allenfalls die Einkünfte eines Ritterguts verzehren könne. – Die liebe Hausehre des braven Pastors nahm das Ding zwar nicht völlig so. Sie lüsterte nach den Fleischtöpfen Egypti, und beseufzte die Einbusse der feisten Puter, der gestopften Gänse, und der leckern Hasen von ganzem Herzen. Besonders musste der gute Mann herhalten, wenn etwa an einem hohen Festtage, oder gar am Geburtstage der Frau Pastorinn, die Familie sich schlechtweg mit einem Stücke Rindfleisch behelfen musste. Bei solchen Gelegenheiten unterliess sie niemals, so lange die Frau von Lindenberg lebte, sehr laut zu werden, und es ihrem mann sehr bitter und heftig zu verweisen, dass er die Küche so aus purem Eigensinn, wie ihr zu sagen beliebte, und recht um nichts und wieder nichts geschmälert habe. Denn, rief sie, andre Prediger nehmen wohl noch unwissendere Jungen an, als der Junker war: aber dafür (Hier schlug sie auf den Tisch.) haben sie auch Brodt. Du hergegen stössest alles mutwilliger Weise von dir; Weib und Kinder mögen sehen wie sie fahren. Das stand doch wohl an den Fingern abzuzählen, dass an dem Junker Hopfen und Malz verlohren ist! dass du mit allen deinem gepredige die Perlen für die Säue salva venie, warfst! und dass er nun wohl längst schon alles wieder ausgeschwitzet haben wird, was du ihm damals so mühselig einkauen tatst!
Das fürcht ich nicht, sagte dann der ehrwürdige Mann, der vollkommen so sanfmütig und friedliebend war, als jeder billig sein sollte, der den Gott des Friedens verkündigt. Das fürcht ich nicht, Lena, sagte er, alles wird wohl nicht auf dürren Boden gefallen sein. Etwas, hoff ich, wird wohl im Kopf und Herzen haften und mit Gottes hülfe schon zu seiner Zeit irgend einige gute Frucht bringen. – Aber Kind, gieb mir doch noch ein Schnittchen Fleisch und einen Löffel voll Brühe. Ich weiss nicht wie du es anfängst, aber für deine Pohlnische Brühe lass ich der gnädigen Frau ihre genudelten Gänse und Schnepfenpasteten von Herzen gern.
Das liebreiche Gesicht des gutmütigen Mannes, und sein Lobspruch auf ihre Kochkust besänftigte dann gemeiniglich die Frau, die eben kein Engel, aber doch auch just kein Teufel war, und mit der man, wie mit allen Frauen auf der Welt, ganz schicklich auskommen konnte, wenn man sie bei einer von ihren Seiten zu fassen wusste.
Uebrigens pflichten wir dem Prediger bei: es war in der Tat nicht alles an dem Edelmanne verlohren, und nebenbei hatte er doch lesen gelernet, wiewohl er dieses Talent in der Folge wieder hässlich vernachlässigte.
Nach dem Hintritte weiland Seiner Gnaden des Herrn Obristlieutenants fiel das Exerciren zu Pferde und zu fuss von selbst weg, und es wurden jährlich etliche Paar Rapiere weniger in dem schloss zerbrochen. Das Reiten aber behielt der junge Herr aus Neigung bei, weil es ihm eine herzliche Freude war, über solche Hecken und Graben zu setzen, wo selbst sein Mentor nicht das Herz hatte ihm zu folgen, vorübergehenden Männern das Haar zu Berge stand, und der tollkühnste Bauerjunge bewundrungsvoll ausrief: Der Henker! das war mir 'n Hoppas! Unser Junker hat den Teufel im leib mit Reiten. – Dieser elende Beifall, den ein wohlgezogner Jüngling verachtet haben würde, hatte für unsern Edelmann so viel Reize, dass er ihm zu Gefallen sich tägliw mehr als Einmal in Gefahr setzte, den Hals zu brechen.
Der gnädigen Frau war dieses allerdings ein schwerer Stein auf dem Herzen, aber sie vermogte dem Dinge nicht abzuhelfen. Eine Beschäfftigung will der Mensch haben, das liegt in seiner natur; und der Junker hatte auf der Gotteswelt nichts gelernet, als rechtsum machen, Karten geben, Fechten, und Reiten. Mit dem ersten dieser Studien war es vorbei; das Zweite war seine Sache nicht; das Dritte? je nu, das sahen seine bauern an, und begriffens nicht. Aber, wenn er zu Pferde sass, dann ragte er über die ganze Welt, die er kannte, hervor. Da nun tief in seiner Seele ein gewisses Gefühl lag, das ihn anspornte mehr zu tun als andre können, und mehr zu sein als andre sind, ein Gefühl das weder durch Treffen und Stickerei, noch durch einen vollen Geldbeutel befriedigt wurde: was Wunder dann, dass er ihm jetzt auf die einzige ihm mögliche Art ein Gnüge zu tun suchte, und in der Folge auf Torheiten verfiel, die ihn zum lächerlichsten Original von der Welt machten?
Weil man aber doch nicht immer reiten und über Graben setzen kann, so tödtete er ein gutes teil seiner Zeit in gedankenloser Musse mit der Pfeife und dem Glase; daher denn im ganzen land kein Mensch so geschwind und so schön einen meerschaumnen Pfeifenkopf braun schmauchen konnte. Was sonst an Zeit ihm übrig blieb, das füllte er mit Schlafen und Essen aus.
Drittes Kapitel.
Vom tod und Sterben.
So war denn nun der Edelmann im Pommerlande geworden, was er den Umständen nach werden konnte: der vornehmste Bauer auf seinem Gute. Dass er nicht der elendeste wurde, davon lag der Grund, wir sagen es noch einmal, in der überwiegenden Güte seines Herzens, und in einer so vortreflichen Anlage, dass sie schlechterdings nicht völlig zu unterdrücken noch auszurotten stand. Was aber davon übrig blieb, hatte freilich eine so schiefe Richtung bekommen, dass der Schade lebenslang unheilbar blieb.
Die gnädige Frau ging aus dieser Zeitlichkeit, gerade als ihr Sohn mündig geworden war, und liess ihn im Besitz ungeheurer Reichtümer