abend, von der Wiege bis ins Grab: er muss geben für alle, und jedermann will durch seine Arbeit oder seinen Schaden reich werden: verachtet, bevorteilt, immer nur halb gesättigt, muss er sich sein Leben lang quälen, damit es andern Leuten wohlgeht. Hat er sein Äckerchen mit Mühe durchwühlt, gesät, geerntet, verkauft, dann trägt er sein gelöstes Geld zu Steuern und Gaben hin und darbt oder lebt kümmerlich, bis er wieder ernten und geben kann: und noch muss er die Zeit zur Bestellung wegstehlen: da gibt es Spanndienste, Handdienste, Botdienste, Frönen, Hofdienste, Kriegsfuhren, Kammerfuhren und Gott weiss, was weiter: viel geben, viel arbeiten und nichts haben, ist der Lebenslauf eines Bauers.
Herrmann. Unglücklicher Mann! Sind Sie denn bestimmt, meinen liebsten Wünschen zu widersprechen? – Milzsucht und Menschenhass können nur so ein finsteres Bild von dem glückseligsten stand entwerfen, den die Menschheit kennt: aber alle Ihre misantropischen Gemälde sollen mich nicht erschüttern: mein Entschluss bleibt unverrückt.
Der Pfarr. Mir soll es sehr gelegen sein: so bekomme ich mit meinem Herrn Konfrater in der Nachbarschaft den dritten Mann zu einem Lomberchen; und kommt noch ein guter Gerichtsherr dazu, so spielen wir Quadrille, Trisett, Tarock mit dem König, spielen Billard à la guerre, à la ronde oder wie Sie wollen: ich bin bei allem. Bauergüter sind immer zu bekommen: unsre Bauern richten sich immer so ein, dass man ihnen in zwei Jahren nichts mehr nehmen kann als die Haut: es werden zwei oder drei Höfe im dorf zu verkaufen sein. –
Herrmann freute sich ungemein über diese Nachricht und nahm sich vor, gleich den folgenden Tag die verkaufbaren Bauergüter zu besehen und, wo möglich, den Handel auf der Stelle zu schliessen. Die Pfarrfrau, als sie hörte, dass er keine Hochzeit haben wollte, geriet in die äusserste Unruhe: sie stellte ihm viele klägliche Beispiele von solchen selbstgemachten Ehen ohne Trauung und Hochzeitschmaus vor und empfahl aus allen