, und so dergleichen Bummelaschen nicht aufhalten tue. Das Patret, was das anlangt, mögte selbst wohl mein Patret da hängen haben, weiss man nicht, wo ichs herkriegen soll. Kann er Patretten machen, Herr Prätendent?"
Hatten zu Gnaden, gnädiger Herr, ich bin ein Gelehrter.
"Er kann auch Nichts! Weiss er keinen, der 's kann?"
Nein, Eu'r Gnaden; will aber mal mit Deroselben Herrn Schlossbuchdrucker sprechen.
"Kann selber wohl mit ihm sprechen. Krischan! – Den Fix, – – Hör er mal, Herr Fix, kann er wohl so Dinger, so Kunterfeis machen?"
Will die Ehre haben, Sie zu sagen, Ihr Gnaden, dass ich alles kann. Bin 'n Schenny.
"Na, das ist gut. Mal er mich gleich mal ab."
Aufzuwarten, Ihr Hochadlichen Gnaden! Will man hingehn und 'n Bleisticken holen.
"Tu er das. 'S wird Arbeit für ihn geben. Er soll mir 'n etzliche hundert von meinen Konterfeis machen, dass ich gleich eins bei der Hand habe, wenn mir jemand 'n Karmina bringt, oder wenn ich sonst jemand 'n Merkmaal meiner Gnade geben will."
Erlauben Sie gnädigst, Ihr Gnaden, da wollt ich wohl bitten durchzudenken, obs nicht besser wäre, wenn ich das Bild in Holz schneiden täte. Da könnte man, wenn 's einmal geschnitten ist, wohl fünf hundert in einem Tage abdrucken.
"Sieht er, Herr Prätendent, das ist noch 'n Mann der was gelernt hat. Aber er? Mit ihm ist nichts anzufangen. – Na, Herr Fix, schneid er mich man. Kann er auch wohl meinen Türk da bei mir schneiden?"
O ja, Ihr Gnaden. Und Wachtel dazu.
"Sieht er, Lektoris? – 'S ist an Türk genug, Herr Fix; mach er den man recht, mit dem blauen Halsband, versteht er. Kann nu man gehen! – Sieht er, Herr Prätendent, der kann doch noch was. 'S ist 'n allerwelts Kerl, mein Leibbuchdrucker!"
Non omnis fert omnia tellus! versetzte der Ludimagister. Der eine taugt zum Staatsminister, der andre zum Wurmschneider.
"Herr, komm er mir nicht so, oder ich will ihn bewurmschneidern, er soll von nachsagen."
Halten zu Gnaden! Formschneider sagte ich.
Das changeante Genie schnitt wacker drauf los, und brachte ein rares Stück zu stand, völlig so schön und in eben dem Geschmack als Karl der Zwölfte auf den Tobacksbriefen. Es wurde abgedruckt, auf Pappe geklebt, mit einem Streifen Goldpapier eingefasst, und erhielt Seiner Gnaden Approbation, welche ein Exemplar neben sich auf den Tisch legten, und flugs den Justitiarius rufen liessen.
"Hör er mal, Herr Leibpoet, hat mir da letztens durch meinen Krischan 'n Karmina primisiren lassen. Soll auch bedenkt sein. Und will ihm hier eine Schenkasche für machen."
Hiermit winkte er dem Ludimagister, welcher das Porträt Seiner Gnaden vom Tische nahm, und es dem glücklichen Dichter mit vieler Cärimonie überreichte.
Der Justitiarius nahm die Callotsche Fratze aus den Händen des Favoriten an, zuckte (aber freilich so unmerklich als möglich) die Achseln, und war so boshaft, über die unerhörte Aehnlichkeit zwischen dem gnädigen Herrn und dem Holzschnitt zu erstaunen. Er witzelte und spöttelte so hämisch, dass es ein Wunder ist, wenn der Edelmann nichts merkte. Und der artige Herr wäre sehr am unrechtem Orte gezäumet gewesen, wenn sein Principal Lunte gerochen hätte. Der war nicht der Mann, der Spaass mit sich treiben liess, und dem Herrn Justitiarius war es gar behaglich im schloss. Sein Dienst war fett, und seine Arbeit gering. Vorher war er seines Standes wegen dem guten Junker verhasst: nun er sich aber zur Hofpoetenstelle bequemet hatte, konnte er an Galatagen bei hof erscheinen, und zuweilen ein Wort mitsprechen, so gut als einer.
Der Herr Präsident hatte indessen den grossen Gedanken, Kabinetsminister oder so was gutes zu werden, noch nicht aufgegeben. Er begnügte sich anfangs, es bloss durch einen sehr nachdrücklichen Ton, mit dem er die Nachrichten las, dass dieser oder jener Bürgerliche einen Titel oder eine ansehnliche Stelle erhalten, dem Junker aus Herz zu legen, dass man nicht eben lauter Edelleute zu Räten mache. Und der ehrliche Junker hatte von dem Unterschied zwischen einem Commissionsrat und Staatsminister keine gar zu richtigen Begriffe. Der eine, glaubte er, sei so gut ein Minister als der andere. Wie aber der Favorit sah, dass der edle Siegfried durch den blossen Ton kein Feuer fangen wollte, nahm er sich die Freiheit, ihn durch einige Randglossen etwas aufmerksamer zu machen. Als aber auch das nicht helfen wollte, setzte er in die Schlosszeitung, es ginge die Rede, dass Se. Majestät den Herrn Justitiarius auf Lindenberg zum Kriegsrate ernennen wollten. Das schlug an.
"Nee! das soll der König wohl bleiben lassen. Kann selbst wohl meine Leute zu was machen, so kann ich." –
Mit einem male war das Projekt ein geheimes Konseil anzulegen, wieder im Gange. Der Herr Bartolomäus Schwalbe sah von der steilen und stolzen Höhe eines Prämierministers herunter, u. stand an der Spitze des hohen Staatsrates, den die Herren für ihr Leben gern Conseil permanent genannt hätten, weil das so hübsch klingt. Weil aber der Schulmeister das letzte Wort nicht