meinem herz hängen, im Leben und im grab, solange mein Gebein zusammenhält: mein Herz soll ein ewiges Trauerhaus sein, still, öde, traurig wie das Haus eines Witwers, der nie wieder zu lieben versprach; und dies soll auch mein Gelübde sein, mein feierlich zugesagtes Gelübde. Glaube mir, dass ich's halten werde! Ein Herz, wo Du wohntest, ist für jede andre eine zu kostbare wohnung: an den Ort, den Dein Bild heiligte, ein andres setzen, wäre Abgötterei. In jedem Jahre soll der Tag, wo meine Liebe starb, ein Tag der Trauer sein: Zähren will ich ihr opfern, wenn ich ihn beginne, Zähren, wenn er sich schliesst: keine Speise soll meine Lippen berühren, solange die Sonne den Horizont erleuchtet, kein Trank meine Zunge benetzen: in Flor und schwarzer Kleidung will ich den ganzen langen Tag feiern wie einer, dem man seine Liebe begrub; und fragt mich jemand: um wen trauerst du, Freund? dann antwort' ich ihm: um mich! – Wäre ich in einer Religion geboren, die dem Bedrängten eine Zuflucht in einsamen Mauern darbietet, so legte ich den nämlichen Tag, wo Deine Wahl wider mich entscheidet, einen Ordenshabit an: doch ich bedarf solcher gewaltsamen Mittel nicht, um mir mein Gelübde zu erleichtern: es wird mir leicht sein, so leicht wie eine Sache, die gar nicht anders geschehn kann. Ein zweites Gelübde, das ich zur Erleichterung Deiner Schmerzen tue, ist das Versprechen, sogleich Deutschland zu verlassen und weder dahin noch in Engelland jemals einen Fuss zu setzen: welches Land mich auch nähren mag, so soll es doch nie eins sein, wo Du bist.
So überlege dann, erwäge und wähle! Frage nicht, ob es mich, ob es Dich schmerzt: was wäre Trennung, wenn sie nicht schmerzte? – Vergiss mich ganz und denke nur an Dich!
Ich opfre Dir meine Glückseligkeit mit schwerem, aber willigem Entschlusse: so wahr eine Seele in mir denkt und empfindet, so wahr fühle und sage ich Dir, dass ich mit ebenso williger Entschliessung noch heute meinen Kopf auf den Block legen wollte, wenn ich Dir durch meinen Tod alle Schmerzen unsrer Trennung ersparen könnte!
Lebe wohl. Wie Vignali mir sagt, werden wir uns nur selten bei ihr sehen können: sie darf Dich nicht oft mehr zu sich bitten, weil es der Herr von Troppau untersagt haben soll: warum, entdeckte sie mir nicht. Glaube mir! die Frau ist tückisch: sie hat etwas im kopf wider uns, darauf wollte ich schwören; und wenn sie nicht allwissend ist, so muss sie unsre Briefe lesen; denn sie hat mir gestern Dinge gesagt, die nur in unsern Seelen und in unsern Briefen stehen. Ich argwohne sehr, sie weiss unsre ganze Liebe schon. So schön sie ist, so schlau scheint sie mir: ich trau ihr nicht.
H.
Vignali nötigte ihn, nach Tische mit ihr spazieren zu fahren, und er empfing deswegen erst gegen Abend Ulrikens Antwort, ungefähr eine Viertelstunde nach seiner Zurückkunft. Heinrich! Heinrich! bist Du toll, dass Du mir so einen Brief schreiben kannst? Denkst Du, dass ich um Geld liebe? oder dass ich mit meinem herz hausieren gehe und es den Meistbietenden zuschlage? – Du Undankbarer! so einen schlechten, verächtlichen Begriff hast Du also von mir, dass Du glaubst, es komme mir nicht darauf an, wen ich liebe, sondern wieviel er mir Glück oder Unglück einbringt? Durch so viele Widerwärtigkeiten, die ich seit meinen frühesten Jahren um Deinetwillen litt, mit freudiger Standhaftigkeit litt, hab mir eine edlere denkart zutraust? Ist jemals eine Handvoll Schmerz und Gefahr in meinen Augen ein Punkt gewesen, den ich eines Blicks würdigte? Hab ich nur eine Minute mich bedacht, Ehre und Leben zu wagen, wenn sie Dich mir versicherten, wenn sie unsre Liebe in Sicherheit setzten? Und nun trittst Du, kalter Vernünftler, noch hin und rätst mir, für gehabte Bemühung zweitausend Pfund Sterlinge anzunehmen, aus Furcht, Du möchtest vielleicht gar mein Schuldner bleiben müssen! Hab ich denn noch jemals eine Bezahlung, eine Vergeltung von Dir gefodert? – Es falle Unglück wie Hagel auf uns herab! was ist das mehr oder weniger? Wenn es unsre Liebe daniederhagelt, dann macht es uns unglücklich: aber das tu es! ich spotte seiner.
Todsünde war es schon, dass Du Dir nur einbilden konntest, mich durch so einen abgeschmackt vernünftigen Brief zu einem Entschlusse zu bewegen, den ich nicht denken kann, ohne dass mir dafür ekelt: ich will auch die Minute den abscheulichen Brief verbrennen, damit Dich die Leute nicht ins Gesicht schimpfen, wenn ihn jemand bei mir fände. – Hier flammt er im Ofen, der beleidigten Liebe geopfert! Wie ein böser Geist fährt sein Dampf durch die krachende Blechröhre und lässt einen scheusslichen Gestank zurück. Wenn Du wieder so einen schreibst, lass ich ihn auf öffentlichem Markte verbrennen.
Ich armes Mädchen denke, was für ein rührendes Dankschreiben ich erhalten werde, dass ich der Vignali und dem Lord so gescheit geantwortet habe, und da ich's öffne – ist es eine elende schlechtgeschriebne erbärmliche Busspredigt, als wenn Du einem schlechten Kandidaten das Konzept von seiner ersten Predigt gestohlen hättest. Zeitlebens habe ich mich nicht so entsetzlich erzürnt, als wie mir da die Galle überlief: ich glühte wie mein Ofen, ich schluchzte