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, wie uns dunkel im Gedächtnisse schwebt, schon gesagt haben, dass er auf jede Frage eine Antwort wusste, ihm niemals schuldig zu bleiben. Wir halten die Recension für ein sehr köstliches Stück, darum wollten wir es durch des Junkers fragen und des Lektors Antworten nicht unterbrechen, und finden es für den Leser bequemer, den Kommentar hier besonders zu liefern. Gleich bei den ersten Worten, An die Najade, unterbrach er den Herrn Lektor:

"Najade? Kenne das Ding nicht, Herr Ordinari!"

Najaden, will ich die Ehre haben Hochdero zu berichten, sind Mädchen die im wasser leben, wie die blinden Heiden glauben. Das Wort kommt her von natare, welches so viel heisst als schwimmen.

"Weiss wohl, SchulmeisterLektoris wollt ich sagen. Aber versaufen die Mädchen denn nicht, ?"

Behüte! Eu'r Gnaden. Eine Najade kann nicht ertrinken, denn sie ist eine Göttinwiewohl nicht so eigentlich eine Göttin, aber doch so ein Stück von einer Göttinn, und die Heiden beten sie an.

"Alle Hagel, Lektoris! ist der Justitscharius 'n Heide? Will den Kerl stantepe aus dem schloss karbatschen lassen!"

Halten zu Gnaden, distinguendum est: als Justitiarius muss er ein guter Christ sein, das dank ihm der Kukuk; aber als Poet, da ist er ein Heide. Das schadet nicht. Der liebe Gott weiss wohl, wie das zu verstehen ist. Wir Poeten haben alle das Recht Heiden zu sein.

"Na, na, das ist was anders. Les' er man weiter."

des Rosenbaches. Eine Ode.

"Halt mal! Kann mich wahrhaftig nicht gleich besinnen, was 'ne Ode für'n Ding ist."

Eine Ode istso ein tolles Gedicht das sich reimt, und auch manchmal wohl nicht reimt, und wo kein rechter Menschenverstand in ist, und das den Schwanz hat wo es den Kopf haben sollte.

"verstehe all; 's ist so'n unklug Zeug, als ihr Gelehrten immer kakelt. Man weiter, Lektoris!"

Mit erlaubnis unsrer Leser wollen wir uns dispensiren, die Zwischenreden des Edelmannes herzusetzen, wenn sie nichts Merkwürdiges entalten. Man kennt schon längst seine Art Erläuterungen zu fodern und anzunehmen.

Motto sagte Herr Schwalbe, ist so ein Sprüchelchen, das wir Gelehrte gern vorn hin setzen. Es ist so wie das Gold auf einer Weste. – Den Phöbus erklärte er ganz leidlich. Aber über die Venusinischen Schönheiten beliebte ihm, folgendes zu sagen.

Venusinisch, will ich die Gnade haben zu berichten, kommt her von Venus. Und Venus war bei den blinden Heiden die Göttin der Liebe, eine abscheulich schöne Göttin, von der die Poeten ....

"Halt! verstehe all. 'S ist 'ne Venusschwester pflegte Mama seliger zu sagen, wenn sie von der liederlichen Dorte sprach. Venusinische Schönheiten, ich weiss all, das sind Bordellmenscher, als mein Hofmeister, Gott hab'n selig! sagte. Nicht wahr, Lektoris?"

Halten zu Gnaden, es könnte wohl so viel heissen. Aber hier, mit hoher Permission, will ich so viel damit sagen als: Gedanken oder Worte, die so schön als Venus sind.

"Na, auch gut. Er muss am besten wissen, was er mit sagen will. Man weiter."

Sonore Wörter sind solche, die recht hintennach schnarren.

"Wie 'ne Bockpfeife. verstehe all."

Flakkus war des Kaiser Nero Hofpoet. Er hiess aber eigentlich nicht Flakkus, sondernich weiss nicht gleichich denke Rasmus oder Radius. Ja, recht, nun besinne ich mich; Rasmus hiess er. Flakkus war nur so ein Ekelname den ihm die Pagen am hof gaben, weil er eine grosse Flachsperüke trug.

"Was? Hält sich der Kaiser Nero 'nen Hofpoeten? Der Blix! ich bin so gut 'n Edelmann als er. Will mir auch 'n Hofpoeten zulegen, der mein Leibpoet sein soll. – Man weiter, Lektoris!"

Strophen. Das sind Reimgesetzlein. Wenn man eine Ode macht, so lässt man alle vier oder sechs Zeilen einen Fingerbreit Platz. Es ist – – Geruhen Eu'r Gnaden sich vorzustellen, dass das so in Bündelchen geteilt wäre. So ein Bündelchen ist eine Strophe.

Jubelhymnen. Das ist der blinden Heiden ihr Te Deum.

Hekatomben. Da will ich wohl tausend herkommen lassen, die Eu'r Gnaden das Wort wohl unerklärt lassen sollen. Hekatomben, will ich die Gnade haben zu demonstriren, ist ein Hebräisch Wort aus dem alten Testamente, wo die Juden noch opferten, und ist zusammen gesetzt Hekatom, das heisst so viel als hundert Tiere, denn Tom heisst ein Tier; und aus Be, welches so viel als ein Schlachtopfer bedeutet. Und also heisst Hekatombe ein Schlachtopfer von hundert Ochsen. Doch können es auch Schaafe sein. Daher nennen die Juden des Teufels seine Haushälterinn oder Köchinn, ich weiss nicht was sie eigentlich draus machen, Hekate, weil sie ihm zu jeder Mahlzeit hundert arme Seelen braten muss.

"Gott bewahre!" sagte der Edelmann.

Haben meine Leser an diesen Proben des Unsinnes, der Unverschämteit, und der unbeschreiblichen Unwissenheit des Lindenbergschen Kritikasters genug? – Und müssen sie nicht gestehen, es mangle dem Ludimagister nur bloss an Dummheit, natürlicher Unfähigkeit, und einem Paar grosser Ohren, sonst habe er