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, aber nicht Ihnen." – Sogleich fiel er wieder in seinen kalten Ton zurück. "Ich habe eine Abneigung gegen die Ehe", fuhr er fort, "wenn Sie meine Freundin werden wollen, so versprech ich Ihnen" (hier zog er ein Blatt Papier aus der tasche und las) "jährlich vierhundert Pfund für Ihre kleinen Ausgaben, freie Equipage, Bedienung, wohnung und Tafel, alles, wie Sie es nach Ihrem Gefallen einrichten wollen, auf meine Rechnung. Trennt uns der Tod oder nötigt mich eine unvermeidliche Ursache, nach England zurückzukehren, so bestimme ich Ihnen auf Ihre ganze Lebenszeit tausend Pfund Interessen, wovon Ihnen das Kapital nach meinem tod sogleich ausgezahlt werden soll. Die Verschreibung desselben soll gerichtlich bestätigt und bei den hiesigen Gerichten niedergelegt werden. – Was sagen Sie dazu?"

Ich. Mylord, ich sage, dass Ihr Anerbieten sehr grossmütig ist, und beklage um soviel mehr, dass ich keinen Gebrauch davon machen kann.

Er. Das tut mir leid. – Aber warum nicht?

Ich. Weil ich in keine Verbindung von dieser Art jemals willigen werde.

Er. Wollen Sie lieber geheiratet sein?

Ich. Auch das nicht!

Er. Wozu sind Sie denn also auf der Welt? – Haben Sie schon eine andre Liebe? –

Die Frage kam mir so hurtig auf den Hals, dass ich erschrak und in der Verlegenheit mit einem gestammelten "Vielleicht!" antwortete.

Er. Das ist ein ander Ding. Wenn Sie schon in einer andern Verbindung sind, darf ich keinen Anspruch mehr auf Sie machen: hätten Sie mir das gleich gesagt!

"Nein, Mylord!" rief ich etwas entrüstet. "Sie irren sich sehr: ich bin in keiner Verbindung, wie Sie meinen, und werde auch nie in eine treten."

Er. Warum nicht?

Ich. Weil ich sie meiner nicht würdig achte.

Er. Gut! so wollen wir achtundert Pfund zu kleinen Ausgaben setzen, wenn Ihnen vierhundert nicht genug sind.

Ich. Und wenn Sie zweitausend setzten, bewegten Sie mich nicht dazu. geben Sie sich keine Mühe!

Er. Ich bedaure. – Aber warum nicht?

Ich. Wie ich Ihnen schon gesagt habeweil ich mich zu gut dünke, um die Mätresse eines reichen Lords zu werden.

Er. Ein reicher ist ja doch besser als ein armer. – Warum denn nicht bei einem reichen?

Ich. Bei gar keinem! sag ich Ihnen.

Er. sonderbar! – Aber warum nicht?

"Weil ich nicht will!" antwortete ich, höchst unwillig über sein ewiges fragen.

Er. Warum wollen Sie denn nicht? –

Ich schwieg: er wiederholte unermüdlich sein Warum. -"Ich weiss nicht", sprach ich endlich mit der äussersten Verdriesslichkeit. Wir sassen beide stillschweigend da: es öffnete plötzlich jemand die Tür: der Herr von Troppau, gestiefelt und gespornt, trat herein. – "Was, Teufel, machen Sie hier, Mylord?" rief er lachend. – "Ich habe bei der Mamsell geschlafen", antwortete der eiskalte Lord. – "Bravo!" schrie der Herr von Troppau und wollte sich ausschütten vor lachen. "Bravo, mein Puppchen! Fangen Sie nun an, zu werden?" –

Ich hätte dem hölzernen Lord in die Augen springen mögen: ich musste einige Zeit den übeln Spass des Herrn von Troppau ausstehen, aber endlich riss mir die Geduld. "Mylord", sprach ich hastig, "so erzählen Sie doch die ganze Begebenheit, wie sie ist, damit Sie mich nicht in einen unangenehmen Verdacht bringen!" – "Sehr gern!" sagte der Lord und wandte sich zum Herrn von Troppau. "Ich habe in aller Ehrbarkeit bei der Mamsell geschlafen" – und nun erzählte er ihm den ganzen Vorfall mit allen Umständen der Reihe nach. Als er sein getanes Anerbieten wieder von seinem Blatte abgelesen hatte, fuhr der Herr von Troppau auf mich hinein: "Und Sie nehmen das nicht an?" fragte er verwundert. "Sind Sie toll? Glauben Sie, dass solche Anträge alle Tage kommen? Mylord, lassen Sie Ihr Blatt hier, damit sie's besser überlegen kann." – Der Lord steckte das Blatt hinter meinen Spiegel: ich wollte es verhindern, aber der Herr von Troppau liess mich nicht zum Worte kommen. Er sagte, dass ihn seine Schwester habe rufen lassen, um bei ihr nachzusehn, was für eine Mannsperson heute bei mir übernachtet hätte, dass sie über mich geseufzt und auf mich geschmäht habe. – Mir stiegen die Tränen in die Augen. – "O Mylord!" sagte ich weinerlich, "Sie haben mich in einen Verdacht gebracht, von dem Sie mich mit Ihrem ganzen Vermögen nicht loskaufen können." – "Beruhigen Sie sich!" sprach er mit viel Guterzigkeit, "ich will der Dame gleich selbst sagen, warum ich bei Ihnen geschlafen habe." Er wollte gehen, aber es kam ein Bedienter des Herrn von Troppau und sagte ihm etwas ins Ohr. – "Mylord", fing er lachend an, "Ihre Bedienten laufen mit Stiefeln und Schuhen in der ganzen Stadt herum und suchen Sie." – "Me voilà!" sprach er äusserst gelassen und gab Befehl, dass sein Bedienter mit den Stiefeln heraufkommen sollte. Als er kam, war Mylord doch so höflich, dass er vor die Tür ging und sie