so aufrichtig handelt?
Herr von Troppau. Sie entzücken mich, Vignali. Ich bekenne, ich bin Ihnen unendliche Verbindlichkeiten schuldig.
Vignali. Sie beschämen mich mit so einem stolzen Worte. Ich bin nicht so eitel, dass ich Ihnen meine kleinen Verdienste herzählte, um Ihnen ein Kompliment abzulocken: ich wollte Sie nur überzeugen, wie ungerecht Ihre Zweifel wider meine Aufrichtigkeit sind. – Aber wozu denn so weit hergeholte Beweise? ich kann Sie ja auf der Stelle überführen, dass ich aufrichtig gegen Sie handle. Wenn Sie die Baronesse lieben und durch ihren Besitz glücklich zu werden hoffen, so erbiete ich mich zur Brautwerberin. Da Sie die Güte gehabt haben, so viele Gefälligkeiten von mir anzunehmen, so werden Sie doch nicht so grausam gegen mich sein und einer andern das Vergnügen gönnen, Ihnen eine liebenswürdige Gemahlin verschafft zu haben? – Sagen Sie mir nur, ob Sie die Baronesse lieben oder lieben können! Für das übrige lassen Sie mich sorgen!
Herr von Troppau. Sie bezaubern mich, Vignali. Ich habe unendlich viel Gutes von Ihnen geglaubt: aber eine solche Uneigennützigkeit traut ich Ihnen nicht zu.
Vignali. Da sehe ich keine Uneigennützigkeit! Ich glaube wahrhaftig, dass Sie mir noch obendrein ein Verdienst daraus machen: wie man doch so leicht zu einem Verdienste kommen kann, wenn man mit guten Leuten zu tun hat!
Herr von Troppau. Und Sie müssen mehr als gut sein, dass Sie sich so etwas für kein Verdienst anrechnen wollen. Einer so edlen Uneigennützigkeit waren nur Sie unter Ihrem ganzen Geschlechte fähig: aber Sie können auch meiner immerwährenden Erkenntlichkeit versichert sein: selbst wenn ich einen solchen Schritt tun sollte, wozu Sie mir raten –
Vignali. Behält die ehrliche Vignali immer noch die eine Hälfte Ihres Herzens! – Haben Sie der Baronesse schon Ihre Absicht entdeckt?
Herr von Troppau. Was reden Sie denn schon von Absicht? – Ich weiss ja noch nicht, ob sie mich lieben kann.
Vignali. Das sollen Sie durch mich erfahren. Sie haben Ihre Tochter schon längst aus der erbärmlichen Zucht der Frau von Dirzau wegnehmen wollen: ich will ihr ein Zimmer in meinem haus einräumen. Alsdann hab ich die schönste gelegenheit, die Baronesse auszuforschen: Sie soll nicht eher etwas von unsern Absichten erfahren, als bis es Zeit ist, nicht einmal, dass jemand ausser mir ihren Stand weiss. Wie gefällt Ihnen der Plan?
Herr von Troppau. Sehr wohl: nur wird es schwer halten, meine Schwester zu bewegen, dass sie meine Tochter von sich lässt.
Vignali. Das will ich besorgen, wenn ich nur Ihr Wort habe.
Herr von Troppau. Das geb ich Ihnen sehr gern: allein ich sage Ihnen zum voraus, ich mische mich nicht darein, wenn es Uneinigkeit gibt. Ich bekümmere mich um solche Dinge nicht: meine Erlaubnis haben Sie: nun sehen Sie, wie Sie das Mädchen von meiner Schwester herauskriegen.
Vignali. Das soll mir wenig kosten. Sie können ja indessen dem Grafen Ohlau melden –
Herr von Troppau. Ich war eben damit beschäftigt. Aber woher in aller Welt wissen Sie, dass er an mich geschrieben hat?
Vignali. Einfall! Scherz! Weiter war es nichts. Weil mir die Baronesse ihre geschichte anvertraut hat und täglich fürchtet, dass ein Brief von ihrem Onkel an Sie kommen wird, um sie zurückzufodern, so fiel mir gerade, als ich zum Zimmer hereintrat und Sie schreiben sah, der Graf Ohlau ein: ich wunderte mich selbst, wie mir der Mann so plötzlich in die Gedanken kam. Der Graf Ohlau führte seine Schwestertochter herbei, und seine Schwestertochter brachte uns auf Ihre Liebe und Ihre Heirat. Wie sich doch ein Gespräch so wunderlich drehen kann! Das hätt ich mir nur fürwahr nicht eingebildet, dass ich heute noch ihre Brautwerberin werden sollte. – Will sie der Graf Ohlau wiederhaben?
Herr von Troppau. Allerdings. Er bittet mich, den jungen Menschen in Verhaft nehmen zu lassen und seine Schwestertochter in Verwahrung zu bringen, bis er jemanden schickt, der sie abholt. – Hier ist sein Brief.
Vignali. Ich will ihn zu mir stecken und zu haus lesen: jetzt ist mir Ihre Unterhaltung lieber.
Herr von Troppau. Aber, Vignali, dass ihn niemand sieht! Das Mädchen könnte etwas erfahren –
Vignali. Sie werden doch keine solche Sorglosigkeit bei mir vermuten? – Sonach ist mir doch der Graf Ohlau recht zu gelegner Zeit durch den Kopf gefahren: denn ich kann Sie in den Stand setzen, ihm eine fröhliche Nachricht zu geben. Ich hab Ihnen ja, glaube ich, schon gesagt, dass es mit der Liebe des jungen Menschen aus ist? Er hat mit ihr gebrochen, auf ewig gebrochen.
Herr von Troppau. Das ist also der junge Mensch, der bei Ihnen wohnt?
Vignali. Freilich wohl, das gute Vieh!
Herr von Troppau. Er schien mir aber nicht dumm.
Vignali. Ach, er wird's täglich mehr. Ich nahm ihn aus Freundschaft für die Baronesse ins Haus; und in wenigen Wochen war er ihr schon zuwider. Es ist eine kindische leidenschaft bei dem Mädchen gewesen: jetzt, da sie zu verstand kommt, sieht sie ein, dass es ein hübsches Schaf ist.
Herr von Troppau. Kann ich's also für gewiss schreiben, dass ihre Liebe zerrissen ist?
Vignali. Für unzweifelhaft gewiss! – Sie werden ihm wohl die Wahl freistellen, wenn er das Mädchen abholen lassen will