der christliche leinwäber so fil das mein gotloser man das kalde fiber krigte das schittelte ihn das ich nicht andersch tachte als er wirte in seinen sinten dahinfaren libes Kint s hat in geschitelt wohl ellenhoch unt in der Hitze hing im di Zunge armsticke zum halse heraus und er hat ausgestanten wie ein Fich (Vieh) ach da lernte er gar balt den liben Heilant erkennen und hat sich bekert und ist widergeboren man sit seinen spektakel an ihn weil er fon dem garstigen fiber noch so elent aussicht libes Kint, sick tich for unt tue buse, s sind gar ser schwäre zeiten. Der kristliche Leinweber bätt alle Dage for dich das der libe heilant auch balt iber dich kommen mege, der her Hofmeister Schwinger hat uns gar ser ankst gemacht als wen tu werst verfallen in sintliche liste und fleischeslust unt das er nicht sagen tirfte wo tu werst, las tich ja nicht fom satan blenden das tu dich verlibst unt lose Streiche machst wir werten uns wohl in tisem leben nicht witer sehen bis wir alle heimgegangen (gestorben) sint Deine getreie Mutter bis in den Dod
A.M.P. Herrmannin.
Aeben erfaren wir das tu in Perlin bist, ta war es nicht anters als wen mir gemand eine rechte derbe Maulschelle gebe ta ich das las ins Herrn Hofmeister Schwingers Brife ach tu liber son da habe ich mich recht gekrämt das tu an einen so garstigen Orte bist. ter kristliche Leinwäber hat mich noch getrest er sagte s weren ser fil Widergeborne unt fromme Brider dort di tich zu dem liben Heilante bekeren wirten, das wünschen wir tir von Herzen Amen.' Endlich zeigte sich auch ein Briefchen vom Vater, so zitternd und unleserlich geschrieben, dass man jedem zug das Fieber ansah.
B** den 26. Novemb.
Heinrich!
Mein kaltes Fieber und meine Nille haben mich so lange geplagt, bis ich ein Herrenhuter geworden bin: aber ich werde es wohl nicht lange treiben. Des Kopfhängens und Pimpelns und Seufzens bin ich nachgenicht, wie ich will: wenn mir nur einmal so ein kleines "Hol mich der Teufel!" über die Zunge fährt, so schrein sie gleich alle auf mich zu, als wenn das Haus brännte. Es ist ein rechtes Hundeleben, wenn man nicht reden darf, wie einem der Schnabel gewachsen ist: aber ich muss freilich ein übriges tun und mir das Maul verbinden lassen, sonst jagt mich der Leinweber zum Tempel hinaus: alsdann kann ich mich in den Schnee legen und an den Fingern saugen, wenn mich hungert. Solang es noch Winter bleibt, sehe ich mir das fromme Leben mit an: sobald ich aber die erste Schwalbe wieder höre – heida! fort mit mir! dann werde ich wieder der alte Adam. Man kann ja des Guten auch zuviel tun: der Leinweber betet den ganzen Tag mit meiner Nille. Ihr Leute, sag ich immer, ihr fallt ja unserm Herrgott recht beschwerlich: das nennen sie eine Gotteslästerung: "Du bist noch nicht wiedergeboren, lieber Bruder", sprechen sie, "wir wollen beten, dass der liebe Heiland bald über dich kommen möge." Zu allem dem Gikelgakel muss ich nun schweigen, als wenn ich aufs Maul geschlagen wäre. Aber kurz und gut! sobald die Schwalben fliegen, lass ich meine Nille bei dem Leinweber sitzen und komme zu Dir nach Berlin: da mögen sie miteinander pimpeln und seufzen, soviel sie wollen. Lebe wohl.
A.C. Herrmann.
Herrmann beantwortete diese Briefe unverzüglich, meldete Schwingern den erlittenen Verlust, doch mit sorgfältiger Verschweigung seines Bekehrungsprojektes, stattete auch dem Doktor Nikasius und seiner Ehefrau von der Dieberei des Magister Wilibald getreuen Bericht ab und versicherte, dass ihn der schändliche Bösewicht verleitet habe, Dresden heimlich zu verlassen, wozu er sich ausserdem nie entschlossen hätte: zugleich bat er um Übersendung seiner zurückgelassnen Habseligkeiten, welche auch ein paar Posttage darauf erschienen, nebst diesem Briefe vom Doktor Nikasius.
Dresden, den 6. Jan.
Wertgeschätztester lieber Freund!
Nachdem Dieselben in einem Schreiben de dato 28 Decembris a.c. schriftlich an mich gelangen lassen, wasmassen Dieselben Dero mibilia von Dresden nach Berlin mit der ordinären Post bringen zu lassen gewillet sind und daher um die Verabfolgung gedachter Ihrer mobilium geziemend angesucht: als habe nicht ermangeln wollen, solche durch meinen Bedienten, Johann Friedrich Hartknoch, in Dero mit Seehund überzogenen Kuffer getreulich einpacken und verwahren zu lassen. Welchergestalten nun Dieselben nur beSchreiben verhoffentlich erhalten werden, als bitte mir über den richtigen Empfang derselben schriftliche Nachricht aus: wie denn auch Dieselben in vorbemeldetem Dero Schreiben beizubringen beliebt, wie der S.T. Herr, Herr Magister Wilibald Dero sämtliche bei sich habende actiua an sich zu nehmen und mit denenselben ab und von dannen zu gehen sich nicht entblödet, absonderlich auch sich nicht nur propter dolosam rei alienae ablationem eines Diebstahls schuldig gemacht und durch sein hinterlassnes Schreiben handschriftlich angeklagt, sondern auch Dieselben per simulationem amicitiae schändlich und lästerlich hintergangen: solchemnächst will denn nun meine teure Ehegattin allen dergleichen und sonstigen Anschuldigungen als Verunglimpfungen seines ehrlichen Namens und anmasslichen Beschönigungen anderweitiger selbsteigner Zersplitterung Dero bei sich habenden Geldes keinen Glauben angedeihen lassen, inmassen denn sie dem Herrn Magister beständig als einen gottesfürchtigen und wohl conduisireten Candidatum gekannt und befunden.
Der ich nebst freundlichem Gruss von meiner EheLiebsten mit geziemender Liebe und Inclination allstets verharre
Meines wertgeschätzten lieben Freundes
gutwillig geneigter Freund und Diener
D.F.M. Nicasius.
Da der Doktor Schwingern seines Freundes heimliche Abreise von Dresden sogleich gemeldet hatte, erschien schon wieder ein