argen Feind zu exkommuniciren. – Wer weiter keine Waffen hatte, brachte wenigstens ein ungezogenes Maul mit und schamlose Sitten. natürlich so gemahnen mich die Herren aus jenem Winkel des Schwäbischen Kraises, denen wohl ein Buch ein eben so fremdes Ding sein mag, als jenen bauern, deren Heimat der Holzschnitt nicht angiebt, ein ehrlicher Seefisch. Denn, schauts! die Väter des Fleckens in ihren grossen Perüken und Amtsmänteln täten halter auf dem Stadtause drob deliberiren; der liebe geistliche Herr zog sich das Ding zu Gemüte; die Betschwestern vergassen Schmolken und Verläumdung; Ursula errötete zum erstenmal vor ihrem Wucher, und schlug kläglich, mit einem: Ach, Herr Jesus Christus! die hände über den Kopf zusammen; und zusammen steckten ihre schaalen Köpfe selbst, in der Schumacherherberge und dem Schneidergildhause, halter die weisen Kannengiesser unter den ehrsamen Bürgersleuten. Kurz, die Kreti und Pleti kakelten unter einander; die Spinnstuben schallten wieder; in den Wochenstuben hörte man nichts anders; bei den Gevatterschmäusen war es halter der ewige Fladen; die Stricknadel wackelte nicht, die Spindel stand still, und, schauts, der Eimer am Born blieb schweben. Das war ein Gehaltre und Geschautse vom Henker! Jeder wusste haarklein alle die heillosen Dinge, die in dem buch – – nicht standen; wusste auf ein Haar, von wem der Edelmann seinen Sarras, der Justitiarius sein Kartonhütlein, und der Ludimagister seinen Dornstock entlehnt habe; wusste auf ein Haar, dass Freundschaft, Rechtschaffenheit, achtung gegen würdige Männer, und was weiss ichs? von dem ruchlosen Verfasser dieses ehrvergessnen buches gottloser Weise unter den frevelnden Fuss getreten wären; wusste, dass Staat und Menschenliebe, Kaiser und Könige, Ludwig der sechzehnte und die Grafen von Reuss, – und ich glaube wahrhaftig gar der liebe Gott oben drein, ärgerlich und lästerlich in dem giftigen Büchlein angetastet wären. Ein Duns erzählte die neue Mähr dem andern Dunse, und, schauts! bei allen täts halter so glatt hinunter gehen, als wärs ein Fadensüpple – Zwar trat ein Biedermann auf, nahm eine Priese aus seinem Riechbüchsle, bot den Umstehenden desgleichen, und bewies: es sei der Menschheit nit sönderlich ehrsam, dass eine Menge Menschen sich selbst herabwürdige, bloss in Meinung und Absicht einen andern herabzuwürdigen, und – was das Abgeschmackteste sei, – alles das auf Hörensagen, alles das auf Treu und Glauben etlicher Laffen, die im Tore eins und anders aus dem geistreichen Dialog der beiden Genies aufgeschnappt, und bei der gelegenheit etwa hie und da ins Büchl hineingeklotzt haben mögten. – Aber das war in den Wind geredet.
Unterdessen nun, lieber Sultan, dass das Geträtsch so einige Tage dauerte, lief allmählich das Buch von Hand in Hand, und einige Leute verwendeten sogar die etlichen Groschen an ein eigenes Exemplar, welches sie um so leichter erhalten konnten, da ein wohldenkender Mann zu Leipzig aus treuem Eifer fürs gemeine Beste so ehrlich es mit dem Verfasser meinte, durch einen Nachdruck die Exemplare der ersten Ausgabe zu vervielfältigen, die der Verfasser aus weit besserem Eifer fürs gemeine Beste in einer ersten Ausgabe nicht vielfältig haben wollte. Da sah denn nun allerdings, wer Augen hatte zu sehen, dass das Büchlein unter dem Zuschnitt eines Romans nichts weiter sei, als ein menschenfreundlicher Versuch, denen, die trauriges Herzens sind, ein halb Stündchen wegzuscherzen, dessen Verfasser allem, was Gut und Gross ist, gern und freudig Gerechtigkeit widerfahren lässt, ob er gleich hie und da über das seruum pecus imitatorum sein Gelächter hat, hie und da der Büberei einen Rippenstoss gibt, und der Geckenhaftigkeit ihr Schellchen an das Käppchen heftet. Man sah, dass er sich bemühe, aus der Welt hinauszulachen, was unsre Weisen hinausmoralisiren, und unsre Eifrer hinauspoltern wollen; dass er da und dort eine nicht unerhebliche, und unter andern den Eltern vorzüglich die Wahrheit predige, es sei notwendig, den Charakter und die Anlagen ihrer Kinder sorgfältig auszubilden und zu entwickeln, oder durch Leute, die dazu tüchtig sind, ausbilden zu lassen, im Fall sie selbst sich zu einem so wichtigen Geschäft zu schwach fühlen; dass er zeige, man könne bei der edelsten Geburt und ungeheuren Glücksgütern, selbst bei der herrlichsten Anlage und dem treflichsten Herzen, ohne Bildung und notdürftige Kenntnisse nichts anders als ein lächerliches Original und ein Spiel der Buben sein. Man sah ferner, dass der Verfasser unglücklicher Weise ins Wespennest der Toren stöhre, und andre dergleichen gar löbliche Dinge mehr, welches alles Du, weiser Sultan, ebenfalls gesehen haben wirst. Man sah auch, dass es seine Art sei, alles mit lachendem mund zu sagen, und dass er sich in seiner Vorrede und sonst wider Buben und desgleichen hinlänglich verwahret habe. Aber kein einziger verständiger und redlicher Mann sah in irgend einem Winkel des buches ein Tittelchen, weswegen dem Verfasser, sogar unter dem willkührlichsten Despotismus eines Bassa in einer der Provinzen Deines grossen Reichs, auch nur Ein Haar gekrümmet werden könne, geschweige denn im heiligen Römischen Reiche, in Pohlen (obgleich der böse Skribent dieses Land ärgerlicher Weise die Polackei nennet,) in Schweden, Dännemark, Berlin, Paris, der Moskowiterei, u.s.w. Kein vernünftiger Mann bemerkte, dass der Verfasser über Kaiserliche, Königliche und Fürstliche Verfügungen spotte; wohl aber sahen sie, dass er den Kindern die Rute gebe, die Gefahr liefen, in Grossvaters Pantoffeln zu stolpern und das Näschen zu quetschen, indem er die flachen Kopien ächter Grösse, die aufgebläheten Frösche neben dem Stier,