Paraphrase des Ludimagisters, von der ich aber nicht weiss, ob sie gedruckt ist.
Hagel noch mal, sagte der Edelmann, das war'n ganzer Kerl, der Ritter da! – Muss doch mal 'nein gehen, setzte er nach einer kleinen Pause hinzu, hieng sein spanisch Rohr über den Griff des Säbels, nahm die Tobackspfeife in die linke Hand, tappte mit der rechten voraus, um die Nase nicht zu gefährden, und gelangte so ganz glücklich und wohlbehalten bis an die Stubentür und in die stube.
Die Gesellschaft sah, Trotz der Atmosphäre von Tobacksqualm, worinn sie gehüllet war, dennoch das Flimmern des reichbesetzten Dolman's, und erkannte an diesem Zeichen, wie auch am Klirren des Säbels und Stockes, wozu die Eisen unter den Stiefeln den Takt gaben, die Gegenwart des gnädigen Herrn. Die Posaune des Schulmeisters verstummte, die bauern nahmen die Pfeifen aus dem mund und die schwarzen Pudelmützen herunter, und der Wirt, der nicht aus dem dorf, sondern bei Reichenwalde her gebürtig war, auch in jüngern Jahren als Stangenreiter eines Frachtfuhrmanns manche Reise von Frankfurt nach Leipzig getan, folglich die Welt gesehen und Mores gelernet hatte, machte einen Knickerling mit einem Sequens.
Die bauern fürchteten sich zwar nicht vor dem Edelmanne, denn sie waren überzeugt, dass er der gutmütigste Junker auf Gottes weiten runden Erdboden sei; aber sie wurden doch ein wenig bestürzt, und wussten nicht gleich, was sie aus dieser unerwarteten und unerhörten Erscheinung machen sollten. Selbst der Schulmeister vermogte von seinen hundert zwei und siebenzig lateinischen Brocken keinen einzigen herauf zu würgen.
"Geht man wieder sitzen, sagte der Edelmann. Der Blix! geht sitzen, Leute, wenn ichs euch sage; habt doch wohl eure Knochen heute müde strapenziret. Hab' den da draussen predigen hören; wollt mal hören, was 's hier gibt, so wollt ich. Hä?"
Der Wirt, an den sich dieses Hä addressirte, nahm
das Wort, und versetzte in seinem Reichenwalder Dialekt: Ih nu, gnädiger Harre, wos werds Wunger synn? De Nochbern do hann den Luhmegester do gebaten...
"Wen?"
Ih nu, gnädger Harre, den Luhmegester do. 'S is der
Schullmeester, er sichts adder garne, wenn ma'n Luhmegester tittelirt. Er kann asn schiene lasen, doss 's 'ne Lust is. – –
– Meine Leser, hoff ich, werden mir den Reichen
wälder Dialekt fürs künftige erlassen. Er lässt sich so wenig als das Plattdeutsche für Leute, die seiner nicht kundig sind, schreiben, und hat überdem seine eigne Melodie und Accent.
Der Wirt belehrte demnach den Edelmann, dass
der Ludimagister, der so schön lesen könnte, den Nachbarn wöchentlich einen Abend vorzulesen pflegte, und dafür von der Gesellschaft frei gehalten würde. Heute Abend sonderlich hätte er 'n schnurriges Ding gelesen von'n Ritter, der gar'n abscheulich gewaltiger Ritter war ....
"Lassts man gut sein, sagte der Edelmann; hab all'n
bischen von gehört. Trinkt mal alle meine Gesundheit, und komm Er morgen früh mal zu mir, Schulmeister, und bring Er's Buch mit, versteht Er. Gute Nacht, Leute!"
Indem er dieses sagte, warf er ein Paar harte Taler auf den Tisch. – Werde nicht ermangeln aufzuwarten, sagte der Ludimagister; danken Eu'r Gnaden auch sämtlich für die hohe Gnade! Tu das epulis accumbere diuum!
"Oh Schnack!" sprach der Pommersche Edelmann, und ging weg, immer zum dorf hinaus; und voll vom hörnernen Siegfried kam er in seinem schloss an.
Wie Seine Gnaden die Schenke verlassen hatte, erhub sich ein Streit zwischen dem Wirte und seiner Frau. Diese liess ihren Eheherrn sehr übel an, und behauptete, er habe dem Edelmanne nicht mit der geziemenden Repetenz begegnet. Hättst'n doch 'ne Ehre antun sollen, und 'n aus unserm gläsernen Kruge mit 'm zinnernen Deckel mal zutrinken sollen, so hättst Du! und Herr Gnaden würde dir Bescheid getan haben, und hättst denn 'n mal deinen Kindern erzählen können, und wenn 'n Reisender durchs Dorf kommen wäre, dass der gnädge Herr wohl eher aus unserm schönen Kruge getrunken hätte, und hättst den Leuten den Krug weisen können, so hättst Du. Aberst so tat er den Herrn Gnaden nicht 'n mal 'n Stuhl anprimisiren, der Schlumpenschleef! –
Seht mir doch die kluge Sabille! ewiederte der Wirt. Meinst auch, dass man en'm Edelmanne nur so zutrinkt, und dass er einem da so gleich Bescheid tut! Da würde er dir Butter dran getan haben, siehst Du! Wird dir da auch nur so sitzen gehen, ha! Meinst nur, weil du mal in der Stadt gedient und ein Paar vornehme Wörter aufgeschnappt hast! Aber wirst wohl all mein Tage 'ne dumme Jitte bleiben.
Ich 'ne Jitte? sagte die Frau, und die Borsten auf ihrem haupt empörten sich. – Es würde arg geworden sein, wenn der Ludimagister sich nicht ins Mittel gelegt hätte. Der sprach pro Rostris, und war der Meinung, sie könne ganz schicklich die Jitte mit dem Schlumpenschleef kamp auf gehen lassen. Die Eintracht ward hergestellt, dess brüstete sich der Schulmeister, und wiederholte wohl zehnmal an diesem Abend die Stelle aus dem Virgil, die er aber nicht aus dem Smetius hatte:
Tum pietate grauem