Ode, bald ein Stück aus dem Virgil oder Horaz in einem unaufhaltsamen Flusse vor, stürzte mit seinen fechtermässigen Gebärden ein paar Gläser zu Boden und wurde nicht gewahr, dass er sich selbst predigte, bis ein Fremder zur Tür hereintrat. "Setzen Sie sich! Setzen Sie sich!" rief ihm der Deklamator entgegen: es war ein guter, ehrlicher Wollhändler, der sich etwas langsam bewegte, und da er nicht gleich gehorsamte, wurde er mit gewaffneter Faust niedergestossen. "Sind das Zeitungen?" fragte der Wollhändler phlegmatisch. – "Ja, mein lieber Freund", antwortete der quecksilberichte Poet lachend, "Zeitungen aus dem Parnass! Ihm zu Gefallen will ich wieder von vorn anfangen." – Der Wollhändler horchte einige Zeit zu, allein da ewig nichts von Spaniern, Franzosen oder Engländern kommen wollte, zog er gähnend sein Taschenbuch hervor und rechnete seine Bestellungen und Wechsel durch. Der begeisterte Dichter ward über seine Verachtung grimmig, riss ihm mitten im Lesen das Taschenbuch weg und warf es unter den Tisch, dass die Zettelchen wie Schneeflocken herumflogen. Der erstaunte Wollhändler wusste lange nicht, wie ihm geschah: endlich, da jener ungestört fortlas, fasste er ihn bei der Krause, schüttelte ihn und sprach, die drohende Peitsche in der Hand: "Den Augenblick les Er mir meine Zettel auf, oder der Teufel soll ihm das Licht halten."
Der Deklamator. Herr, hab Er Respekt vor den Musen und ihren Schwestern, den Grazien!
Der Wollhändler. Was geht mich alles das Lumpengesindel an? Weiss Er wohl, dass Er hier viele tausend Taler unter den Tisch geworfen hat, die Er zeitlebens nicht bezahlen kann?
Der Deklamator. Er ist ein roher Mann. Straf mich Gott! Er glaubt wohl gar, dass seine Zettel mehr wert sind als meine Ode.
Der Wollhändler. Das denke ich! Für Seine purpurroten und hochgetürmten Quodlibets geb ich Ihm nicht einen Quark: aber mein Taschenbuch ist viele tausend Taler wert. Den Augenblick les Er auf!
Der Deklamator. Ich pariere hundert Dukaten, Er weiss nicht, wen Er vor sich hat. Ich bin der grosse Solstizius. Untertäniger Diener.
Der Wollhändler. Blitz! das ist ja wohl der Stizius, der mich nun sechs Messen her nicht bezahlt hat. Gut, dass ich dich habe! He da! –
Der Wollhändler rennte ihm nach, aber der grosse Solstizius war entwischt, und er musste sich bequemen, seine papiernen Reichtümer selbst aufzulesen. Hinterdrein erfuhr er, dass dieser Mann nicht der Tuchmacher Stizius, sein übler Bezahler, sondern nur ein egoistischer Windbeutel sei; und Herrmann wurde von einem artigen, bescheidnen mann gewarnt, sich nicht mit dem Aufschneider einzulassen. "Wenn Sie Rat oder Unterstützung brauchen", sagte er, "so wenden Sie sich an ** und **; diese Männer dienen gern, soviel sie vermögen, und tun ohne Prahlerei alles, dessen sich dieser Windbeutel berühmt." – Herrmann nahm den Rat um so freudiger an, da er schon bei dem ersten Anblicke das nämliche Urteil über den Mann bei sich gefällt hatte, und trank eben das letzte Glas von seinem Weine, als sich ein anständig gekleideter Mann in seine Bekanntschaft einführte, ihn nach einigen Wendungen des Gesprächs um seine Freundschaft ersuchte und morgen zu Mittag zu sich zu Tische bat. Herrmann nahm die Partie an.
Die Gesellschaft bestund aus sechs Personen, und der Wirt führte das Wort – ein Mann von einer unendlichen, aber verworrenen Einbildungskraft und einem unpolierten Witze, der in einem Atem von Grönland nach Ostindien, vom Grosssultan auf den Bullenbeisser Sultan, vom Coeurbuben zu dem Mann im mond hinübersprang; die übrigen assen und schwiegen und bezahlten ihm die Mahlzeit mit unaufhörlichem bewunderndem lachen über seine phantastisch-witzigen Seiltänzersprünge. Nach Tische hatte oder gab jedermann Langeweile vor, und der Wirt trug auf ein Spielchen an: Herrmann wollte sein kleines Vermögen nicht daran wagen und machte sich unter dem Vorwande los, dass er kein Spiel verstünde; man liess ihm seine Freiheit, ohne ihm mit einem einzigen Worte zuzureden. Als der Spieltisch schon zur Quadrille in Bereitschaft war, fing einer nach dem andern an, Quadrille langweilig zu finden und den lebhaftesten Widerwillen dagegen zu bezeugen. "So wollen wir eine kleine Bank machen", schlug der Wirt vor: die meisten schrien Ja und lobten ihn über einen Einfall, auf welchen sie nie verfallen wären, und der übrige teil willigte halb gezwungen aus blosser Höflichkeit darein. Einer erzählte, dass er nun in einem halben Jahre nicht Pharao gespielt habe; der andre musste erst überrechnen, wie lange er nicht dabei gewesen war; ein dritter brachte zwei Jahre heraus, dass er keine Karten in einem Hasardspiele angerührt hatte; und der vierte musste sich erst besinnen, wie man es spielte. Der Wirt wurde Bankier, und Herrmann ebenso eingeladen wie vorhin, als wenn es gar nicht auf ihn abgesehn wäre: er bat, dass man ihm erlaubte, voritzt ein wenig zuzusehn, und es wurde ohne alle Schwierigkeit in sein Belieben gestellt. Man spielte äusserst niedrig: der Bankier verlor fast jedes Blatt, das er umschlug. Herrmann, als er so gewinnen sah, bekam keine kleine Lust, mit zu gewinnen; und da der höchste Satz nur zwei Groschen sein sollte und also die Gefahr so sehr klein war, so konnte er unmöglich der Versuchung widerstehen, sein Glück auf die probe zu stellen. Sobald er Anstalt machte zu setzen, wollte man aufhören,