mit Regen und Hitze, Sturm, Hagel, Donner und Blitz, mit rüttelnden Postwagen und ungeheuren Meereswellen gekämpft: bald sind ihnen die Schuhe, bald das Schiff, das sie trug, leck geworden: sie haben gefastet, gehungert und gedurstet, haben sich von den blinden Heiden Nasen und Ohren abschneiden, mit den Ohrläppchen an die Türen annageln, geisseln, sengen, stechen, braten, kochen und fressen lassen, um die Ungläubigen durch ihr Leben und Tod zu bekehren: aber niemand ist noch Apostel der Berliner geworden; und doch sind sie ungläubiger als Hottentotten und Malabaren, ohne Erkenntnis und Erleuchtung, Unwiedergeborne, Ateisten, Deisten, Sozinianer, ohne Glauben, eitel Sünder und Sündengenossen: sollte nicht uns die hohe Ehre aufgehoben sein, diesen verirrten Haufen wieder auf den rechten Weg zurückzuführen? – Wir wollen es wagen: Bruder, lass uns mutig ihre Apostel werden und das Werk ihrer Bekehrung vollenden. Dann wird unser Ruhm von einem Ende der Welt bis zum andern erschallen."
Herrmann fand anfangs eine kleine Bedenklichkeit bei dem Vorschlage, oder vielmehr dieser Weg, Ruhm zu suchen, war seiner Ehrbegierde zu fremd, um ihn sogleich zu betreten: er wusste wohl, dass Männer durch edle, grossmütige, gemeinnützige, mutige Handlungen, durch Patriotismus, durch wichtige Werke des Genies gross und berühmt geworden waren: aber dass man es durch Bekehrung andrer Menschen werden könne, davon sagte ihm alle seine Kenntnis und Erfahrung kein Wort. Er hörte also den Vorschlag innerlich und äusserlich ohne Beifall und Widerspruch an und versprach, ihn geheimzuhalten, welches sich der Magister sehr angelegentlich von ihm ausbat.
Die Frau Doktorin gab oft kleine Abendessen, wovon aber ihr Mann nichts erfuhr und noch weniger dabei zugelassen wurde; denn sie geschahen bei verschlossnen Türen, und niemand hatte gewöhnlich die Ehre, Anteil daran zu nehmen, als der Magister Wilibald: doch seit jener Unterredung über die Bekehrung der Berliner wurde auf seine Veranstaltung Herrmann jedesmal der dritte Mann. Das Gespräch war allemal höchst erbaulich, und ehe man es vermutete, lenkte es sich auf Berlin: der Magister und die Doktorin sagten beide, ohne es gesehen zu haben, so viel Böses davon, dass jedem ehrlichen mann bei dem Gemälde die Haare zu Berge stehen mussten.
"Es überläuft mich allemal ein Schauer vor Schrekken", fing die Doktorin an, "wenn ich einen Berliner sehe. Sie sind auch meist alle gezeichnet. Ich habe zwar nur zwei in meinem Leben gesehen, aber ich versichre Sie, sie hinkten alle beide."
Wilibald. Die Männer haben fast alle eine Art von Hörnern an der Stirne, wie mir Magister Augustinus erzählt hat. Er ist zwar niemals dort gewesen, aber er weiss es ganz gewiss; und Magister Augustinus lügt in seinem Leben nicht.
Die Doktorin. Ach, ich will's wohl glauben. Solche Male sind nicht umsonst. – Und wissen Sie denn auch, was man von den Weibern sagt?
Wilibald. Sie sollen fast alle grosse Füsse und kleine Köpfe haben und doch dabei so schön sein, dass man sie nicht ansehn kann, sagte mir Magister Blasius.
Die Doktorin. Ei, ei! Und warum denn das?
Wilibald. Man soll gleich weg sein, gleich gefangen. – Ach! die Töchter dieser Welt sind nicht vergeblich mit solchen verführerischen Reizungen geschmückt! Das sind Geschenke des Satans.
Die Doktorin. Nicht anders! – Und von den Geistlichen hat mir ja neulich der Magister Kilian recht schreckliche Dinge erzählt.
Wilibald. Sie sind gar nicht zu unterscheiden von den übrigen Menschen: wenn sie ihre Amtskleidung nicht tragen, soll man hundertmal vor einem vorübergehn oder gar mit ihm stundenlang sprechen können, ohne zu nur vermuten, dass es ein Geistlicher ist. Sie stellen sich den Kindern dieser Welt in allem gleich, sagte mir Magister Severus. Sogar in ihrem amt sollen sie reden wie alle andre Menschen. Was kann aus einer solchen Vermischung herauskommen als Verachtung?
Die Doktorin. Da haben Sie recht. Wenn Sie ohne Perücke und schwarzen Rock zu mir kämen, könnt ich Ihnen kein Wort glauben. Ich hätte nicht mehr Liebe und Vertrauen zu Ihnen als zu meinem mann.
Wilibald. Nicht anders! Man muss sich selbst ehren, damit uns andre ehren. Aus einer solchen Selbstverkleinerung des Standes entstehen auch hernach nichts als Ateisten, Deisten, Naturalisten –
Die Doktorin. Da haben Sie recht. Ich habe in meinem Leben noch keinen Deisten und Naturalisten gesehen; denn Gott sei Dank! hierzulande bekömmt man solche Kreaturen nicht zu gesicht: aber ich stelle sie mir recht abscheulich vor. Sagen Sie mir nur! Wie sehen sie denn aus?
Wilibald. Magister Hieronymus hat einmal im 'Grünen Baume' zu Berlin unter einer ganzen Gesellschaft solcher Menschen gespeist.
Die Doktorin. Ach, der arme Mann! Wie hat er denn das tun können?
Wilibald. Weil er nichts davon wusste! Aber sie verrieten sich gleich, sagt er: 'Ob sie sich wohl anfangs vor mir nicht wenig scheuten, so konnten sie sich doch vor meinen scharfsichtigen Augen nicht lange verbergen. Sie hatten alle grosse, schwarze Nägel an den Fingern, ihre hände waren wie Tatzen gestaltet und ihr Atem so beschwerlich, dass ich's nicht aushalten konnte. Als ich dies wahrnahm, wurde mir angst und bange unter ihnen, und ob ich gleich zuweilen meine stimme erheben wollte, sie zu bekehren, so war mein Herz doch so geängstigt und schwer, dass ich kein