den Tisch hin und liess eine grosse See von Bier zurück, ehe sie auf den Fussboden herabsprang und in kleine Scherben zerbrach.
Das Geräusch der zerbrechenden Flasche rief die erschrockne Ehefrau in die stube: sie trat betrübt, mit roten aufgelaufenen Augen herein, als eben ihr wütender Gemahl das treffliche Hemde zusammengedrückt in der Faust hielt und, ohne sich zu bedenken, in die Biersee gerade hineinwarf. – "Ach!" rief die Frau an der Tür aus, und ein Strom von Tränen brach ihr aus den Augen. Ohne ihren schmerzhaften Seufzer wahrgenommen zu haben, drehte sich der Mann und lief hastig auf sie zu. – "Nillchen, Nillchen!" schrie er, "wo ist meine Pfeife?"
Die Frau konnte ihm mit nichts antworten als mit Tränen und einem doppelten – "Ach!".
"Nillchen, was ist dir denn?" fragte er und suchte in dem Tischkasten. – "Was ist dir denn?"
Die Frau. Ach! du wirst mich noch vor der Zeit ins Grab bringen.
Der Mann. Schaff mir nur erst meine Pfeife! – Ich dich ins Grab? – Warum denn, Nillchen?
Die Frau. Du fragst noch? – Sieh nur, was du gemacht hast! dann brauchst du gewiss nicht mehr zu fragen.
Der Mann. Was hab ich denn gemacht, Nillchen? -Ja, etwas umgeworfen! die Flasche zerbrochen! Warum tust du alle die Sachen nicht an ihren rechten Ort?
Die Frau. So? – Erst sitz ich die ganze Nacht auf und breche mir den Schlaf ab; und hernach bin ich gar noch schuld daran, wenn du, wie ein Heide, alles zerschlägst und verdirbst?
Der Mann. Du hast nicht geschlafen? – Warum denn, Nillchen?
Die Frau. Warum denn als deinetwegen? – Hab ich denn nicht gesessen und genäht, dass mir das Blut aus den Nägeln hätte springen mögen? –
"Da liegt's, das schöne Hemde!" fuhr sie nach einer Pause schluchzend fort und wischte sich mit der Schürze die Augen. – "Da liegt's! ich kann's vor Jammer gar nicht ansehen!"
Der Mann. Ja – und mein schönes braunes Kleid – ach Zeter! wer hat denn das so entsetzlich zugerichtet? Das sieht ja aus, als wenn's im. Mehlkasten gesteckt hätte. Kehr es doch, Nillchen!
Die Frau. Dass ich eine Närrin wäre! Wer den Unflat gemacht hat, salva venia, der mag ihn wieder wegkehren.
Der Mann. Wer hat's denn getan? – Doch wohl der Junge? Die Brut hat niemals die Gedanken beisammen.
Die Frau. Ja, der Junge! der gute Junge hat die Gedanken besser beisammen als der Vater.
Der Mann. Wär ich's gewesen?
Die Frau. Wer denn sonst? – Ich habe an der Perücke gekämmt, dass mir der Arm noch wehe tut: wer sieht's ihr nun an? – Ich möchte dir sie gleich ins Gesicht werfen.
Der Mann. Spasse nicht, Nillchen.
Die Frau. Ja, ich und der Spass, wir kämen wohl zusammen! -Was willst du denn nun machen, du alter Schmaucher? Du wirst doch nicht in der hässlichen Kutte zum Grafen gehen wollen? Was würde denn der Herr sprechen?
Der Mann. Mag er sprechen, was er will. Wenn ich ihm so nicht gut genug bin, so mag er mich lassen, wo ich bin: ich verlange ja nicht nach ihm.
Die Frau. Schäme dich, Adam! so eine hohe Gnade!
Der Mann. Ich mag keine von ihm. Ich habe so lange ohne sie gelebt –
Die Frau. Adam, sei doch nicht so griesgramicht! Sei ja hübsch freundlich gegen den Herrn Grafen! bücke dich fein tief und antworte nicht immer so kurzweg, wie du zu tun pflegst! Dass du ja nicht so schlechtin 'Ihr Diener' zum Grafen sprichst: er nimmt's sehr übel, wenn man nicht 'untertäniger Diener' sagt.
Der Mann. Nillchen, ich will sagen, wie mir's gefällt. Ich tue dem Grafen meine Arbeit redlich, und er gibt mir dafür mein Brot: ausserdem bin ich weder sein untertäniger noch sein gehorsamer Diener; aber sein Diener bin ich – denn er bezahlt
mich dafür –, nicht ein Haarbreit mehr noch weniger!
Die Frau. Es ist aber doch einmal Mode –
Der Mann. Ach was Mode! die Mode gehört für die Narren: genug, ich gebe mich für nichts Schlechteres aus, als ich bin. – Mache mir den Kopf nicht warm, Nillchen! ich bin so heute nicht aufgeräumt, dass ich meine Pfeife nicht habe.
Die Frau. Du hast jetzt keine Zeit zum Rauchen. Wenn du nun mit dem Tabaksgeruche zum Grafen kämst –
Der Mann. Mag er sich die Nase zuhalten, wenn ihm mein Geruch nicht ansteht! Ich verlange nicht von ihm, dass er sich nach mir richten soll: aber ich werde mich auch nicht nach ihm richten. Das wäre der erste, der's so weit bei mir brächte.
Die Frau. Zieh dich nur allgemach an –
Der Mann. Anziehen? Wozu denn? – Nicht eine Faser! Wenn ich mir in dem Rocke nicht zu schlecht bin, so werde ich's dem Grafen wohl auch nicht sein.
Die Frau.