wahr, durch den verfluchten Donnerjungen, der immer vor Ihrer tür gebettelt hat?
Ich. Sie wissen's.
Sie. Seht mir einmal das Wetterkind! Ist erst drei Monate über siebzehn Jahr und doch schon blitzhagelschlau? Ich hab es in meinem zwanzigsten nicht so verhagelt fein machen können.
Ich. Manche Leute werden spät klug.
Sie. Nur nicht so spitzig, mein fräulein Naseweis! Wir sind lange schon gewesen, wohin Sie wollen. – Schreiben Sie denn dem Hagelwetterjungen auch?
Ich. Meinem Heinrich? – Ja, ich schreibe ihm alle Tage, alle Stunden und Minuten.
Sie. Über Sie sappermentisches Element! Ich habe immer drei Tage gebraucht, um einen Brief an meinen Kapitän zusammenzustoppeln, und war doch schon fünfundzwanzig Jahr alt; und Sie Kreuzhagelwetterbalg schreiben Ihrem Igel alle Stunden und Minuten! – Wo sind Ihre elementschen Briefe?
Ich. Bei meinem Heinrich. Ich will sie holen lassen, wenn Sie darinne lesen wollen.
Sie. Aber, potz alle Welt! sagen Sie mir nur, wollen Sie denn den Ripel heiraten?
Ich. Nicht anders!
Sie. Das machen Sie einer Gans weis und nicht mir! Ich bin dabei gewesen. Potz alle Hagel! ich weiss, wieviel die Elle gilt. Aber wenn Sie nun einmal nach den verwünschten Affenköpfen, den Mannspersonen, hungert – Blitz und der Hagel! man weiss ja wohl, wie einem in Ihrem Alter zumute ist – wenn Ihnen denn nun ja das Herz aus der Schnürbrust nach den Äsern hüpft, so werfen Sie sich doch, in des Teufels Namen, nicht weg! Suchen Sie sich doch einen hübschen Offizier aus! Es sind ja so viele artige, galante Kerlchen da: dass dich das Kreuzelement holte! das Herz lacht einem ja im leib, wenn man die herzallerliebstscharmanten Puppchen nur gehen sieht. Fikkerlot! man darf ja nur die Hand ausstrecken, so hat man einen Vogel drauf sitzen.
Ich. In so einem Falle würden Sie mir also erlauben, mich zu verlieben?
Sie. Ei, möchten Sie sich verlieben, soviel Sie wollten! Suchen Sie sich einen aus, sag ich Ihnen! Wenn's etwas Hübsches ist, soll der Teufelsbraten bei uns essen, trinken und ein und aus gehen, wenn, wie und wo er will. Sie mögen ja mit ihm anfangen, was Sie nur wollen – ich will die Augen zutun: Sapperment! ich will gar nichts davon hören noch sehen.
Ich. Ihre Hand, Tante, wollen Sie das? Ich habe mir einen ausgesucht.
Sie. Aber ist er auch hübsch? Nicht etwa wieder so ein Katzenkopf?
Ich. O der vortrefflichste Mensch auf der Erde! So voll Verstand, voll Rechtschaffenheit, voll Ehre, voll Annehmlichkeiten, so voll Empfindung, Feuer! – er lodert ganz von Tätigkeit! und kann lieben! ach lieben! lieben, wie keiner! Es ist der vollkommenste Geist –Sie. Ach, was geht mich der sappermentische Geist an? – Ist er hübsch gewachsen? hat er rote Bakken? ein hübsches, freundliches Gesicht? Redet er viel? Ist er lustig? höflich? nicht schüchtern? nicht furchtsam? – Darnach frag ich: was Henker! kommen Sie mir denn da mit dem Blitzhagelgeiste her? Und wenn er zehn Geister im leib hätte, man kann sie ja doch nicht sehen.
Ich. O alles, alles das ist er! Voll des einnehmendsten Reizes!
so lieblich lächelnd! Aus jeder Miene, jedem Akzente seiner stimme, jeder Bewegung spricht Liebe, Gefühl: in allen seinen Handlungen ist Seele und Nerven.
Sie. Über das Zeterkind! was das für eine Beschreibung ist! Man möchte zubeissen, so appetitlich! Hat sie nicht mit den verfluchten Hexenaugen gleich das Hübscheste in der ganzen Stadt ausgegattert? – Ja, man sieht's auch den schwarzen Wetteräsern an, was dahintersteckt: sie schiessen herum wie ein Paar grosse Karfunkel. – Aber der Hagel! haben Sie denn schon mit ihm gesprochen?
Ich. Freilich! Mehr vielleicht als mit Ihnen.
Sie. Und haben mir ihn niemals gewiesen?
Ich. Ich darf ja nicht.
Sie. Blitzelement! wer wehrt Ihnen denn das, wenn's ein hübscher Kerl ist? – Sagen Sie mir nur, wie er heisst? Ich will den Sappermenter gleich wissen: sagen Sie mir nur den Namen.
Ich. Heinrich – und wenn Sie noch mehr von seinem Namen wissen wollen – Herrmann.
Sie. Kreuz-Wetter-Blitz-Donner-Hagel-Element! Das ist ja der Eselskinnbacken, der die Briefe hier geschrieben hat!
Ich. Der nämliche! Ein recht hübscher Kerl, wie Sie vorhin sagten! Sie wollen ja die Augen zutun, weder sehen noch hören, wenn's nur ein hübscher Mensch ist: ich soll mir ja nur einen recht hübschen aussuchen: ich hab es getan.
Sie. Den verhenkerten Feuerripel! den Maulaffen!
Ich. Sie fanden ja aber meine Beschreibung von ihm so appetitlich; und er ist tausendmal schöner, als ich ihn beschrieben habe. Das Bild, das in meiner Seele von ihm liegt, das sollten Sie sehen! Wenn Sie dann mich tadeln können, dass ich keinen andern wünsche und begehre –
Sie. Schweigen Sie von dem sappermentischen Nussknacker! Mich mit dem Stachelschweine so zum Narren zu haben! Warten Sie! das werde ich Ihrer Tante, der Gräfin, schreibenalles, haarklein!
Ich. Wenn