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auszuwirken: wenn Du also, meinem Rate gemäss, zu der von mir bestimmten Zeit nach Berlin gegangen bist, so hast Du eine Schande vermieden, die Dir nach Deiner denkart äusserst empfindlich sein müsste. Ich zittre für Dich, lieber Freund, wie ein Vater für sein Kind, solange ich über diesen Punkt keine Gewissheit von Dir habe.

Den Aufentalt der Baronesse hat die Oberstin ausgekundschaftet, und man wird nächstens unfehlbare Massregeln ergreifen, sie in Sicherheit zu bringen, wenn es nicht schon geschehen ist. Also, lieber Freund, wenn Du nicht durchaus Dein Unglück willst, so lass Dich nicht gelüsten, in Deine Torheit zurückzufallen; und wenn Ulrike mit Dir in einem haus wohnte und aus einer Schüssel ässe, so verschliesse Deine Augen! Wache über Dein Herz! Lass ihm nicht eine Minute lang den Zügel schiessen! es reisst gewiss mit Dir aus, wenn Du ihn nicht beständig straff anziehst. Entsage lieber dem Vergnügen alles weiblichen Umganges! habe den Mut, den Beifall der Frauenzimmer zu entbehren! Besser ist Dir's, ein Dummkopf oder ein trockner, kalter, blödsinniger Mensch von ihnen gescholten zu werden, als dass Dich eine verliebte Betörung für einige Augenblicke Vergnügen zeitlebens unglücklich macht. Du kennst nunmehr Deine Stärke und Schwäche: nütze diese Erfahrung!

Noch eine Nachricht will ich Dir, statt einer Belohnung für die Besiegung Deiner selbst und für Deine Rückkehr zum vernünftigen Verhalten, geben; und warum sollte es nicht für den beleidigten ehrlichen Mann eine Erstattung des erlittnen Unrechts sein, zu sehen, dass seine Feinde sich selbst strafen? Jakob, unser aller Verfolger, ist mit seinem Vater in die grösste Uneinigkeit geraten: sie haben sich über einen kleinen Vorteil entzweit, den sie sich bei dem Verkaufe einiger Kostbarkeiten zur Schuldenbezahlung des Grafen machen wollten oder gemacht haben: jeder glaubte von dem andern an seinem Anteile verkürzt zu sein. Im ersten Zorne entdeckte der Vater dem Grafen die Spitzbübereien des Sohns, und der Sohn rächte sich durch ähnliche Entdeckungen am Vater; das Blut starrt mir in allen Adern, wenn ich die Betrügereien, Bosheiten und Schelmenstreiche höre, die bei dieser gelegenheit herausgekommen sind und noch täglich herauskommen. Sie haben unstreitig das meiste zum Ruine des Grafen beigetragen, der seine Gläubiger durch die Bezahlung einiger Posten besänftigt hat: aber ich fürchte, sie sind nur auf einige Zeit besänftigt: doch lässt sich wenigstens hoffen, dass diese Besänftigung von längerer Dauer sein wird, wenn sich der Graf überwinden kann, jene beiden Bösewichter von sich zu schaffen. Man arbeitet aus allen Kräften daran, und der Vater ist sogar in gerichtliche Untersuchung geraten: aber der Sohn, der jetzt bei kälterm Blute den Schaden einsieht, den sie sich durch ihre beiderseitige Unbesonnenheit zugezogen haben, gibt sich unendliche Mühe, den Grafen zur Aufhebung der Inquisition zu bewegen; und seine Mühe wird ihm zuversichtlich gelingen; denn die Untersuchung wurde nur im Anfalle der ersten Hitze anbefohlen, und der Stolz des Grafen, wenn der Zorn vorüber ist, erträgt lieber den Verlust seines ganzen Vermögens, als dass er durch die Bestrafung eines offenbaren Diebes das Bekenntnis ablegen sollte, er habe sich geirrt und sein Vertrauen einem Unwürdigen gegeben. Inzwischen ist doch zur Erniedrigung unsrer Feinde so viel geschehen, dass der Vater die Oberaufsicht über die herrschaft verloren hat und in Pension gesetzt werden soll. Auch mir hat der Habsüchtige, wie es sich nunmehr erweist, seit Ulrikens Abreise von hier die Hälfte meines Gehalts entzogen: ich wusste diese Verringerung zwar und ertrug sie gelassen, weil sie mir der Betrüger auf vorgeblichen Befehl seines Herrn ankündigte: allein der Graf hat sich nie so einen Befehl einfallen lassen, und die ohne sein Wissen abgezogene Hälfte hat jener Elende, der diese Auszahlungen besorgte, an sich gerissen und in der Rechnung verfälschte Quittungen untergeschoben. fräulein Hedwig hat ein gleiches Schicksal erlitten. Was mich am meisten kränkt, ist der Betrug, womit er Deinen Vater hintergangen hat: nach der Verordnung des Grafen sollte er nach seiner Absetzung sein ganzes Salär behalten, bis er eine andre Versorgung fände: allein der gewissenlose Siegfried setzte ihn auf den vierten teil herab, der so wenig betrug, dass Deine Eltern nicht ohne Not davon leben konnten: auch hier hat er sich durch verfälschte Quittungen geholfen. Hätten Deine Eltern nicht bei einem herrenhutischen Leinweber, einem alten Freunde Deines Vaters, Schutz gefunden, so wären sie nicht sicher vor dem Mangel gewesen. Ihre eignen Briefe, die ich Dir hier übersende, werden Dich vermutlich näher davon belehren –' usw.

Der erste unter diesen Briefen, den Herrmann erbrach, war von seiner Mutter. 'Got zum Krus herzgelibtes Kint, liber son wir sint alle gesunt und frelig in dem liben Heiland, megte wohl wisen wo Du Stikst hast so lange nicht geschriben und uns allen so weh nach tir Gemacht, Ich unt Dein fater sind forigen Monad von einen kristligen diesen Monad als am ersten huigus zum erstenmale das heilige Libesmal gehalten. winschen von Herzen das der libe heilant dich bald nachholen mege, bereie deine Sinden libes Kint, unt schlag an teine Prust, teinen fater war es nicht recht lustig di weld zu ferlasen und den liben heilant anzuzin, Wir haben dem Alten starkop was rechtes zugerett, ta lachte uns der hellenbrant aus das wir in bekeren wolten der kristlige leinwäber unt ich, unt hat geflucht das der kristliche Leinwäber in nicht mehr im haus leiten wolte. Er hat Dir geflucht libes Kint das einem grin und Gälb vor den Augen wurte. ta bädte