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unter den Fuss zu geben, und Ludwig heisst bis auf den heutigen Tag der Grosse. Das Klügste, was jener Dichter, dem die Verse so leicht abgingen, als unsern Zeitgenossen die Kommentare, gesagt hat, ist sein Viuitur ingenio (gleichviel ob durch eigenes oder andrer Leute Genie cetera mortis erunt.

Der Hauptnutzen, den Du von den Produkten der Schriftsteller hast, ist eben der, den Alcibiades vom Hundeschwanz hatte: sie beschäfftigen den müssigen Pöbel, der, unterdessen dass er über ein Buch herfällt, nicht Zeit hat, über den Staat herzufallen, oder Meutereien anzuzetteln; nicht Zeit hat, es zu fühlen, wenn Du ihm durch Verordnungen oder Auflagen ein wenig hart fallen musst; sich schon sattsam an Dir gerächet glaubt, wenn ein Autor ein und andern satirischen Zug wider Deine Auflagen niederschrieb, und nicht einmal im Traume sich beikommen lässt, dass Du selbst vielleicht, oder einer von Deinen erleuchteten Vezieren dem Autor wohl diesen Zug in die Feder diktiret haben könne. Halt demnach die Schriftsteller in Ehren, die die Kunst verstehen, den müssigen grossen Haufen zu amüsiren, der Dir sonst leicht gefährlich werden kann, wenn er nichts hat, woran er seine Unart übet; sie sind Deine Wohltäter. Weisst Du sie zu brauchen, so kannst Du mit dem grössesten teil Deines Volkes machen, was Du willst. Einem andren Teile opfre einen Hundeschwanz, oder des etwas, und für den kleinen Rest hast Du ja Rossschweife und andre Tändeleien, die eigentlich Zeichen und Lohn des Verdienstes und der Treue sind, zuweilen auch Auffodrung zur Treue und zur Erwerbung des Verdienstes, und ein Band, das den Untertan an seinen Souverain bindet; sehr oft aber auch von klugen Regenten als Zuckerbrodt gebraucht werden, bärtigen Kindern den Mund zu stopfen.

Ich könnte noch viel hinzusetzen, aber ich habe eine so erhabne Meinung von Deiner Weisheit, und werde in derselben durch Deine neuen Piasters, die Du um verschiedene Para's zu leicht ausmünzen lässest, so sehr bevestiget, dass ich fast glaube, schon viel Ueberflüssiges gesagt zu haben. Demnach küss ich Deiner Hoheitnicht den Kaftan, denn ich verabscheue alles, was kriechend und eines freien Mannes unwürdig ist, – sondern die Hand, und bitte Dich, lieber Sultan, dieses als das Zeichen der tiefsten Ehrfurcht anzusehen, zu der ich mich gegen jeden verpflichtet achte, den Gott mit dem amt eines Monarchen belehnete; wobei ich mich zugleich Deiner Gnade empfehle, und von Herzen wünsche, dass Russlands weise Katarina Deine neuen Piaster, obgleich sie um fünf Aspers zu leicht sind, für voll zu nehmen geruhen wolle, damit eine so herrliche Finanzoperation nicht in den Brunnen falle. Murren Deine Untertanen über die neuen Medaillen, so bin ich erbötig, mit einigen meiner Herren Collegen in Dein Land zu kommen, und zu versuchen, ob wir durch ein paar komische Romane und einige beissende Züge wider Deinen Münzwardein ihre üble Laune wegscherzen können.

Meinen Deutschen Lesern hab ich wenig oder nichts zu sagen. Sie haben mir grösstenteils die Ehre erzeigt, die erste Ausgabe meines Buches mit einigem Beifall aufzunehmen. Ich bin kühn genug, eben dieses für gegenwärtige fast dreifach stärkere Ausgabe zu hoffen.

So viel ich weiss, bin ich der erste, der es wagte, unserer jetzigen Nation einen originalen Deutschen komischen Roman vorzulegen. (Von Nachahmungen und Übersetzungen rede ich nicht.) Das ist nun zwar kein Verdienst, aber es könnte mir vielleicht einigermassen Anspruch auf ein wenig Nachsicht gebennicht gegen Fehler, denn die verdienen niemals Nachsicht, sondern da, wo ich den Geschmack des Publikum, den ich noch nicht kennen konnte, verfehlt haben mögte. Ich wünsche, dass ich auf dieser Bahn, die ich nach meiner wenigen Einsicht für sehr nützlich halte, viel Nachfolger finden, und von jedem übertroffen werden möge.

Mit Vorsatz bin ich keinem Narren auf Gottes Erdboden zu nahe getreten, denn mein herzlicher Wunsch ist, nicht zu beleidigen, sondern zu bessern.

Uebrigens mögte ich die Herren Kommentatoren wohl bestens ersucht haben, mich inskünftige mit ihren Deutungen gütigst zu verschonen, sonderlich diejenigen, die ihre Wohlmeinung so weit trieben, dass sie ihre schamlosen Pasquille mir unterschoben.

Einem Vorwurfe hätt' ich Lust vorzubeugen. Junker Siegfried ist ein Pommer, und spricht ungefähr Deutsch, wie ein ehrlicher Handwerksmann hier zu land zu tun pflegt, wenn er glaubt, dass man seine niedersächsische Sprache nicht verstehe. Das ist nicht lokal, ich gestehe es. Ich hätte den Junker eben so leicht den Pommerschen Dialekt, der mir geläufig genug ist, können reden lassen, und ich würde es tun, wenn ich in Pommern schriebe, und der Tummelplatz meines Helden in irgend einer andern Provinz läge. Aber ich lebe in Holstein, werde hier am meisten gelesen, und glaube, billigen Kritikern hiermit genug gesagt zu haben. – Der schulgerechte Leser wird meinem buch das Wort Roman nimmer anpassen können; aber mein Büchlein ist überall kein schulgerechtes Buch, dess weiss ich mich gar wohl zu bescheiden.

Sonst hoff ich durch dieses Siegfriedbüchlein das Versprechen gewissenhaft erfüllet zu haben, das ich dem Publikum in der Vorrede zu meinem letzten komischen Roman, (der Ring, eine komische geschichte) der 1777 in meinem eignen Verlage erschien, gegeben habe.

Ob vom Siegfried mehr Teile erscheinen werden? das ist eine Frage, deren Beantwortung von denen Lesern abhängt, die mich mit ihrer Subskription beehret haben, und denen ich hiermit, so gut ich kann, meinen Dank