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das betrifft. Kann auch wohl Sohtschetäten machen. – Na, man weiter!"

"– Wissenschaften, den Herrn Schlosspoeten, Martin Christoph Süss, p.t. Justitiarius, wie auch den Herrn Peter Fix, Schloss und Avisendrucker, auch Inspector über Seiner Gnaden Taschendruckerei zu sich berufen zu lassen, und ernennten sie auf der Stelle in einer zierlichen Anrede zu Mitgliedern der historischen Societät der Wissenschaften, welche Hochdieselben hiermit errichteten. Der abwesende Herr Friedrich Schulze, geheimer Secretär, und Herr Georg Detri, Obereinnehmer und Verwalter Seiner Gnaden, hatten gleichfalls die Ehre, zu Mitgliedern dieses vortrefflichen Instituts ernannt zu werden. Hierauf stellten Seine Gnaden diesen Herren Dero Lektorum ordinarium, den Herrn Bartolomäus Schwalbe, als ihren Präsidenten und Oberhaupt vor, und weiheten sich selbst sehr feierlich zum künftigen Beschützer dieses Instituts ein."

"Die binnen Jahr und Tag zu beantwortenden Preisaufgaben sind:

I. In welchem Jahre zog der tapfere Ritter Siegfried, genannt der Hörnerne, zum erstenmal auf Abenteuer aus? Wenn ward er gebohren, und wenn starb er?"

"II. Welcher von den Leibeserben dieses Helden ist der eigentliche Stammvater der Herren von Lindenberg?"

"Die beste Beantwortung der ersten Frage wird mit einem fetten Ochsen, und die der zweiten mit einem halben Fasse Bier und vier Flaschen Danziger Goldwasser belohnet werden."

"Wie man vernimmt, werden der Herr Bartolomäus Schwalbe, als Präsident der Akademie, einen ansehnlichen Gehalt empfangen."

"Wenn dieses Institut seine erste Sitzung halten wird, ist noch nicht bekannt."

* * *

"Blix, Herr Prätendent, das soll mal 'n Schnack in der Welt geben!"

Allerdings, Eu'r Gnaden! Es wird ein rechtes aufsehen machen.

Der gnädige Herr hatte nie dran gedacht, dass es nicht genug sei, Zeitungen drucken zu lassen, sondern dass sie auch auswärts gehen, und gelesen werden müssten. Er genoss seine Grösse, und schmeichelte sich, aller Welt zu reden zu geben, weil alles was er tat, schwarz auf weiss gedruckt war. Und der Ludimagister hütete sich wohl, ihm den Staar zu stechen. Er war froh, dass die Avisen im Gange waren, und dass er vermittelst eines kleinen Winkes in der Zeitung den gnädigen Herrn zu allem bringen konnte, ohne dass ihm etwa heute oder morgen etwas hätte beigemessen werden können, gesetzt auch, der Edelmann wäre von der Art gewesen, irgend jemanden die Ehre eines Einfalles zu lassen.

So, zum Exempel, als einmal des Basedowischen Philantropin's in der Zeitung gedacht wurde, und der Edelmann mit seinem gewöhnlichen: Kenne das Ding nicht, dem Ludimagister gelegenheit gab, seine Weisheit an den Mann zu bringen: da schwatzte dieser ein Langes und Breites davon, sagte das wäre eine gar aparte Schule, abscheulich schön, kompendiös, wo die Knabenwiewohl's auch für Mägdlein passtein einem Schnups alles lernten, alles mit Namen zu nennen wüssten, wie es auf Deutsch und Latein hiesseund was ein Dorfschulmeister sonst noch von einem Philantropin sagen kann. Und des folgenden Tages stand unter dem Artikel: Schloss Lindenberg, folgendes in der Zeitung:

"Ein gewisser vornehmer Herr hat sich von einem Gelehrten einen genauen Begriff von der Einrichtung und dem Nutzen des Dessauischen Philantropini beibringen lassen; und es stehet zu vermuten, dass er wohl den gedachten Gelehrten nach Dessau senden werde, um sich mit der Philantropinischen Einrichtung aufs vollständigste bekannt zu machen, um ein ähnliches Institut zum Besten seiner jungen Untertanen in seinem Gebiete zu errichten."

Mehr brauchte es nicht, den Edelmann zu bestimmen. Das Philantropin für die Lindenbergschen Bauerjungen kam mit der Zeit zu stand. Herr Peter Fix schnitt die dazu erforderlichen Bilder in Holz, und wenn ein Ding vorkam, das dieser Künstler weder in der natur noch in einer Abbildung zu sehen gelegenheit gehabt hatte: so ersetzte sein Genie solche Kleinigkeiten. – Wenn wir dieses Philantropin nicht genauer beschreiben, so ist die Ursache diese, weil das ein grösseres Buch erfoderte, als dieses dermalen werden darf.

Zwanzigstes Kapitel.

– – – Paulo maiora canamus. Virg.

Unser Edelmann hatte nun Einmal den Ehrgeiz keinem Menschen, er mogte Kaiser, König, Herzog oder Fürst sein, das mindeste voraus zu lassen, ohne manchmal, wie doch wohl zu raten gewesen wäre, zu überlegen, dass auf einem Rittergute nicht allemal tulich sei, was in einem grossen Königreiche wohl angehet. Aber er war nun so. So bald er hörte, dieser oder jene König habe diess und das getan, und die Königliche Handlung schien ihm nützlich, oder gross, oder sie ward nicht gerade zu von dem Herrn Präsidenten getadelt: flugs war er bei der Hand, und tat eben das, oder noch einmal so viel.

Er fand eines Tages, wie ein gar schweres Ding es sei, Land und Leute zu regieren, dass es eine Art hätte.

Das kommt zum teil davon her, sagte der Präsident, dass Eu'r Gnaden die ganze Last allein tragen. Wenn ich andre grosse Herren bedenke, die haben ihren Konseihl, und ihre Kabinetsminister und Kriegsminister und Domänenräte und Circumferenzräte und wer weiss was alles. Die machen sichs kommode. Aber Eu'r Gnaden haben keinen Menschen, und sorgen für alles allein.

"Blix! 's ist auch wahr, mein Seel! Will mir auch nicht mehr so strapenziren Will auch 'n Kunseihl zulegen. Aberlass mal hören, Herr Prätendent,