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mit gleicher Kraft, und mit gleicher Geschicklichkeit respektive schwingen und führen."

"Ich ehre in Euerer Herrlichkeit den Eifer fürs Vaterland, den Sie in uns anzufachen sich rühmlichst, aber ich darf sagen zum Ueberfluss, bestreben. Denn wir alle glühen fürs Vaterland."

"Euere hochgebietende Herrlichkeit bitte ich, von mir besonders zu glauben, was ich meinesteils von allen diesen Herren versichert bin: dass ich es für sehr notwendig halte, die erledigte Stelle mit einem solchen Mann zu besetzen, der einem solchen amt völlig gewachsen sei. Ich getraue mir auch zu behaupten, dass es in Seiner Hochwohlgebohrnen Gnaden Gebiete an mehreren hierzu tüchtigen Subjektis keinesweges fehle. Die Schwürigkeit ist nur diese, dass keiner von den Wahlfähigen Männern zu einem amt welches viel Patriotismus, und Schweiss fürs gemeine Beste erfodert, Lust bezeugt. Da nun Ew. Herrlichkeit uns auffodern einen der Wichtigkeit der Sache angemessenen Schluss zu fassen, und mein Rang mich verpflichtet, meine stimme zuerst zu geben: so bin ich der Meinung, man müsse, ehe wir zu einer, ohne diese Vorsicht, vielleicht unnützen Wahl schreiten, vorher ein unwiderrufliches Gesetz machen, dass jeder Untertan Seiner Gnaden, der vom geheimen Konseil zu einem amt ernennet wird, solches unverweigerlich annehmem müsse, bei schwerer namhafter Pön, er müsste denn solche Gründe vorbringen können, die das Konseil selbst für annehmlich und gültig erkennen würde."

Hiermit nahm der Herr Kabinetsminister und Schlosspoet seinen Platz wieder ein. Der folgende, Herr General- Ober- Finanz- Domänen- und Oekonomie-Intendant, Herr Georg Detri, ein Mann dessen Art es nicht war viel Worte zu machen, stimmte ganz kurz dem Leibpoeten bei. Herr Staatsminister Peter Fix, als ein Genie, machte schon ein bischen mehr Worte und, obwohl im grund mit dem Poeten einig, hatte er doch einige Klausuhle beizufügen. Die andern Herrn, als der Herr Staatsminister und OberSchloss- auch Land-Jägermeister, der lahme Paul genannt, weil er sich eines Stelzfusses bediente, der Staatsminister und Chef von der Garde du Korps (eigentlich der Schloss-Nachtwächter) Hannes Meier, u.s.w. gaben ohne Umstände ihren Beisatz. Da also des Leibpoeten Vorschlag alle Stimmen hatte, konnten Monsieur le Premier nicht anders als ihn genehmigen, und Seine Gnaden gaben Dero Assent zu der Bill.

Monsieur le Premier hatten nicht die mindeste Ahnung davon, dass der Poet aus altem Groll gegen Seine Herrlichkeit, und das changeante Genie aus angebohrnen Neid, schon längst unter der Hand alle Glieder des Konseils auf ihre Seite gebracht hatten, um das Sauhirtenamt einen mann aufzuladen, den der erste Minister unter allen Menschen am wenigsten dazu ernennet haben würde; und dass dieses Gesetz eine garstige Falle war, die sie Seiner Herrlichkeit stellten.

Als nun das Gesetz förmlich zu Papier gebracht und behörig paraphiret war, kam man der Sache nähet und der Herr Premierminister schlug vor, einen ordentlichen Wahlaufsatz von tüchtigen Subjektis zu machen, aus denen man einen Hirten wählen könne. Der poetische Minister stand abermals auf, und verwarf diesen Vorschlag, indem er folgendes ab Protokollum gab:

"Mit aller Ehrerbietung, welche Votirender vor der Meinung Seiner Herrlichkeit hat, achtet er einen Wahlaufsatz für desto unnötiger, da in dem ganzen Gebiete Seiner Gnaden nur ein einziger Mann ist, dessen übrige Geschäffte sich mit einem so beschwerlichen Dienste vertragen. Der Ackermann würde immer seinen Feld und Gartenbau vorschützen und das geheime Konseil würde bei derlei Exceptionen acquiesciren müssen, um so mehr, da er mandato generosissimi Domini nostri, sämtliche hohe und niedre Landesbediente, von Seiner Herrlichkeit dahin angewiesen sind, den Landbau besten Vermögens zu befördern. Zudem ist der einzige Mann der eifrigste Patriot in Seiner Gnaden ganzem Gebiete, eine Wahrheit die niemand bezweifeln wird, so bald ich ihn genannt haben werde. Seine ordentlichen Geschäffte sind auch von der Art, dass sie sich mit dem Hirtenamte sehr wohl vertragen. Ich werde nicht anstehen ihn zu nennen, so bald es per majora entschieden ist, dass der Aufsatz entbehrlich und unmöglich sei."

Die andern Herren verwarfen einstimmig den Aufsatz, bloss Herr Fix nicht, weil er wohl wusste, dass seine einzige stimme nichts entscheiden würde. Doch drang er mit den übrigen darauf Herr Süss müsse seinen Kandidaten nennen. Dieser erklärte sich hierauf also:

"Euere Herrlichkeit, Monsieur le Premier, sind es selbst, die einzig und allein zu dem amt, dessen Wichtigkeit Sie uns so eben mit aller Wahrheit und Nachdruck schilderten, wahlfähig sein können. Dero Hauptgeschäfft ist die Schule, welches ich daher beweisen würde, dass das geheime Conseil zur Winterzeit erst nach geendigten Schulstunden gehalten wird, wenn es eines Beweises bedürfte. Da nun hiesiger land des Sommers keine Schule gehalten wird, und des Winters keine Schweine ausgetrieben wergen, auch Dieselben durch die Schularbeiten zur Geduld hinlänglich gewöhnet sind: so gebe ich hiermit mein Votum dem Herrn Premierminister zu der erledigten Sauhirten Stelle."

Dem Ludimagister schwoll der Kamm. Er wollte das Obstat halten, aber umsonst. Herr Süss überschrie ihn, und behauptete die Wahlfreiheit, verwies ihn auch auf das eben erst gemachte Gesetz. Kurz, der Herr Premierminister und Präsident der historischen Societät ward einstimmig zum Schweinhirten mit dem Titel eines General- Hut- und Weideinspektors erwählet, und Seine Gnaden konnten nicht anders als die Wahl konfirmiren.

Es blieb dem Herrn Minister nichts übrig als sich in Geduld zu fassen, und einstweilen die Sache hinters Ohr zu schreiben. Er war genötigt sein neues Bahntje durch seine Frau