et meritis si forte virum quem
Conspexere, filent!
Einen fürwitzigen Bauern, der ihn bat, er mögte ihn doch den Spruch ausdeuten, fertigte er damit ab: das Latein würde zu nichts in der Welt taugen, wenn man dergleichen auf Deutsch sagen wollte. Lasst uns dafür des gnädigen Herrn Gesundheit trinken. Er hats befohlen, und seiner Obrigkeit soll man gehorchen, wie das vierte Gebot sagt.
Recht so! rief der Wirt. Komm her, Frau! keinen kindischen Groll mehr! Da, schenk ein! – Und die Gesellschaft zechte diesen und den folgenden Abend aufs Wohlsein Seiner Gnaden, bis die zwei Taler verzehret waren.
Fussnoten
1 Orlando furioso, Cant. XXXIII, XXXIV.
Sechstes Kapitel.
Der Ludimagister macht seine Aufwartung im
festlichen Pomp. Nicht jedes Unglück wird durch
Kometen verkündigt.
Am andern Morgen stand der Ludimagister vor Tages Anbruch auf, kämmte seine Sonntagsperüke, schmierte sie reichlich mit Schweineschmalz und Lichttalg, zerrte einige Locken perpendikular, richtete andre horizontal, und bestreuete sie Strohhalmsdicke mit seinem gebeutelten Semmelmehl. Hierauf langte er sein schwarzes Feierkleid aus der Lade, dürstete und fegets. Seine Schuhe schwärzte er mit Kienruss und einer Speckschwarte, und rieb die messingnen Schnallen mit gepülvertem Ziegelstein, Baumöl, und zarter weisser Kreide. In seinen baufälligen Hut trachtete er mit warmen Essig Neuheit zu dürsten – alles das zum grössten Erstaunen seine eheliche Gemalin, der Frau Schulmeisterinn, die ihn dermalen vergebens fragte, und kaum eines Blickes über die Schulter gewürdiget wurde. Um den Hals ward ein sauberes weisses Tuch gebunden, und die Strümpfe gürtete er unterhalb des Knies mit schönen roten ledernen Knieriemen. So zu seinem heutigen Ehrentage mit dem festlichsten Putze geschmückt, versah er sich mit der Rittergeschichte des hörnernen Siegfrieds, ergriff seinen schönsten Dornstock, und wandelte fort. Doch konnte er seine Hausgötter nicht verlassen, ohne seinem heutigen Stolze ein Opfer zu bringen, indem er die Ursache desselben anzeigte. Frau, sagte er und warf das Haupt zurück, Frau, wenn jemand nach mir fragt, so lass ihn nach Tische wieder kommen. Ich mache dem gnädigen Herrn meine Visite. –
Hiermit ging er. Nach dem Maasse aber, wie er dem Edelhofe näher kam, verwandelte sich sein Stolz in Beklemmung; und wie er den Fuss ins Schloss setzte, sank ihm plötzlich das Herz um gute andertalb Spannen hinab.
"Lasst'n gleich 'rein kommen!" sagten Seine Gnaden, die noch mit Ihrer Toilette beschäfftigt waren, und sich eben den Bart kämmen und knüpfen liessen, als man den Ludimagister anmeldete.
Der Schulmeister trat nicht ohne Zittern hinein. Die ganze schöne Anrede, auf die er die liebe lange Nacht studiret hatte, ging zum Henker, so bald er Seine Gnaden in ihrer Herrlichkeit vom Kammerdiener und Lakayen umgeben erblickte. Und die Rudera, die er etwa noch hatte wieder erhaschen können, zerstreute der Edelmann vollends, indem er ihm gleich beim Eintritt entgegen rief: Na, Schulmeister, hat Er 's Buch bei sich?
Aufzuwarten, mit Eu'r Gnaden untertänigster Permission! stammelte der Ludimagister. Ad mandatam venimus ecce domum.
"Könnt's Fransche man weglassen. Bin da kein Freund von, Schulmeister!"
'S ist Latein, wenn Eu'r Hochwohlgebohrne Gnaden demütigst erlauben wollen.
"Gleichviel! – 'ch hatte nicht darnach gehöret. Unser eins hat mehr im kopf. Aber 'n bischen Lateinisch lass ich noch wohl gelten – für ihn mein' ich. 'S ist, glaube ich, die Schulmeistersprache; ist es nicht? Hätts selbst wohl lernen mögen, wie der Pastohr meinte, aber Mama seliger wollt's nicht haben, und so blieb's nach. – Krischan! gebt dem Schulmeister 'n Schnaps und so'n bischen dazu."
Dem Ludimagister wollts noch nicht so recht geläufig werden, mit vornehmen Herren umzugehen. Wie ihm der Kammerdiener das Frühstück präsentirte, machten ihn Hut, Buch und Dornstock verlegen. Doch half er sich so gut sichs tun liess, nahm das Buch unter den linken Arm, klemmte den Hut zwischen die Knie, und wickelte den Riemen der den Dornstock statt des Bandes schmückte, zweimal um den dritten Rockknopf; dann ergriff er, da er nun beide hände frei hatte, mit der einen das Glas, mit der andern ein Stück Gebacknes. – Gehorsamstes Wohlsein untertänigst, Sie erlauben! sagte er, und machte einen gewaltig abenteuerlichen Lorenz, fast mit der Nase bis zur Erden. Zu gleicher Zeit wollte er, um seinen Bückling recht manierlich heraus zu bringen, mit dem rechten Fuss hinten aus kratzen, und dachte nicht an den Hut. Dieser entglitt ihm über all der Höflichkeit, und als er, vermutlich auf Anstiften seines bösen Dämon's, ihn mit den Knien begreifen wollte, verlor er selbst das Gleichgewicht, und stürzte so lang er war zu den Füssen des Edelmannes, der in ein so herzliches Gelächter ausbrach, dass ihm die Tränen über die Backen liefen. Hiermit war aber das widrige Schicksal des Ludimagisters noch nicht erschöpft, sondern sein Unstern wollte, dass er im Fallen mit seinem kopf auf den Leibhund Seiner Gnaden treffen musste. Türk nahm den Spass übel, und schnappte dem Schulmeister nach der Nase; glücklicher Weise aber fasste er nur die Perücke, und kühlte sein Mütchen waidlich daran.
Exküse untertänigst! Halten zu Gnaden! rief der Ludimagister, indem er sich aufraffte, die Landkarten von seinem Feierkleide klopfte, und die Glasscherben