nun der Teufel nur auch meine Nille herbeiführte! Das Henkersweib würde schwänzen und trippeln, wenn sie die Hochzeitanstalten mitmachen sollte: die würde schnattern und gackern und heulen vor Freuden! Für unsre Ohren ist es ganz gut; aber ich wollt' ihr doch die Freude gönnen, wenn sie nicht etwa mit dem christlichen Leinweber selber Hochzeit gehalten hat. Nille, Nille! wenn ich das erfahre!"
Herrmann stand, ohne zu reden, neben einem Tische, liess die Leute Anstalten machen und dachte bei sich, keine einzige auszuführen; denn er wollte sich ohne alle Feierlichkeiten, wo nicht den nämlichen Tag, doch den folgenden am Bette mit ihr trauen lassen. Die Freude, die die Beratschlagung der Pfarrfrau und des alten Herrmanns belebte, teilte sich endlich auch der Kranken mit: sie vergass ihren Kummer, überwand ihre Scham, öffnete von Zeit zu Zeit die Vorhänge, um nach ihrem Herrmann hinzuschielen, und liess sie hurtig wieder zufallen: sie konnte sich nicht bezwingen: nach langem Kampfe mit sich selbst, da die unendlichen Hochzeitsgespräche die Liebe wieder in ihr aufweckten und die Freude sie dreist machte, steckte sie den Kopf durch die geöffneten Vorhänge und rief leise mit bebender stimme: "Heinrich!"
Der laut hatte kaum sein Ohr berührt, so eilte er zu ihr hin, kniete vor dem Bette nieder und drückte ihre Hand feurig an seine Lippen: die Freude hemmte beiden die Zunge.
Ulrike. Kömmst du so zeitig, um auf meinem grab zu weinen?
Herrmann. Nein, Ulrike, um dich aus dem grab zu reissen! Schmücke dich mit Freude wie eine Braut! du bist es! du bist es!
Ulrike. O Heinrich! das Ende des Mais, wenn die Frühlingsblumen sterben! da wird dir der Tod eine pflücken –
Herrmann. Keine solche finstern Gedanken! Unser bisheriges Leben war Tod, solange uns das Unglück trennte: aber jetzt, jetzt beginnt es neu, frisch und duftend wie ein junger Morgen.
Ulrike. Ich kann mich des traurigen Gedankens nicht erwehren, dass ich sterben werde. Heinrich, ich sterbe gewiss: alles, was ich nur anblicke, was ich nur höre und empfinde, alle meine Sinne rufen mir zu: du stirbst!
Herrmann. Phantomen des Kummers und einer entflammten Einbildung! Sind nicht Tausende Mutter geworden, ohne dass sie starben? Warum sollte der Tod nur dich auszeichnen?
Ulrike. Aber keine stritt mit so langem Kummer, mit Reue, Schande und Mangel. Meine Lebenskräfte sind ausgezehrt, mein Atem nur noch ein schwacher Hauch: siehst du diese abgefallnen hände, ein Knochengerippe mit Haut überzogen? und du zweifelst noch, ob ich sterben werde? – Ich bin gefasst darauf: mein glimmender Lebensfunke wird ein neues Leben anzünden und erlöschen. Das Bild des Todes ist nicht aus meinem Gehirne gewichen, solang ich hier wohne: immer steht das schreckliche Gerippe mit ausgeholter Sense vor mir, dass ich oft den Hals ängstlich drehe und wende und jeden Augenblick denke: jetzt wird er dich wegmähen wie eine Grasblume! Dort im Winkel sehe ich seit drei Tagen, da ich vor Schwäche nicht das Bett verlassen kann, meinen Sarg stehen – gerade wie der Sarg der Sechswöchnerin, die man vorige Woche begrub –, braun mit silbernen Leisten! Wenn das Tuch zum Essen auf den Tisch gebreitet wird, scheint es mir ein Leichentuch: ich höre laut und feierlich mein Sterbelied singen, und jedesmal, wenn die Kinder vor der Tür bei ihren Spielen ein Begräbnis aufführen, tönt mir ihr Gesang so ernst, so melancholisch! – ich glaube alsdann schon im Sarge zu liegen, die schwarzen Träger treten herein, um mich aufzuladen: tragt mich fort! sprech ich weinend: nur sagt meinem Heinrich, wo ihr mich hinlegt! – O warum kamst du, mich in meinen Todesgedanken zu stören?
Herrmann. Nicht bloss stören, verscheuchen will ich sie! – Betrachte dich als eine Auferstandne, von der Liebe aus dem Todesschlafe des Kummers erweckt! Diese Hand, deren Druck die deinige erwärmt, bietet dir ein kleines Glück, das freilich ein zufriednes Herz fodert, um ein Glück zu heissen! aber Ulrike, Liebe und Mässigkeit sollen uns jeden Groschen verdoppeln, Freude den sparsamen Bissen würzen und Zufriedenheit unsern Acker zum Königreiche machen. Wir werden durch den Trauring vereinigt, sobald es deine Schwäche zulässt: ich kaufe ein kleines Bauergut; und Ulrike, hat uns dann nicht der Himmel einen Wunsch gewährt, den wir in jener Nacht der Liebe taten?
Ulrike. Die Wonne ist zu gross, als dass ich sie glauben sollte: meine Brust ist zu enge für sie. – Aber gewiss, Heinrich! ich werde sie nicht erleben, werde vielleicht den ersten Morgenschimmer dieses Glücks sehen und sterben.
Herrmann. neu verjüngt leben, willst du sagen! Wir wollen ganz werden, wozu die natur den Menschen bestimmte – den Acker bauen und uns lieben! Bedenke, welche herrliche Auftritte auf uns warten! Auftritte, so schön du sie dir nie in deinem Arkadien auf dem schloss deines Onkels dachtest!
Ulrike. Die Freude wird mich töten, so gewaltig ergreift sie mein Herz bei deiner Beschreibung. Du bist mir wie ein Bote des Lebens, der einem Gefangnen auf Tod den finstern Kerker öffnet: wie eine Sonne hast du alle Bilder in meinem düstern Gehirn erleuchtet: – Ach! wenn dies nur ein glänzender Traum wäre, den der Tod hinwegraffte!
Herrmann. Nennst du einen Traum, was man