dolmetschen konnte, und sich nicht so tief erniedrigen wollte, den Leibpoeten zu fragen, so hatte es bei geheimen Konseihl sein Bewenden, und der Wohlklang wurde der Furcht einen Bock zu schiessen, weislich aufgeopfert.
Von dieser Zeit an wuchsen die Kabinetsminister, staates- krieges- Finanz- Domänen- KommercienKommissions- und andre Räte auf Lindenberg aus der Erde wie Pilze.
Bei aller seiner irdischen Hoheit vergass der Herr dirigirende Minister doch nicht, dass er seine ganze Grösse ursprünglich den Vorlesungen, und hiernächst dem Avisenschreiben schuldig sei, und er war weise genug, diese beiden Aemter nicht niederzulegen, so sehr auch seine Neider und heimlichen Feinde ihm vorstellten, es sei unter der Würde so eines Mannes sich mit dergleichen zu beschäfftigen. Er hatte Staatsklugheit genug, einzusehen, dass er nur bloss durch eben die Mittel die ihn erhoben hatten, sich auf seiner Höhe erhalten könne.
Um diese Zeit stiess ihm ein Unfall zu, den er weder vorhergesehen hatte, noch mit aller seiner Klugheit vermeiden konnte. Es begab sich nämlich, dass der Schweinehirte des Dorfes Lindenberg das Zeitliche gesegnete. Besetzt musste diese Stelle wieder werden, das war unstreitig. Aber vermöge des Indigenats musste sie durch einen Eingebohrnen des hochadlichen Lindenbergischen Gutes verwaltet werden, und dieser Umstand erregte unendliche Schwürigkeiten. Die sämtlichen Eingebohrne Untertanen des Edelmanns im Pommerlande waren durch die sanfte Regierung, durch die brittische Grossmut, und durch die väterliche Fürsorge Seiner Gnaden samt und sonders zu wohlhabend, als dass sich einer zu einem so mühseligen amt sollte bequemet, geschweige denn angeboten haben. Die Dorfgemeine zerbrach sich die Köpfe darüber in der Schenke, und der Edelmann im Konseil; aber umsonst.
"sehe' er zu, wie er da herdurch findet, Herr Magister Lektoris!" sagten Seine Gnaden als Sie sich vor den bauern, die nicht wussten was sie mit ihrem Schweinevieh beginnen sollten, nicht mehr zu retten wussten. Er muss Rat schaffen, so muss Er. Wofür hab' ich Ihn?
Zwei und zwanzigstes Kapitel.
– – Cicerone disertius ipso.
Martial.
Der Herr Premierminister freuete sich innerlich, dass er jetzt der Notanker seines hohen Principals in einer Verdrüsslichkeit war, zu der er nichts beigetragen hatte. Er sah zwar keine Auskunft in dieser Sache, aber das kümmerte ihn nicht. Er setzte sich hin, und elaborirte eine zierliche Rede, und als er sie so weit ins Gedächtniss gebracht hatte, dass er sich getrauete sie wohl vor dem Kaiser herzubeten, liess er sich von seiner Frau nochmals überhören, und berief das geheime Konseil ausserordentlich zusammen. Als die Herren versammelt waren, stand er auf, räusperte dreimal, und sprach wie folget:
"Ich habe Sie auf Befehl Seiner Hochwohlgebohrnen Gnaden, unsers gnädig gebietenden Herrn, zusammen vociren lassen, meine Herrn vom geheimen Konseihl, um mit Ihnen über eine für das Vaterland sehr erhebliche Angelegenheit zu ratschlagen. Was sage ich, erhebliche? Es ist die allerwichtigste Angelegenheit."
"Sie wissen, weise und erhabne Väter des staates, Schweinehirten der Lindenbergschen Nation weggemähet hat, und mögen wir wohl ausrufen:
Quis desiderio sit pudor aut modus
Tam unentberlichen capitis!
Unsers hier gegenwärtigen teuersten Herrn Hochwohlgebohrne Gnaden, Ach, Sie, meine Herren, die ganze Gemeine, die ganze Welt, kurz: Jedermann weiss, dass das Amt eines Hirten ein gar wichtiges Amt, ein Amt multi ponderis sei. Ich vor allen weiss das aus der Erfahrung, da ich die Ehre habe, meine Herren, Ihr Hirte zu sein. Ich will aber bei einer so feierlichen Okkasion nicht von mir reden."
"Einem jeden, das wissen Sie, weise Väter des staates, weil es weltkündig ist, Einem jeden ist sein zeitliches Vermögen die angelegentlichste Sache. Ein grosses teil ländlicher Glücksgüter bestehet in Vieh. Die Schweine sind ein grosses teil des Viehes. Also ist der Mann, dem eine ganze Gemeine ein so beträchtliches teil ihres Reichtums anvertrauet, ein sehr wichtiger Mann. Ich will hier nicht von den Kenntnissen, von der Arbeitsamkeit, von der Geduld reden die zu einem solchen amt erfoderlich sind und die sich niemand recht vorstellen kann, der nicht entweder selbst Schweinhirte gewesen ist, oder sich wenigstens mit Erziehung einer blühenden Jugend beschäfftiget hat. Ich will Ihnen nur bloss die Wichtigkeit des Mannes an sich selbst zu bedenken geben."
"Helfen Sie mir jetzt überlegen, meine Herren vom geheimen Konseihl! Schämen Sie sich der Arbeit und des Schweisses fürs Vaterland nicht. Die Ochsen stehen am Berge, und der Karrn steckt im Sumpfe. Helfen Sie mir, meine Herren, auf die Ochsen unsrer Erfindungskunst wacker losschlagen, dass der Karrn aus dem Sumpfe der Verlegenheit erlöset und über den Berg der Schwürigkeiten gezogen werde. über die Schwürigkeiten darf ich mich wohl nicht weitläuftig ausbreiten. Die Kinder auf den Strassen reden davon. Nur darum bitte ich Sie, beschwöre ich Sie bei meiner und Ihrer Würde, bei unsrer Pflicht, bei dem Namen des Vaterlandes, einen solchen Entschluss zu fassen, der der Ehre dieser Versammlung würdig, und der Wichtigkeit der Sache, als worauf die Wohlfart eines ganzen Staates beruhet, angemessen sei Dixi."
Nun erhob sich der Herr Leibpoet, und entschüttete sich folgerder Rede, auf die er aber nicht stüdiret hatte:
"Schon lange, allervortrefflichster Monsieur le Premier, schon lange sind Euere Herrlichkeit der Gegenstand meiner pflichtmässigen Bewundrung, Sie der das Ruder des staates, die Feder der Autorschaft, das Plektrum des Orbiliats, und die kritische Karbatsche mit gleicher Weisheit,