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wo soll ich die Manisters herkriegen?"

O! Eu'r Gnaden, da ist Rat zu. Ich darf wohl sagen, mit hoher Permission, dass Eu'r Gnaden mit guten Leuten umgeben sind. Nicht eben, dass ich mich rühmen will, denn propria laus riecht nicht nach Biesam, wie das Adagium sagt: aber ich sollte wohl, meines Dafürhaltens, keinen unebnen Premierminister abgeben. Und da ich schon Präsident bin ...

"Er ist 'n Flegel, Herr Prätendent, mit Gunst zu melden. Er wollte werden? – Er mag den Kukuk werden. Ist er'n Edelmann? ?"

Nein, Eu'r Gnaden, aber ich konnte ...

"Was könnt Er? Den Hagel auch! Er könnte sich nobeltiren lassen, meint er. Da wär Er'n Esel! Nee, Nee, Herr Prätendent, sei er kein Narr! Mama seliger pflegte immer zu sagen, wir alten Edelleute hätten die neuen doch man zum Narren, wenn wir auch noch so freundlich mit ihnen täten. Nee, bleib er was er ist."

Aber, Eu'r Gnaden ...

"Aber, aber! Alle Hagel noch mal, so muss er mir nicht kommen. Das muss ich verstehn, was zu so was gehört. Manisters, sieht er, das müssen Kaweliers sein, anderster geht das nicht."

Das Konseil blieb also noch ein Weilchen ausgesetzt. Indessen lag es beiden Parteien sehr am Herzen, dem einen, Premierminister zu werden, dem andern Ministers zu bekommen. Wir werden künftig schon noch sehen, wie der Präsident (der gar nicht dran gedacht hatte, sich nobilitiren zu lassen, wie ihm der Junker Schuld gab) die Sache handhaben wird.

An eben dem Tage, da das geheime Konseil im Vorschlag war, las der Präsident dem Edelmanne aus der Zeitung vor, dass der König von Dännemark ...

"Was ist das für 'n Land?"

Ein grosses Königreich, will ich die Gnade haben zu sagen. Es liegtvon hier aus gerade dahin, wo ich mit meinem Finger hin weise, in Jütland, wo die Ochsen so gut gedeihen. Wiewohl nicht so recht in Jütland, sondern ein bischen an der Grenze, wo der Weg nach Ditmarschen vorbei geht.

"verstehe all, Herr Prätendent Lektoris. Man weiter!"

in seinen sämtlichen Staaten (Denn, er hat wohl vier Königreiche, sagte der Schulmeister, wo er König über ist.) das Jus Indigenatus eingeführet habe.

"Kenne das Ding nicht, Herr Prätendent."

Will's Eu'r Gnaden demonstriren mit hoher Permission. Es ist ein schweres Wort, und kommt her von Indigena, welches ein im land gebohrner heisst, und von gignere herkommt. Es will also so viel sagen, als das Recht der Eingeburt.

Der Edelmann, dem die Jütischen Ochsen im kopf lagen, und der, wie alle leeren Köpfe, eine idee so leicht nicht fahren liess, forschte weiter und sprach: "Kann nicht recht klug aus werden, soll kein einländsch Vieh über die Grenze, oder soll kein fremdes im land geschlachtet werden?"

Halten zu Gnaden, mit hoher Permission. Es ist nicht von Ochsen die Rede. Eu'r Gnaden kapiren mich nicht ....

"Was? hat er nicht gesagt, die Ochsen hätten da gut Schick?"

Allerdings, Eu'r Gnaden, aber das war bei gelegenheit der Geographei, mit hoher Permission, wo man immer gern ein Wort von den Landesprodukten mit einfliessen lässt. Nun aber ist hier nicht die Rede von Landesprodukten, sondern von Landeskindern.

Es kostete dem Ludimagister Künste, ehe er seinen Patron aufs rechte Fahrwasser brachte. Denn, manche Leute, wenn sie einmal verbaset sind, brauchen lange Zeit, ehe sie wieder aufhören, dämisch zu sein. Endlich aber, wie der Edelmann es begriffen hatte, freuete ihn die Sache so herzlich, als ihn je etwas gefreuet haben mögte.

"Alle Blix, Herr Prätendent Ordinari, das ist gut fürs Land. Ich will auf meinen Gütern auch 'n Jus Indigenatus machen, so will ich. 'S soll mir mein Seel keiner in meinem land zu Brodte kommen, der nicht in meinem land gezogen und gebohren ist. Will's stantepe ausfertigen lassen."

Der Herr Präsident unterliess nicht, diesem Einfall aus voller Lunge zuzujauchzen, ob er gleich wohl sah, dass das Ding hapern würde. Aber eben deswegen gab er so laut seinen Beifall. Denn er freuete sich im Voraus über die Verlegenheit, worinn der Junker kommen musste, wenn solche Stellen ledig würden, die sich durchaus mit bauern, nicht besetzen liessen; und da der Einfall nicht von ihm herkam, sondern dem eignen Gehirne des Edelmanns im Pommerlande abgegangen war: so konnten ihm alle die Verlegenheiten nichts verschlagen, so meinte er. Die Zeit wirds lehren, ob er richtig dachte.

Seine Gnaden erhoben indessen ihre stimme, und riefen: Krischan! – Denn, obgleich beständig eine silberne Klocke auf dem Tische stand, so pflegte der Herr von Lindenberg sie doch anders nicht zu brauchen, als wenn er etwa ein wenig böse auf Christian war; dann galt die Schelle für eine Art von Strafe. Ausserdem aber war er gewohnt, seinen Homme de Chambre immer zu rufen, wie meine Leser längst gemerkt haben werden. Und er tat daran auch besser,