n Regenschirm überzuhalten.
"Von Rechts wegen. Das ist billig. Herr, mach er flugs Anstalt, und führ er den Arrestanten ab."
Der süsse Justitiarius protestirte dagegen. Nee, nee, rief der Edelmann, das ist man nichts. Ich tue ihm seinen Willen, ich muss dem Ordinari da auch seinen Willen tun. Aut oder naut: lassts kamp auf gehen, oder Marsch! Was ihr nu wollt.
Nach einigen Debatten, wobei der Lektor nun das grösste Wort hatte, liess man alles kamp auf gehen. Na, das ist recht, sagten Seine Gnaden. Da, gebt euch die hände. So! Nu, Herr Justitiarius, will er mir wohl 'n Gefallen tun? Mach er mir mal 'n Karmina auf Türk da. 'S soll sein Schade nicht sein. Muss aber fertig werden, dass es in die nächste Avise kommen kann. Will ihn hiermit in Gnaden zu meinen Schlosspoeten ernennen. Uebers Salahrgen will ich denn auch wohl risalviren. Schulm ... Ordinari wollt ich sagen, setz er es morgen in die Avise, dass ich den Herrn Justitiarius zu meinen Leibpoeten, mit einem Gehalt, darüber ich noch risalviren will, gedeklarirt habe. – Und er, Herr, wie er's Ding auf meinen Türk macht, so will ich's Salahrgen machen. – Mit diesen Worten ging der Edelmann hinaus, und setzte sich zu Pferde, voll Freude, dass er sich aus der Sache gezogen, ohne sein gegebnes Wort, welches er allemal in grossen Ehren hielt, brechen zu dürfen. Die beiden Gelehrten glupten einander an, des festen Entschlusses, sichs bei nächster gelegenheit einzutreiben. Sie stellten denn einander auch wechselsweise an ihre Pranger gar säuberlich; der Lektor kuckte aus jedem Verse des Juristen, und der Jurist wurde dafür in den gelehrten Artikeln Metodo Schmidiana gelobpriesen, das heisst: mit aller möglichen Unwissenheit und Boshaftigkeit. Uebrigens war es nicht so wohl der gelehrte, als vielmehr einer von den politischen Artikeln der ersten Novitätenstafette der den süssen Gerichtsverwalter so erbittert hatte. Und der Groll des Herrn Lektors war durch einige Sarkasmen des Justitiarius, worauf der schwerfälligere Witz des Lektors nicht gleich Repliken fand, erreget worden.
Neunzehntes Kapitel.
Die historische Societät.
An einem schönen Morgen, als der Lektor die Zeitungen las, und Seine Gnaden ihre Pfeife rauchten, geruheten Dieselben, dem Lektor folgendes zu vernehmen zu geben:
"Blix, Lektoris, mag das nicht mehr hören, dass ich ausgeritten bin, und auf der Jagd war. Kann er nicht sonst was 'neinschreiben, was ich tue?"
Halten zu Gnaden, mit Permission, ich schreibe allein, was ich in Erfahrung bringe. Aber zeiter ist so wenig Neues passiret, dass ich oftmals meine liebe Not habe, die Zeitung voll zu kriegen. Und wenn Eu'r Gnaden nicht befohlen hätten, das ich das Merkwürdigste von andern Fürsten und Herrn mitnehmen soll, so wüsst ich manchmal in meinem leib keinen Rat.
"Na, na! wart man; soll schon passiren, so soll es! Soll schon zu schreiben kriegen. Les' Er man weiter."
– Am Geburtstage der fürstin Jablonowska versammelten sich die Mitglieder Jablonowskyschen historischen Societät u.s.w.
"Halt mal! Lektoris, weiss er mir wohl zu sagen, wenn ich ihn fragen tät, wie so 'ne Sohtschetät sein muss?"
Das weiss ich so gut, als mein Vaterunser. Das sind Gelehrte, die zusammen kommen und einen Präsidenten haben; die untersuchen denn allerhand historische Dinge, und geben Preisaufgaben auf, zum Exempel: In welchem Jahr Christi Alexander Magnus wider den Türken auszog? oder wer dieses und jenes Mannes Grossvater gewesen? und wers denn am besten macht, der kriegt den Preis ...
"Halt mal! Habe schon längst Willens gewesen, auch mal so 'ne Sohtschetät zu machen. – Krischan! den Justitiarius und den Leibbuchdrucker!"
"Hört mal, ihr Herren! Will euch alle drei hiermit in Gnaden zu 'ner historschen Sohtschetät machen. Der Seckertär und Verwalter sollen auch mit bei sein. Schulm ... Lektoris! kann 's man in die Avisen setzen. Er soll Prätendent sein, hört er."
Danke untertänigst für die hohe Gnade. Wollen Eu'r Gnaden auch über die Aufgaben resolviren?
"Kann wohl. Will nu ausreiten. Meld er sich, wenn ich einkomme."
Der Ludimagister, nunmehriger Präsident, ermangelte nicht, sich bei der Zurückkunft Seiner Gnaden einzufinden, und erhielt von ihm Befehl, einige Preisaufgaben bekannt zu machen. Der Ludimagister erinnerte ihn, dass es nicht undienlich sei, den Preis zugleich zu bestimmen, und empfieng auch darüber seine Befehle. Also prunkte die nächste Avise mit folgendem stolzem Artikel:
"Schloss Lindenberg, vom 13ten Januar. Heute früh, als der Herr Lektor ordinarius Bartolomäus Schwalbe, Ludimagister Seiner Hochwohlgebohrnen Gnaden, dem Herrn Siegfried, Erb- und Gerichtsherrn von Lindenberg etc. etc. etc. unserm allerteuersten Herrn aufwartete, geruheten Seine Gnaden aus einem rühmlichen Eifer für die Wissenschaften ..."
"Halt! riefen Seine Gnaden, das ist all wieder nicht wahr; hab' an die Wissenschaften nicht mal gedacht. Schere mich viel um den Kram. Habs man getan, weil ich so gut 'n Edelmann bin, als der Fürst Jablonowsky, und so gut Geld habe, als er, und wohl noch mehr, was