denn man konnte seine stimme dreimal so weit hören als die grösste Klingel die je ein Kaiser, König, Fürst, oder Herr, – wenn es auch ein edelmännischer Bürger wäre, die, wie man sagt die grössten Schellen haben sollen, – gehabt hat. Doch nehme ich, nach reifer überlegung, die grosse Klocke in Erfurt aus.
Die Ursache aber, warum der Edelmann nur in gewissen Fällen klingelte, war ganz einfältig. Er meinte man müste einen Unterschied zwischen Hund und Diener machen. Jenen könne man mit allem Schick gewöhnen, der Pfeife zu folgen, dieser aber sei doch ein Mensch so wohl als der Kaiser, und wohl wert, dass man ihn bei Namen rufen täte. "Gott Lob, sagte er, dass ich Herr in meinem land bin. Aber wenn ich nun, Gott bewahre mich davor! des Königs Brodt essen täte, als mancher Edelmann tun muss, und wäre Kammerherr oder so was, es würde mich verflucht krapiren, wenn mir der König klingeln täte. Aber ein rechter König tut auch so was nicht. So einer wird immer sagen: Herr Kammerherr Siegfried, wollen Eu'r Gnaden wohl mal 'rein kommen? so wird er."
"Krischan! riefen Seine Gnaden, den Seckertär!"
Der Sekretär kam, und erhielt den Auftrag, flugs mit Zuziehung des Leidpoeten und Verwalters, die Verordnung wegen des Indigenars zu fertigen, und gehörigen Orts affigiren zu lassen, auch eine Abschrift davon dem Präsidenten zum Einrücken in die Avise zuzustellen.
Der Präsident, dem das Wort Verwalter längst anstössig und unter der Würde seines hohen Patrons schien, setzte bei der gelegenheit in die Zeitung: es ginge die Rede, Seine Gnaden würden den Herrn Detri, bisherigen Obereinnehmer und Verwalter, zu Dero Ober- Finanz- und Oekonomie-Intendanten ernennen.
"Ist 'n langer Salm!" sagte der Edelmann.
Ein und zwanzigtes Kapitel.
Der Herr Präsident wird in Versuchung geführt. Das
Gnadenzeichen. Das geheime Konseil u.s.w.
Der Präsident las: Konstantinopel, vom 10ten May. Der Sultan hat den Dolmetschern der fremden Mächte bekannt machen lassen, dass drei Sultaninnen schwanger sind, und aus dieser Ursache ist allen Schiffen das kanoniren verboten.
"Alle Blix, Herr Prätendent, wie viel Sultaninnen hat der Sultan? drei?" O Eu'r Gnaden, er hat wohl dreihundert. Er hat ein gewaltig grosses Schloss sternhagel voll.
"Und das sind alles seine Gemalinnen?"
Allerdings Eu'r Gnaden.
"Und das ist da zu land Mode?"
Allerdings Eu'r Gnaden.
"Hagel noch mal! will das hier zu land auch Mode machen. Wills mal mit 'n Dutzt oder so versuchen."
Halten zu Gnaden! Das würde Dero viel Ungelegenheiten machen. zwölf Gemalinnen zu hüten!
"Kann der Sultan so viel hundert hüten, Herr Prätendent, so will ich die Paar wohl hüten, versteht er."
Ja, Eu'r Gnaden, der hat da andre Anstalt zu, will ich die Gnade haben zu sagen. Der hält sich auf jedes Dutzend einen Verschnittenen, der sie bewachen muss.
"Kann auch ja wohl so welche halten, so gut als der Sultan. Hör er mal, Herr Prätendent, tu er mir den Gefallen und lass er sich verschneiden; 's soll sein Schade nicht sein."
Halten zu Gnaden! Bin in allen Stücken nach meiner Wenigkeit zu untertänigstem Befehl, nur damit bitte mich zu verschonen.
"Schnack! Kann mir ja das wohl zu Gefallen tun, so kann er."
Wenn es auf mich ankäme, gnädiger Herr, so wollt ich wohl sehen. Aber meine Frau würde das all mein Tage nicht leiden.
"Ah Schnickschnack! Muss Subordenatschon im haus einführen. Na, will er mir es zu Willen tun?"
Der Hausfriede, gnädiger Herr ....
Christian unterbrach dieses für den Ludimagister so peinliche Gespräch, indem er dem Edelmanne einen grossen, sehr sauber in Goldpapier gebundnen Bogen im Namen des Herrn Leibpoeten überbrachte.
"Herr Prätendent, sehe er mal zu, was das ist."
Es war nicht mehr und nicht weniger als ein Karmen auf den Geburtstag Seiner Gnaden; einen Tag an den bisher niemals jemand gedacht hatte, denn der gnädige Herr pflegte ihn nie zu feiern, weil er selbst nicht wusste, an welchem Tage er gebohren war. Der Präsident las es vor, und Seine Gnaden bezeugten ihr hohes Wohlgefallen darüber, ohne ein Wort davon zu verstehen. Der Präsident aber, der auf seines hohen Patrons Grösse noch stolzer und eifersüchtiger war, als auf seine eigne, war der Meinung, Seine Gnaden müssten dergleichen Dinge, nach dem Beispiele andrer grossen Herren, nicht ohne Belohnung lassen.
"Was ist denn wohl Kustühm, für so 'n Karmina zu geben? Ha?"
Ja, Eu'r Hochwohlgebohrnen Gnaden, das kommt auf die Generosität des grossen Herrn an. Eu'r Gnaden erinnern sich wohl noch aus den Avisen, dass so was manchmal eine goldne Dose mit des grossen Herrn Konterfei drinn, oder das Konterfei schlecht weg abwirft. Zuweilen lohnts auch wohl einen Ring, oder eine Medaille, nachdem der Herr die Laune hat. Aber meines untertänigsten Dafürhaltens ist das Porträt mit oder ohne Dose, das beste Merkmaal der Gnade.
"Schnackt wie 'n Schaaf, Lektoris! Weiss ja wohl, dass ich mich mit Dosen, und Ringen