genommen habe, liebt die Gouvernante bei der fräulein Troppau und mit einer Zärtlichkeit und Heftigkeit, dass man sich zu tod lachen muss. Ich habe alle Briefe gelesen, die sie einander täglich schreiben: ehe sie abgegeben werden, muss mir sie der Bursche zeigen, der den Liebhaber bedient; auch da seine Mutter noch ihre geheime Botschafterin war, sind sie schon in meine hände gekommen: ich habe mir noch gestern eine Migräne über das tolle Zeug gelacht. Das möchte hingehn: aber die Sache wird für uns ernstaft. Das Mädchen ist äusserst stolz und bildet sich viel auf ihre sogenannte Tugend ein: ich habe sie zwar ins Haus gebracht, weil ich mir etwas anders in ihr versprach, aber sie wurde mir gleich drei Tage nach unsrer angefangenen Bekanntschaft unleidlich; und ich habe deswegen ihr Emporkommen beständig zu hintertreiben gesucht. Der Herr von Troppau war wirklich in sie verliebt, und hätte ich nichts getan, so wäre sie schon längst auf den nämlichen Fuss gesetzt worden wie wir alle; und sähe sie sich einmal auf einer solchen Höhe, dann wäre es um uns geschehen: wir würden zurückgesetzt und endlich gar verabschiedet. dafür sind wir bisher durch meine Klugheit gesichert worden und werden auch künftig dafür gesichert werden: aber es droht eine andre Gefahr. Ihre närrische Grille von Tugend und Ehre hat dem Herrn von Troppau einige wunderliche Ideen in den Kopf gebracht: er schwatzte mir gestern nach Tische so viel albernes Zeug von der Tugend eines Mädchens daher und besonders so viel von der Tugend und Ehrbarkeit dieses Affen, wie sehr die weibliche Tugend allen noch so glänzenden Schönheiten vorzuziehen sei, dass man doch am Ende ihr Bewunderer werden müsse, auch wenn man sich den Vergnügungen noch sosehr ergäbe, und was dergleichen armselige Lappereien weiter wären: der Himmel weiss, in welchem einfältigen Romane er einmal das tugendhafte Geschnacke aufgelesen haben mag; denn da kriegt er mannigmal solche Paroxysmen von Weisheit. Ich musste alle Mühe anwenden, um ihn aus seinem Weisheitsfieber herauszureissen: da ich ihn nur einmal soweit gebracht hatte, dass er bei mir blieb, alsdann verging ihm wohl die Weisheit. Wisst ihr, was ich befürchte? – Wenn er erfährt, dass das Mädchen von seinem stand ist, so sind wir nicht einen Augenblick sicher, dass er nicht die Torheit begeht und sie heiratet; denn er ist wirklich in sie verliebt, sehr verliebt: was er gestern von ihr sprach, war mehr als Bewunderung: es entschlüpfte ihm sogar der Wunsch, dass sie von seinem stand sein möchte, und er erschrack, da er sich besann, dass er sich so sehr verraten hatte. Seine gottselige Schwester treibt ohnehin beständig an ihm, dass er sich wieder verheiraten soll; weiss sie erst, dass das Mädchen eine Baronesse ist, dann ruht sie nicht, bis sie seine Frau wird, sobald sie nur merkt, dass er sie liebt. Was alsdann aus uns allen würde, könnt ihr leicht raten, die verachteten, zurückgesetzten Nachtreterinnen einer stolzen Ehefrau!
Wie sie jetzt schon von uns denkt, und wie sie uns also in einem solchen Falle unfehlbar begegnen würde, das könnt ihr leicht aus zwei Umständen abnehmen. Neulich, als der Herr von Troppau eine kleine Schäkerei mit ihr vornahm, wurde sie so empfindlich darüber, dass sie mir ins Gesicht sagte: sie möchte nicht des Herrn von Troppau Hure sein: – und zwar mit einem so verächtlichen Seitenblicke nach mir, dass sich meine ganzen Eingeweide erschütterten. Ich unterdrückte damals meinen Zorn, aber von dieser Minute an war Rache über sie beschlossen. Glaubt das eingebildete Mädchen, dass sie die einzige Tugend auf der Welt ist? Haben wir nicht sowohl Tugend und Ehre als sie? Ist es nicht die tollste Frechheit, uns einen so erniedrigenden Namen zu geben? Ist das nicht die schmerzendste Beleidigung, die allein schon Rache, die empfindlichste Rache foderte?
Aber das ist noch nicht genug. In ihren letzten Briefen an ihren Liebhaber spricht sie so schlecht von mir, dass ich alle meine Fassung zusammennehmen musste, um meinen Unwillen nicht gegen den jungen Menschen zu verraten. Sie malt mich als eine schlaue, stolze, boshafte Frau ab, und auch ihr Liebhaber macht keine bessere Schilderung von mir: sie sind beide darinne einig, dass sie mir nicht trauen wollen. Das Misstrauen ärgert mich, dass ich rasen möchte: aber ihr Elenden! ihr sollt mir trauen und durch euer Vertrauen eure eignen Verderber werden: dafür steh ich. Ich will mein Haupt nicht ruhig niederlegen, bis ich die Würmer zerdrückt habe.
Jetzt kennt ihr die Gefahr, die uns alle bedroht, meine Freundinnen, und die Beleidigung, die mir und uns allen widerfahren ist: vernehmt nunmehr auch meine Rache! Das Mädchen muss gedemütigt werden: das einzige, worauf sie stolz tut, weswegen sie uns verachtet, uns solche kränkende Namen gibt, muss sie verlieren: ich beruhige mich nicht, solange sie nicht soweit gebracht ist. Ich habe schon den alten Gecken, den Lord Leadwort, der auch in die Närrin verliebt ist, an sie abgeschickt: er musste ihr einen sehr anständigen Kontrakt anbieten, aber sie schlug ihn aus: ich bered'te ihn, dass er sie heiraten sollte, und das ehrliche Vieh verstund sich auch dazu. Ich tat ihr in seinem Namen den Antrag: auch diesen wies sie mit der frechsten Naseweisheit von sich. Ich dachte gewiss, sie würde mit auf diese Art ins Garn laufen: sagte sie damals ja, dann