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, ein silberner verguldeter, und ein blosser silberner, mit verhältnissmässigen monatlichen Einkünften, für brave Soldaten gestiftet sei. Diese idee gefiel ihm herzlich. Er künstelte mit seinem Konseil gar lange daran, sie nachzuahmen. Endlich erfand er für verdiente Leute einen lakirten und einen nicht lakirten Orden. Die Mitglieder des ersten hatten monatlich einen Tag frei Danziger und Knaster; und dir des zweiten, einen Tag frei Bier und Kardues.

Und hiermit rekommandiret sich Junker Siegfried von Lindenberg, bis aufs Wiedersehen, dem günstigen Leser zu geneigtem Andenken.

Fünf und zwanzigstes Kapitel.

Mein moralisches Kapitel.

Predigen mag ich nicht gern. Es ist auch meines Amtes nicht. Aber in jedes Büchlein das ich schreibe, mogte ich doch gern hie und da eine gute Lehre in ein und andern Winkel verstecken, und eine Decke von Filet davor hängen, dass, wer am Mittage ohne Licht sehen kann, was hinter dem Vorhang war, leicht finden konnte. So hab ich es auch in diesem buch zu machen mich besten Vermögens bestrebet. Da diese Art aber manchen Leuten die durch ein bischen Filet nicht sehen können, nicht recht sein muss, weil sie wo nicht Predigten, doch eine Hauptlehre worauf jedes teil des Ganzen zielt, wie alle Nadii eines Cirkels ins Centrum, verlangen, welche am Ende des letzten Kapitels ein bischen Handgreiflich angezeiget sein soll: so muss ich diesen Leuten wohl in etwas zu Gefallen sein, und eine mit dürren deutlichen Worten ausgedruckte Lehre hersetzen, obwohl sie aus meinem buch in keine Wege herzuleiten ist, und weder jedesnoch überall ein einziges Kapitel auf dieselbe, wie der Radius auf das Centrum zielet.

Diese meine Lehre lautet aber also:

Rauche nicht stracks auf die Mahlzeit Tobak, sonst ziehst du die Indigestionen zu.

Nun sage mir kein Mensch mehr, dass man aus meinen Schriften nichts lernen könne!

Letztes Kapitel.

Welches so kurz ist, und den Leser so wenig angeht,

dass es nicht der Mühe lohnt, den Inhalt drüber zu

setzen.

Und nun, mein Büchlein, du meiner hände fröhliches Werk, sende ich dich in die Welt. Die freundliche Muse unter deren Lächeln ich dich gebahr, wolle dich auf deinem Pfade durch die hände unzähliger Leser geleiten, ehe du den Weg alles Papiers gehen musst! Das ist mein väterlicher Segen, den ich dir mit auf die Reise geben. Halte du, weil ich das Inkognito beobachte, dich darum nicht für ein Vaterloses Kind noch für einen verlassnen Waisen; ich schäme mich deiner nicht. Dulde es, wenn jemand dir sagt, deine Nase sei schief, oder du hättest viel Sommersprossen und Leberflecken; ich will es auch dulden; denn, gesetztwas doch nicht immer sein wirdder Jemand hätte Unrecht, so wirst du darum keinen einzigen Flecken kriegen den du nicht wirklich mit auf die Welt gebracht hast. Sagt aber jemand, du seist ein Bösewicht, dann sollst du sehen, das du nicht Vaterlos seist. Oeffentlich will ich dich dann für mein Kind erkennen, deine Sitten deren Unschuld ich am besten kennen muss, verteidigen und rechtfertigen, deine Ehre retten, und deinen Verläumder zu schanden machen.

So zeuch deine Strasse in Friede! Den Allerdurchlauchtigsten Grossmächtigsten, Gnädigsten, und so herunter jedem Leser bis zum ehrbaren Bürger magst du, ohne auf Rang und Stand zu sehen (wir sind alle Menschen) meinen freundlichen Gruss entbieten; den Kritikern begegne höflich und lehrbegierig; sie können deine Nase, wenn sie wirklich schief ist, vielleicht gerade rücken, oder dir wenigstens ein Mittel wider die Leberflecken und Muttermaale sagen, und das nimm mit Danke an. Die Kritikaster und Kritikakler magst du meinentwegen über die Schulter ansehen; und die Buben, die ehrlichen Schriftstellern strassenräuberisch und meuchelmörderisch, a la Anzeige, aufpassen, wo du einen solchen findest, und wenn es in der angesehensten Gesellschaft wäre, so reiss ihm die Maske ab, und tritt ihn unter die Füsse. Ich will dir beistehen, und dich schützen, wenn's auch wieder den General dieses leichten Gesindleins wäre.

Führe dich, wo möglich, so auf, dass ich dich zum zweiten mal ausschicken könne. Suche in solchen Häusern einzukehren, wo irgend ein guter Mensch unter seiner Bürde seufzet, und versuchs, ob du ihm sein Bündel ein wenig leichter machen kannst. Dann bist du in meinen Augen ein verdienstvolles geschöpf. Sei gegen jede ehrliche Seele so heiter, dass keine Falte der Stirn gegen dich bestehen könne. Nur, wenn du etwa ihrem grab nahe kömmst, dem stillen einsamen Hügel unter welchem sie schlummert, die mir so schnell entrissen wurde! die ich schmerzlicher verlohr, als der welchgeschaffne Jüngling sein zärtliches Mädchen; schmerzlicher, als der fühlende Mann die geliebte Mutter seiner Kinder! um die ich klagen werde, so lange ich klagen kann! Kömmst du zu dem grab dieser Teuren, zu dem ich jetzt traurig eile, so verstumme deine Freude! so schalle, durch dich erweckt, kein lachen! so wandle die Muse der ich dich empfahl, und bei dich wenn du grösser wirst, ich sehe es vorher, zu dem ehrwürdigen heiligen Hügel führen wird, ihr freundliches Lächeln in frommen Gram.

O! dass du allein mich hier verstehst!

Aber, geh in Frieden!

Siegfried von Lindenberg

Inspicere, tanquam in speculum, in vitas omnium

Suadeo, atque ex aliis sumere exemplum sibi.

Terent.

Erster teil.

(Zweite rechtmässige, und durchgehends

geänderte Ausgabe.)

Vorrede zur zweiten Ausgabe